Judith Böhnke: Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren

Aktualisiert am 20.12.2015
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Gewaltfreie Kommunikation?

Die Autorin macht den Versuch, die Regeln der  Gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg auf die Kommunikation mit Hunden zu übertragen.

Sie fordert dazu auf, Hundeverhalten zu beobachten, ohne es zu interpretieren. Sie macht einen kurzen Ausflug in die Lerntheorie, behauptet, dass Hunde in Bildern denken und spricht Hunden moralisches Denken zu.

Irgendwie wird alles mal angesprochen, manchmal vermeintlich durch wissenschaftliche Untersuchungen gedeckt, für die sie aber die Quellen nicht nennt. Sehr viel häufiger bringt sie ihr eigenes Denken und Fühlen zum Ausdruck.

Was ist die Aussage des Buches?

HundehalterInnen sollen ihre Einstellung und Bewertung zum Verhalten des Hundes ändern. Die Art, wie sie über „Fehler“ sprechen, den Hund mit Respekt behandeln.

Die Gewaltfreie Kommunikation wird also eher auf die Kommunikation mit sich selbst angewendet als auf die Kommunikation mit dem Hund.

HundehalterInnen

geht so

Mich hat der Titel des Buches angesprochen, weil es mir ein Anliegen ist, Hunde gewaltfrei auszubilden.

Ich war auch gespannt, wie das gehen soll, die Regeln der Gewaltfreien Kommunikation auf die Kommunikation mit dem Hund zu übertragen. Das Buch hat in keiner Weise gehalten, was es versprochen hat und war eine große Enttäuschung. Es plätscherte so dahin…

Ich bin auch immer wieder über Fehler gestolpert. Sätze, in denen Wörter fehlten oder einfach Rechtschreibfehler.

Eigentlich hat das Buch nur ein Käppsele verdient, da ich der Autorin aber den gewaltfreien Ansatz anrechne, bekommt sie zwei Käppsela.

Klappentext

Judith Böhnke studierte Rechtswissenschaften und Ethologie. Sie züchtet selbst Hunde, arbeitet als Journalistin ist als Verhaltensberaterin Mitglied im Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e.V. (VddTT).

  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos); Auflage: 1., Aufl. (8. Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3440134016
  • ISBN-13: 978-3440134016
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,4 x 3 cm

23 Antworten

  1. Kommunikation mit dem Hund integriert stets Kommunikation mit sich selbst, weil Bindungen zwischen Menschen und Tieren immer auch einen spirituellen Aspekt haben und das eigene Denken und Fühlen das Verhalten des Menschen gegenüber seinem Tier nicht nur beeinflusst, sondern prägt. Erst, wenn der Mensch mit sich im Reinen ist, reflektiert, was er situativ fühlt und braucht und durch sein eigenes Verhalten zu erreichen sucht, kann er sein Verhalten gegenüber seinem Hund ggf. ändern und auch dem Hund gegenüber einfühlsam sein – nicht nur im Training. Mensch-Hund-Beziehungen bestehen nun mal nicht nur aus Training und Erziehung, auch wenn Lernen in jedem Augenblick des Lebens und Zusammenseins stattfindet. Es geht im Zusammenleben mit Hunden nicht permanent darum, den Hund (oder Mitmenschen!) zu was auch immer zu veranlassen. Beziehung ist wichtiger als Erziehung! Und auch für Beziehung gilt, dass sie beim Ich anfängt, bei der Beziehungsfähigkeit bzw. dem, was sich der Einzelne von der jeweiligen Beziehung erhofft oder wünscht – den Bedürfnissen, die er sich durch die Beziehung zu erfüllen sucht. Wir haben unsere Hunde nicht, weil wir sie haben müssen. Wir haben sie, weil wir uns – jeder Einzelne ganz individuelle – Bedürfnisse mit der Haltung eines Hundes zu erfüllen suchen. Diese Bedürfnisse sind es, die uns in sämtlichen Aspekten, die Hunde betreffen, in bestimmte Richtungen treiben. Und die das, was wir mit unseren Hunden tun – oder auch nicht tun – wie gesagt prägen. Wenn ich mit Hunden arbeite, kann ich den zum Hund gehörenden Menschen nicht außen vor lassen. Ich kann ihm auch nicht sagen, dass er diese oder jene Bedürfnisse in Bezug auf seinen Hund nicht haben darf, dass das und das schlecht und verboten ist oder dass er kein Recht hat, in der Weise zu fühlen, in der er situativ fühlt. Der Mensch und sein Hund sind eine Einheit, eine „Bedürfnis-Einheit“, in der sich „Pflichten“ ganz schnell äußerst negativ auswirken und keine wirklichen Veränderungen auf den Weg bringen. Wer sich in seiner Mensch-Hund-Beziehung nicht auch mit sich selbst beschäftigen will, wird mit „Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren“ tatsächlich nicht glücklich werden. Das Buch ist zudem kein Trainingsbuch und auch keines, das neue Erziehungstipps liefert. Deshalb werden die Lerntheorien auch nur sehr oberflächlich gestreift, soweit wie es für das grundsätzliche Verständnis des Inhalts erforderlich ist. Das Buch richtet sich an Hundehalter, denen es um BE-ziehung geht, um Verbundenheit und Einfühlung. Und es richtet sich an Hundehalter, die damit leben können, dass es möglicherweise Dinge gibt, die wissenschaftlich noch nicht erforscht wurden bzw. vielleicht nie zu erforschen sein werden. Was die Mutmaßungen und persönlichen Überlegungen der Autorin betrifft, so sind diese als solche kenntlich gemacht. Die Quellen der zitierten wissenschaftlichen Untersuchungen sind im Anhang aufgelistet – auf Fußnoten wurde zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet. Aber wie dem auch sei – auch wenn sich Ihr persönliches Interesse als Rezensentin auf Training und Erziehung bezieht, hätte ich mir an dieser Stelle eine weniger oberflächliche Besprechung meines Buches gewünscht. Schade! Dabei bezieht sich unser beider Interesse eigentlich auf die gleiche Sache – auf die zwei berühmten Seiten ein und derselben Medaille.

