Ignorieren allein reicht nicht

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Manchmal zeigen Hunde unerwünschtes Verhalten (bellen, anspringen, etc.) um Aufmerksamkeit zu bekommen.

bax-hops Wahrscheinlich wurde Ihnen auch schon der Tipp gegeben, solches Verhalten einfach zu ignorieren. Der Hund macht das, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bekommt er die also nicht, wird er das Verhalten immer seltener zeigen. Dieser Tipp klingt zunächst logisch, hat aber einige Schwachstellen.

Hunde brauchen Aufmerksamkeit

Hunde brauchen die Aufmerksamkeit ihres Menschen. Das können Sie daran erkennen, dass viele sogar weiterhin bellen oder anspringen, obwohl sie dafür bestraft werden. „Ausgeschimpft werden“ ist für diese Hunde immer noch besser als „Ignoriert werden“.

Bellen oder anspringen stört Sie, deshalb fällt es auf und Sie bekommen das Gefühl, etwas dagegen unternehmen zu müssen. Belohnen können Sie es nicht und bestrafen hat üble Nebenwirkungen und unendlich viele, kaum einzuhaltende Regeln.

Ändern Sie Ihre Taktik

img_0752 Sie kommen von der Arbeit nach Hause. Ihr Hund freut sich, springt Sie an und gerät schnell in eine so hohe Erregung, dass er immer heftiger springt und rempelt, in Ärmel oder Hosenbeine beißt.

Strafen funktioniert hier schlecht, weil dadurch das Erregungslevel noch weiter ansteigt.

Ignorieren klappt auch nicht gut, weil der Hund aus Frust erst einmal heftiger reagiert oder weil anspringen auch selbstbelohnend sein kann. Und wenn er Ihnen weh tut oder ein Loch in den Büro-Blazer reißt, können Sie gar nicht nicht reagieren.

Der Weg aus der Zwickmühle

Geben Sie dem Hund was er braucht – Aufmerksamkeit!

Wenn Sie nach Hause kommen, möchte Ihr Hund Sie nach stundenlangem Alleinsein begrüßen. Geben Sie ihm Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und helfen Sie ihm dabei, dass er gar nicht erst anspringen, rempeln oder beißen muss.

Da es keine allgemeingültige Lösung gibt, müssen Sie ein bisschen testen, was Ihrem Hund hilft:

  • Begrüßt er mit dem Maul? Bieten Sie ihm sofort einen „Nuckel“ (Kong, Dummy, Knotenseil, etc.) an. Darauf kann er gefahrlos rumknautschen.
  • Hilft ihm Streicheln? Versuchen Sie es mit langem, relativ festem Abstreichen über den ganzen Körper. Schnelles „Wuscheln“ regt oft noch mehr an.
  • Nimmt Ihr Hund Leckerchen? Streuseln Sie ihm Leckerchen auf den Boden, die liegen bleiben (Käse, Wurst, andere „klebrige“ Leckereien), damit er nicht hinter hüpfenden Bröckchen her hechtet. 

Loben, belohnen und streicheln Sie ihn für „alle Pfoten unten“.

Seien Sie aufmerksam!

  • Was macht der Hund vor dem unerwünschten Verhalten? Beachten und belohnen Sie das!
  • Was möchte Ihr Hund damit erreichen? Geben Sie dem Hund, was er braucht, bevor er das unerwünschte Verhalten zeigt
  • Verändern Sie die Situation so, dass er das gewünschte Verhalten zeigen kann
  • Senken Sie sein Erregungslevel (Entspannungstraining), um eine Verschlimmerung des Verhaltens zu vermeiden

Mit dieser Taktik können Sie bei fast allen Verhalten anwenden, die Sie störend finden. Ihr Hund bekommt, was er braucht – Ihre Aufmerksamkeit – und Sie belohnen damit gleichzeitig die Verhalten, die Sie wirklich haben möchten.

Das nenne ich eine Win-Win-Situation!

17 Antworten

  1. avatar Brigitte Becker sagt:

    Martina, das ist ein sehr schöner Artikel.
    Wenn meine Kleine für einige Zeit alleine zu Hause bleiben muss und ich komme nach Hause, dann schreit sie alles zusammen. Bisher habe ich sie ignoriert, was auch ganz gut funktioniert hat, nach ein paar Minuten ist Ruhe. Wenn ich das Zimmer betrete, liegt sie mit ihrem Hundekumpel im Korb, sobald ich sie anspreche oder streichel, dreht sie auf. Sie steigert sich da richtig rein, so das sie dann ganz heiß ist, es dauert ein paar Minuten bis sie wieder runterkommt. Das es nicht die richtige Lösung ist, ist mir klar, aber egal ob sie sofort meine Aufmerksamkeit bekommt oder später, sie dreht auf. Futter und Spielzeug nimmt sie in dieser Situation gar nicht. Was bleibt da noch?http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif

  2. avatar Yvonne Hüer sagt:

    Ich werde auch immer stürmisch begrüßt. Da meine Hunde klein sind habe ich mir angewöhnt direkt in die Hocke zu gehen. Dann bin ich mit ihnen auf einer Höhe und müssen gar nicht springen sondern wir können direkt kuscheln 🙂

  3. […] Miriam Kozak: Führt die Trainingsmethode “Ignorieren” zum gewünschten Erfolg? Martina Schoppe: Ignorieren alleine reicht nicht […]

  4. avatar Kristina sagt:

    Bei Sheriff hat das bei der Begrüßung mit dem “ Nuckel“ Super geklappt. Er bekommt immer meinen Schlüssel, an dem in Filzband ist und wackelt dann damit freudig durch die Wohnung. Mittlerweile kann man ihn zur Schlüsselübergabe sogar schon auf seine Decke schicken.

  5. avatar Kristina sagt:

    Manchmal ignorieren wir allerdings auch oder er muss dann mal ein paar Minuten aus dem Zimmer. Das ist aber der Fall, wenn wir nach Spaziergang und bespassung auch mal in ruhe sitzen wollen und er dauernd was anstellt, um Aufmerksamkeit zu bekommen…fast wie ein Kleinkind. Manchmal hilft auf die Couch rufen und kraulen, manchmal die Warnung, manchmal nur das Aussperren. Da merkt er eigentlich recht schnell, dass das Verhalten genau das Gegenteil bewirkt, nämlich nicht nur keine Aufmerksamkeit sondern komplett Trennung…

  6. […] Martina Schoppe:  Impulskontrolltraining im Mehrhundehaushalt Martina Schoppe: Ignorieren alleine reicht nicht Martina Schoppe: Training mit der Puzzle-Methode Martina Schoppe: Verstärkung – immer nur […]

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