Ich habe Schlimmes erlebt…

Beitrag 5 von 7 der Artikelserie: Problemverhalten
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Hunde mit Traumata zeigen vielfältiges problematisches Verhalten. Ich möchte von Emmily berichten, die ich begleiten durfte und noch darf.

Wie alles begann

Emmily ist eine Miniatur-Bullterrier-Hündin, die vor knapp drei Jahren aus einer Pflegestelle in ihr neues Zuhause zog. Aus ihrer Vergangenheit war nicht viel bekannt, außer dass sie wohl schon so eine Art Wanderpokal war. Im Alter von ca. 1 Jahr zog sie bei einem jungen Pärchen ein, die dann vor einer sehr großen Aufgabe standen.  emmily-fuehlt-sich-wohl

Ihr Verhalten

Emmily zeigte sehr viele problematische Verhaltensweisen:

  • sie kuschelte sich an den Menschen, knurrte und schnappte aber, sobald dieser sie berühren wollte
  • sie biss in Füße
  • sie reagierte aggressiv auf Menschen, die sich ihr plötzlich näherten
  • sie reagierte mit starker Aggression, wenn sie aus dem Schlaf erwachte
  • sie verteidigte ihr Körbchen
  • sie hatte große Angst bei Dunkelheit
  • sie biss in Türen
  • sie starrte Wände an und knurrte
  • sie hatte große Angst vor Windgeräuschen
  • sie brach zusammen, wenn Flaschen klirrten
  • sie entlud Stress in Aggression

Es gab noch einiges mehr, so dass wir an vielen „Baustellen“ arbeiten mussten.

emmily-geniesst

Das Training

Wir haben ihr zuallererst beigebracht, dass sie in Ruhe gelassen wird, wenn sie warnt und sie eigenständig weg gehen darf. Sie wurde zu nichts gezwungen und mittels Markertraining haben wir an ihren Emotionen gearbeitet. Emmily hat länger gebraucht, zu verstehen, dass sie nun „in Sicherheit“ ist und ihr niemand etwas tut. Anfangs haben die Besitzer aus Unwissenheit noch mit aversiven Maßnahmen reagiert, was die Lage deutlich verschlechterte.

Durch den Clicker erlangte Emmily Sicherheit und wir konnten ihre emotionale Grundlage deutlich verbessern. Sie war anfangs zögerlich, eigenständiges Verhalten zu zeigen. Für mich war am faszinierendsten, dass dieser Hund am Anfang nahezu kein Ausdrucksverhalten hatte. Sie sah immer gleich aus. Wurde sie aggressiv, kippte sie die Ohren weg und verengte ihre Augen zu Schlitzen. Sie war nie ausgelassen, glücklich, übermütig, etc.

Nach und nach traten Veränderungen ein. Sie knurrte viel weniger, wurde selbstbewusster und die ersten schönen Emotionen waren sichtbar. Heute ist sie ein Hund, der sehr gern mit seinen Menschen kuschelt, ausgelassen ihre Stimmungen zeigt und Alternativverhalten freudig ausführt.

emmily-mit-frauchen

Generelles bei Traumata

Oft wird geraten, bei problematischem Verhalten über Strafe oder „Flooding“ zu arbeiten. Strafe hat im Hundetraining nichts zu suchen . Bei traumatisierten Hunden verschlimmert dies die Lage enorm. Flooding bedeutet, der Hund wird angst- oder aggressionsauslösenden Reizen ausgesetzt, bis er sich daran „gewöhnt“ und keine Reaktion mehr zeigt. Das ist kein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen! Es überfordert den Hund maßlos und schafft neue „Baustellen“.

Geduld und feste Rituale sind ein Muss bei der Arbeit mit traumatisierten Hunden und Rückschritte gehören zum Training dazu. Von diesen darf man sich nicht entmutigen lassen.
Die Arbeit mit Emmily und ihren Menschen war und ist großartig und lehrte mich sehr viel. Ich freue mich, dass die drei zu so einem tollen Team geworden sind und Emmily sich derart positiv entwickelt hat. Ihr Spitzname „Luzifer“ passt so gar nicht mehr. 

 

5 Antworten

  1. avatar Steffi sagt:

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    Toller Artikel, erinnerte mich beim Lesen total an Mailey,
    die Veränderung die die Hunde durchmachen ist Wahnsinn
    und es ist einfach nur toll sie dabei erleben zu dürfen,
    was gibt es schöneres als einem „Problemhund“
    zur Normalität zu verhelfen und zu sehen wie sie lernen zu leben.

  2. avatar Judith Honegger sagt:

    *Flooding bedeutet, der Hund wird angst- oder aggressionsauslösenden Reizen ausgesetzt, bis er sich daran “gewöhnt” und keine Reaktion mehr zeigt. Das ist kein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen! Es überfordert den Hund maßlos und schafft neue “Baustellen”.*
    da überleg ich mir grad..meine Nina hat grosse Angst vor Fahrradfahrern..und denen auszuweichen ist ja unmöglich..die tauchen überall auf?

  3. avatar anjoli sagt:

    *pipi aus augen wisch*

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