  2. Im Kommentar – der sehr schwer zu verfolgen und zu lesen ist – tauchen Widersprüche auf.
    Ich persönlich hab eh was gegen diese extrem spirituelle Sicht auf die Mensch-Hund-Beziehung. Wenn ich einen Jagdhund habe halte ich ihn mit Training vom Hasen hetzen ab und nicht mit der Reinheit und Liebe zu mir selbst.

  3. Liebe Judith Böhnke,

    „Wer sich in seiner Mensch-Hund-Beziehung nicht auch mit sich selbst beschäftigen will, wird mit “Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren” tatsächlich nicht glücklich werden. “

    Vielleicht ist es diese Art, Aussagen zu treffen, die mich auch an Ihrem Buch so gestört hat.

    Ich arbeite als Mental-Coach und unterstütze Menschen dabei,sich kritisch zu hinterfragen und sich darüber klar werden, welche Signale sie an ihre Hunde senden…

    Ich arbeite als Hundetrainein und bin mir sehr bewusst darüber, dass ich zuallererst mit den Menschen arbeite: verändert sich etwas beim Menschen, dann verändert sich auch etwas beim Hund.

    Ich bin Linguistin, deshalb hat mich der Ansatz interessiert und die Ausführung enttäuscht.

    Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass es vielleicht Dinge gibt, die noch nicht erforscht sind, aber wenn ich lese „Untersuchungen haben gezeigt“ – dann will ich wissen, welche Untersuchungen das sind.

  4. Liebe Angelika Bodein,

    ok, dann gehen wir die gleichen „Probleme“, welcher Art sie auch immer sein mögen, aus verschiedenen Richtungen an und streiten – wie so oft – um Strategien. Aus meiner Sicht ist es dennoch ein Unterschied, ob ich Leute dazu bringe, sich „kritisch“ zu hinterfragen, sich selbst also Fehler und Verschulden zu unterstellen, oder ob ich „nur“ einfühlsam bin. Letzteres liegt mir mehr, macht mir mehr Freude und führt ebenso zu Veränderungen – nur eben auf andere Weise und aus anderen Gründen. Diese Gründe sind mir sehr wichtig – womit wir wieder bei Bedürfnissen und Werten angekommen wären. Sie und ich wollen unterm Strich genau das Gleiche. Wir nutzen lediglich unterschiedliche Strategien, um unsere Ziele auf für uns individuell passende Weise zu erreichen. Ihre Daseinsberechtigung haben beide Strategien. Ihre Zielgruppe ebenfalls. „Besser“ ist keine.

