Hunde an die Macht

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Der Hund muss gehorchen, sich „unterordnen“, soll funktionieren und darf nichts selber bestimmen, sonst übernimmt er die Weltherrschaft!

Die Liste mit Dingen, die ein Hund nicht entscheiden kann, ist sehr lang (und längst nicht vollständig). Sie betrifft so ziemlich alles, was er so im Laufe seines Lebens erlebt:

  • wo und bei wem er lebt
  • ob und wenn ja, wann und mit wem er sich paart
  • ob er mit anderen Hunden/Tieren lebt
  • was er wann in welcher Menge zu fressen bekommt
  • wann wieviel und welches Wasser zur Verfügung steht
  • ob und wenn ja wie Sie ihm etwas beibringen
  • ob, wann, wie und wie lange Sie sich mit ihm beschäftigen
  • ob und wenn ja welchen Hundesport Sie mit ihm betreiben
  • wann, wohin und wie lange er raus darf
  • wann, wo, worauf und wie lange er schläft
  • wann und wenn ja welche medizinische Versorgung er bei welchem Tierarzt erhält
  • usw…

Wer entscheidet was?

Hunde verboten In vielen Punkten können Sie dem Hund tatsächlich nicht die Entscheidung überlassen.

In meinen Artikeln über Empowerment und Enrichment habe ich aber schon geschrieben, wie wichtig es für den Hund ist, selber Entscheidungen treffen zu können. Das Gefühl, durch das eigene Verhalten gewünschte Konsequenzen zu erzielen, gibt dem Hund Selbstsicherheit.

Wie können Sie nun einerseits das Leben Ihres Hundes soviel wie nötig kontrollieren, ihm aber dennoch  so oft wie möglich Entscheidungen überlassen?

Was kann der Hund entscheiden?

In welchen Situationen reglementieren Sie das Verhalten Ihres Hundes, obwohl er diese Entscheidungen gefahrlos selber treffen könnte?

  • Muss er unbedingt in seinem Hundebett liegen, wenn er es in dem schönen warmen Sonnenfleck auf dem Teppich viel angenehmer findet?
  • Oder möchte er sich lieber auf den kalten Fliesen im Flur abkühlen?
  • Möchte er ein Leckerchen als Belohnung oder doch lieber den anderen Hund weiter beobachten?
  • Möchte er im „Menschentempo“ schnurgeradeaus spazieren gehen oder lieber von einer interessanten Schnupperstelle zur anderen kreuzen?
  • Möchte er auf dem heißen Asphalt (oder dem gefrorenen Boden) lieber stehen als sitzen?
  • Möchte er dem entgegenkommenden Hund lieber ausweichen als weiter auf ihn zuzugehen?
  • Möchte er heute eine große Runde laufen – oder nur schnell seine Geschäfte erledigen, weil es regnet und windig ist und er friert?
  • Mag er die Futtersorte, die Sie ausnahmsweise mal zu Weihnachten hatten lieber als sein normales Futter? 

Haben Sie Mut zum „Kontrollverlust“

Hundetagswahl Überlassen Sie einige Entscheidungen Ihrem Hund und freuen Sie sich über den Spaß, den er dabei hat.

  • Lassen Sie doch auf dem nächsten Spaziergang einfach mal Ihren Hund „führen“.
  • Erlauben Sie ihm so lange wie er mag, im Mauseloch zu buddeln
  • Überlassen Sie ihm die Entscheidung, ob Sie den linken oder rechten Feldweg nehmen
  • Bleiben Sie solange stehen, bis er mit der Schnüffelstelle wirklich fertig ist
  • Fragen Sie ihn, ob er lieber die Rinderkopfhautplatte oder den Ochsenziemer knabbern möchte
  • Und lassen Sie ihn doch einfach mal auf dem sonnigen Flecken in der Küche liegen, auch wenn Sie dann beim Kochen immer um ihn herum laufen müssen.

Schreiben Sie uns, welche Entscheidungen Ihr Hund treffen darf und welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben.

 

8 Antworten

  1. avatar Alexandra sagt:

