Alles positiv

Aktualisiert am 02.07.2014
Beitrag 2 von 8 der Artikelserie: Das Runde muss ins Eckige
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Positive Bestrafung ist keine „nette“ Bestrafung, sondern besagt, dass durch eine hinzugefügte Konsequenz ein Verhalten in der Zukunft seltener oder weniger stark auftritt.

Wird das Verhalten weniger?

angewandte-lerntheorie-lily-chin Ob eine Konsequenz (= etwas, das dem Verhalten folgt) eine Bestrafung ist, kannst du erst feststellen, wenn das Verhalten tatsächlich seltener geworden ist. Wenn du „bestrafst“, aber das Verhalten nicht schwächer wird, hat die Konsequenz nicht als Bestrafung gewirkt. Anders ausgedrückt: jede positive Bestrafung ist ein aversiver Reiz, aber nicht jeder aversive Reiz wirkt tatsächlich als Bestrafung!

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Leinenruck. Der Leinenruck soll das Verhalten „an der Leine ziehen“ bestrafen. Wenn der Leinenruck als Bestrafung wirkt, läuft der Hund nach wenigen Leinenrucken schön an lockerer Leine. Zieht der Hund weiterhin, war der Leinenruck keine Bestrafung sondern einfach nur ein schmerzhafter Reiz, den der Hund nicht mit seinem Verhalten verknüpft hat. Auch weiß er nicht, wie er dieses Rucken vermeiden kann.

Positive Bestrafung im Training?

Bitte lies in meiner Serie über Bestrafung nach, wie schwierig es ist, Strafe richtig einzusetzen und wie viele Risiken und Nebenwirkungen sie hat. Mir ist die korrekte Anwendung zu schwierig, viel zu aufwändig und hätte zudem Auswirkungen auf mein Verhalten, die ich lieber vermeiden möchte!

Außerdem funktionieren Strafen nicht immer so, wie sich der „Bestrafende“ das vorstellt: Jeder, der sich schon mal beim Unkraut jäten an einer Brennnessel verbrannt hat, wird vermutlich sein Verhalten in Bezug auf Brennnesseln verändert haben – allerdings nicht so, wie sich die Brennnessel das „gedacht“ hat! Ich trage jetzt beim Unkraut jäten Gartenhandschuhe!

Hunde lernen solche Strategien ebenfalls! Wir nennen diese Strategien Sturheit, Dummlheit oder Dominanz. Wenn du z.B. einen Welpen bestrafst, wenn er ins Haus macht, lernt er vielleicht, dass er sich beim Pippimachen im Haus nicht erwischen lassen darf. Oder wenn du deinen Hund bestrafst, weil er draußen Pferdeäpfel frisst, lernt er u.U. dass er selbige schneller herunterschlingen muß.

Das ist doch gar nicht so schlimm!

Training über Bestrafung fängt nicht erst da an, wo es nicht mehr „doch nicht so schlimm“ ist. Jeder Hund empfindet das ganz unterschiedlich. Daher ist es sehr schwer, vorab zu wissen, welche Strafe überhaupt für einen Hund geeignet wäre. Manche Hunde reagieren schon sehr ängstlich auf einen strengen Blick von Frauchen, während andere trotz körperlicher Züchtigung das ungewünschte Verhalten nicht unterbrechen.

Bestrafung soll definitionsgemäß dazu führen, dass das bestrafte Verhalten seltener auftritt – daher muss die Konsequenz etwas sein, was der Hund zukünftig vermeiden möchte. Der Hund muss es unangenehm finden. Es ist nicht richtig, dass eine Strafe erst dann eine Strafe ist, wenn sie weh tut oder sehr erschreckt!

Bestrafung im Hundetraining erkennen

Manche Trainer sind ziemlich kreativ darin, Strafmethoden wortgewaltig zu verschleiern. So argumentieren manche, dass das Werfen von Rappeldosen dazu dient, die Aufmerksamkeit des Hundes zu bekommen. Tatsächlich ist die Rappeldose ein Schreckreiz, der das Verhalten des Hundes unterbricht und vielleicht bekommt der Halter dann die Aufmerksamkeit des Hundes, weil selbiger sich erschreckt umsieht, wo das Geschoß hergekommen ist. Hier findest du eine Anleitung, wie du ein Aufmerksamkeitssignal mit positiver Verstärkung aufbauen kannst.

Wenn du die negativen Nebenwirkungen der Bestrafung im Hundetraining vermeiden möchtest, musst du erkennen können, ob  eine Trainingsanleitung Strafe einsetzt. Stell‘ dir beim Lesen der Anleitung die Frage: Soll ein Verhalten reduziert werden? Ist die Antwort ja, könnte es sich um Bestrafung handeln, sofern es in der Anleitung nicht hauptsächlich darum geht, ein Alternativverhalten aufzubauen und das unerwünschte Verhalten durch kluges Management zu verhindern!

Gemeinsam üben

Beschreibe in den Kommentaren eine Trainingsanleitung, die deiner Meinung nach positive Bestrafung enthält. Oder vielleicht hast du eine Trainingsanleitung bekommen, von der du nicht sicher bist, ob sie nun mit Bestrafung arbeitet? Dann können wir das gemeinsam untersuchen.

Ich freue mich auf viele Beispiele und eine interessante Diskussion!

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