    • avatar Josy Aurora sagt:

      Liebe Judith Böhnke,

      sie schreiben hier von einem Einfühlungsvermögen, welches eben vielen Lebewesen fehlt und auch nicht so einfach zu vermitteln, bzw zu erlernen ist.
      Genau dieses Einfühlen wird dann oft als spirituell abgetan, weil es nicht sichtbar wissenschaftlich zu erklären ist. Dabei ist es, genau wie sie es schreiben, eine weitere, in meinen Augen unverzichtbare, Komponente den Menschen Verständnis entgegenzubringen und Dinge, bzw Strategien zu hinterfragen.
      Nur so kann ebenfalls eine sachliche Diskussion geführt werden. Ich werde mir ihr Buch nun bestellen und freue mich darauf, es zu lesen 🙂

  5. Liebe Regine Hochhäusler,

    natürlich halten Sie einen Jagdhund mit Training vom Hasen-Hetzen ab und nicht mit „der Reinheit und Liebe zu sich selbst“. Von Ihren Werten und Ihren Bedürfnissen hängt aber ab, welche Methoden und Hilfsmittel Sie für Ihr Training einsetzen.

    Sie haben etwas „gegen diese extrem spirituelle Sicht auf die Mensch-Hund-Beziehung“ – welche „extrem spirituelle Sicht“ meinen Sie? Da Sie mein Buch offenbar nicht gelesen haben, werden Sie meine „spirituelle Sicht“ nicht kennen. Ebenso wenig wie meine Diskussion um die tierliche Würde, auf die sich meine „spirituelle Sicht“ im Besonderen bezieht. Mag sein, dass Sie es am Ende lächerlich finden, sich in der Mensch-Hund-Beziehung auch mit juristischen, philosophischen oder sogar theologischen Fragen auseinanderzusetzen. Immerhin führen diese nicht dazu, dass Ihr Hund besser „hört“ oder das Hasen-Hetzen sein lässt. Mir ist es aus einem ganzheitlichen Ansatz heraus dennoch wichtig. Und wenn ich dadurch auch nur einen Menschen so berühren kann, dass er das Stachelhalsband seines Hundes in die Tonne tritt und sich einen Clicker kauft, habe ich alles erreicht, was ich wollte.

  6. Liebe Frau Böhnke,

    auch wenn ich nicht im Reinen mit mir bin oder wie Sie das nennen möchten, kommt für mich trotzdem keine Gewalt am Hund in Frage. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich niemanden Schmerz in welcher Art auch zufüge.

    Nein, ich habe Ihr Buch nicht gelesen, weil es mich nicht angesprochen hat. Ich habe hier lediglich auf Ihren Kommentar reagiert.

    „Kommunikation mit dem Hund integriert stets Kommunikation mit sich selbst, weil Bindungen zwischen Menschen und Tieren immer auch einen spirituellen Aspekt haben und das eigene Denken und Fühlen das Verhalten des Menschen gegenüber seinem Tier nicht nur beeinflusst, sondern prägt.“

    Auf diesen spirituellen Aspekt bin ich eingegangen. Ich kann mich schlecht fühlen und schlecht denken, behandel meinen Hund trotzdem nicht schlecht.

    Das geht mir zu sehr in die Richtung: Bist Du mit Dir selber im Reinen, dann klappts auch mit den Hund. Und dem stimme ich nicht zu.

  7. Liebe Regine Hochhäusler,

    definieren Sie denn als „Gewalt“ ausschließlich das Zufügen von Schmerz bzw. unangenehmen Empfindungen? Mein Verständnis von Gewalt geht da sehr viel weiter. Ich sehe jede Form von Be- und Verurteilung sowie jede Ausübung von Macht als Gewalt an. Dazu gehören u.a. übrigens auch persönliche Meinungen, die den Anschein erwecken, allgemein gültige Wahrheit zu sein sowie Konditionierungen in jedweder Form, einschließlich mittels positiver Bestärkung. Ausübung von Macht bedarf aus meiner Sicht stets eines wichtigen Grundes. Hier verflechten sich wiederum Werte und Bedürfnisse mit einer gewissen „Spiritualität“, wenn Sie das so nennen wollen. Dass Sie ganz unabhängig davon als Trainerin in der Lage sind, sich auch mit „schlechten“ Gefühlen Ihrem oder einem Hund gegenüber angemessen zu verhalten, setze ich voraus. Sie suchen von Haus aus die „Schuld“ für ihre unangenehmen Empfindungen nicht beim Hund. Diese Trennung fällt nach meiner Beobachtung vielen „normalen“ Hundebesitzern jedoch nicht so leicht. Und diesen hilft es nicht, zu hören, dass sie dem Hund keine „Schuld“ geben dürfen. Hinzu kommt, dass Gewaltfreiheit und Ausübung von Macht beim Hund nicht aufhören. Sie stellen sich auch und besonders bei der Auseinandersetzung mit Mitmenschen, die „anders“ denken und Werte und Ansichten vertreten, die man selbst nicht teilt. Dennoch respektiere ich an dieser Stelle Ihren Wunsch, von meinem Thema nicht weiter angesprochen zu werden und bedanke mich für die Gelegenheit, dass ich der auf dieser Seite veröffentlichten Meinung zu „Mit Hunden gewaltfrei kommunizieren“ meine Sicht der Dinge ansatzweise gegenüberstellen konnte.