    Ich habe 4 große Hunde, davon 3 Schäfer-Saarlooswolfhond-Mischlinge. In der Gruppe ist die Erziehung eh schon schwieriger, aber Saarloos gelten ohnehin als erziehungsschwierig, da sie einen gewissen Anteil an Wolf, und damit mehr Naturinstinkte als „reine“ Hunde in sich tragen.
    Sie waren anfangs sehr zerstörerisch, Hundebetten und auch 2 Couchen wurden immer wieder zerfleddert, genaugenommen aufgegraben und sich anschließend gemütlich reingekuschelt…
    Jeder Besucher wurde hinausgefletscht und sie ließen sich auch nicht mit Hundeleckerlis von Besuchern bestechen, sondern bellten die Leute heftig an und wichen aber eher scheu zurück, wenn jemand zu mutig wurde(gebissen wurde übrigens in den 4,5 Jahren unseres Zusammenlebens noch nie jemand!).
    Und einmal hat eine Hündin eines unserer Cuys gefressen, sie schaute lange auf die Gruppe, wie sie es 2 Jahre lang immer tat(ohne den Tierchen auch nur ein Haar zu krümmen!!) und entschied sich für Caruso, er hatte 2 Tage zuvor einen Schlaganfall, war ab der Mitte des Rückens gelähmt und erblindet(der TA meinte, es könnte auch so leben, solange es frißt und sich nicht wundscheuert am Bauch, wie dumm von uns, dies ernsthaft in Erwägung zu ziehen),wir sprachen also darüber, Caruso in den nächsten Tagen erlösen zu lassen und unsere Hündin schaute mir auf dem Schoß liegend aufmerksam und ernst auf die Lippen, stand plötzlich auf, ging zu den Cuys und schaute lange auf sie, dann ging alles sehr schnell, sie holte sich ganz gezielt Caruso raus, tötete ihn in Sekundenschnelle mit einem sehr gekonnten Biß und erlöste ihn, noch bevor er quieken konnte, und wir waren fassungslos….
    Daraufhin musste ernsthaft Hundetraining her(dachten wir!), wir gingen zum Schäferhundverein und lernten dort in 10 Samstagen ein „schönes“ Sitz und wie man anderen Hunden aggressionsfrei(beißsicher mit Maulkorb…) entgegentreten kann!?!

    Danach war klar, entweder die Hunde ticken nicht richtig, oder wir Menschen, denn normal war das alles nicht mehr…

    Nach unzähligen Wolfsbüchern und (was am effektivsten war!!)und langem, aufmerksamen beobachten unserer Hunde war nun amtlich:
    WIR TICKTEN NICHT RICHTIG!!!
    Hunde sind Gemütssäuger, sie leben ,lieben ,leiden, freuen und ärgern sich ebenso wie wir, und sie geraten auch ebenso auch mal in Wut, und sie haben Mitgefühl, und ohne Witz, die lachen auch und sind kitzlig wie blöd 🙂
    Zusammenfassend:
    Sie verstehen weit mehr, als wir Menschen ihnen zutrauen!!!
    Warum also wurden unsere unzähligen Hundebetten zerstört, unsere Couchen zerfleddert und um Himmelswillen unser Caruso gefressen(kein Cuy wurde jemals vorher und auch danach jemals nochmal verletzt oder gar getötet!)???
    Nun, sie wollten es sich einfach gemütlich machen, Wölfe und viele Hunde lieben es, sich im Garten eine Kuhle zu buddeln(wenn sie es denn dürfen..bei uns ganz sicher schon), wir haben uns darauf geeinigt, im Sommer Kuhlen im Garten , wenns kalt und naß ist, haben wir nun riesige Holzkisten dick mit Stroh gefüllt(trau es mir kaum zu sagen, aber die stehen natürlich mitten im Wohnzimmer !), in denen es sich auch dreckfrei, sozusagen salonfähig auch bei Regen herrlich buddeln läßt 🙂
    Und Caruso?
    Ich bin überzeugt, es war nicht nur Instinkt , daß es sich bei ihm um ein Beutetier handeln könnte, sondern tiefes Verständnis, daß es kaum lebensfähig ist und damit sicher keinerlei Lebensqualität mehr hatte…
    Haltet mich nun für seltsam oder nicht, aber meine Hunde sind echt schlauer und denken mehr, als so manch ein Mensch, den ich in meinem Leben so traf!

  2. avatar Nina Werner sagt:

    Wenn einem die Ideen quasi aus dem Kopf/aus der Seele genommen und wunderbar umgesetzt werden, heißt es: Hunde denken – Markertraining!

    Tolle Arbeit! http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif

  3. avatar Askur sagt:

    Also ich glaub, dass ich mein Frauchen recht gut im Griff/erzogen habe.

    In der Regel entscheide ich, wie lange der Spaziergang dauert – bin kein Freund von langen Wandertouren, stecke lieber mein Revier gründlich ab. Und wenn ich die Schnauze voll hab, biege ich halt die nächste Ecke wieder gen Heimat ab.

    Ich verlasse das Bett, wann ich es will – das kann auch schon mal erst mittags sein. Wenn Frauchen nicht da ist, stehen alle Türen offen und ich schlender eine Etage tiefer zu Frauchens Eltern. Dann können die mir die Gartentür öffnen – falls sie ohnehin nicht grad offen steht, weil es Sommer ist.

    Ich entscheide selbst, wann ich fresse – gibt bei mir keine feste Zeit. Ich esse, wann ich halt grad Hunger habe.

    Ich schlafe dort, wo mir grad danach ist. Das gilt auch abends – will ich bei Frauchen im Bett schlafe, dann tu ich das einfach.

    Ich suche mir meine Freunde selbst aus. Und dabei ist’s mir egal ob männlich oder weiblich.

    Und so weiter …. Doch, ich denke, dass ich zu den Hunden zähle, die eigene Entscheidungen treffen und diese auch liebevoll aber konsequent durchsetze. Schließlich muß ein Zweibeiner gut erzogen werden, wenn man mit ihm leben tut.

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