  8. Liebe Frau Böhnke,

    wenn Sie sich ein bisschen auf unserer Seite umgeschaut hätten, dann wüssten Sie, dass wir jede Form Gewalt (und das meint nicht nur positive Strafe) in der Ausbildung und Erziehung von Hunden ablehnen und dass Respekt und Einfühlungsvermögen für uns zu den Grundlagen gehören.

    Und es geht auch nicht um Schuldzuweisungen an die HundeführerInnen – im Gegenteil. Wir versuchen im Training und Alltag mit dem Hund gangbare Wege aufzuzeigen, die beiden gerecht werden, Mensch und Hund.

    Die Arbeit mit Markersignalen ist Grundlage für einen fairen Umgang mit dem Hund.

    Was an positiver Verstärkung Ausübung von Macht sein soll, will sich mir nicht erschließen. An der Stelle wird es dann für mich zu „spirituell“.

  9. Und man sollte definitiv noch unterscheiden, ob man einen Hund oder einen Menschen vor sich hat.

  10. avatar Inka sagt:

    Liebe Damen,

    vorab: Ich habe das Buch nicht gelesen. Ich schreibe trotzdem mal, was ich denke.

    So spirituell finde ich die Idee des Buches, so wie ich sie verstehe, gar nicht. Ich bin selbst eher der wissenschaftliche Typ, aber ich denke, dass die eigene Einstellung inkl. der zu mir selbst wichtiger ist als die besten Werkzeuge wie DRR und Geschirrgriff. Sie ist die Basis, auf der das Training ansetzt.

    Dazu ein Beispiel: Beim Rückruftraining empfehle ich dringend, einen Hund nur zu rufen, wenn ich als Rufender/Pfeifender überzeugt bin, dass der Hund auch kommen wird. Diese Selbstsicherheit ist die notwendige Bedingung, der trainierte DRR dann die hinreichende.

    Beide müssen erfüllt sein!

    Viele Grüße,
    Inka Burow

  11. Inka, den DRR zu trainieren ist aber nach Judith Böhnke schon Ausübung von Macht…

    So ganz kann ich dir in deiner Argumentation mit notwendiger und hinreichender Bedingung für den DRR nicht folgen. Ich denke, dass die Selbstsicherheit der Hundeführerin mit dem Training steigt – da ist eine Wechselbeziehung vorhanden.

  12. avatar Inka sagt:

    Angelika, wo behauptet die Autorin, dass Training Machtausübung wäre. Wobei das für viele wohl leider zutrifft…

    Klar, steigt die Selbstsicherheit mit jedem Erfolg – bei Mensch und Hund. Ich meine das aber tatsächlich so mathematisch wie beschrieben: Eine hinreichende Bedingung kann erfüllt sein, aber der Hund kommt nur, wenn es auch die notwendige ist.

    Dazu stelle ich mal die steile These auf, dass die notwendige Bedingung bei Menschen, die mit ihrem Hund in eine Hundeschule gehen, quasi damit erfüllt ist. 🙂 Weißt du, was ich meine?

    lg, Inka

  13. Schau mal oben in ihren Kommentar, Inka. Frau Böhnke schreibt:

    „Ich sehe jede Form von Be- und Verurteilung sowie jede Ausübung von Macht als Gewalt an. Dazu gehören u.a. übrigens auch persönliche Meinungen, die den Anschein erwecken, allgemein gültige Wahrheit zu sein sowie Konditionierungen in jedweder Form, einschließlich mittels positiver Bestärkung.“

    Ich liebe Hundemathematik! http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif

  14. Ausübung von Macht?

    Klar! Aber auf der Seite des Hundes…… dieser beeinflusst doch mit seinem Verhalten ob ein Klick kommt oder nicht.

  15. avatar Pike sagt:

    Ich glaube, mir koennte das Buch gefallen und werde es aus zwei Grueneden bestellen: Zum einen geht auch meine eigene Definition von „gewaltfrei“ viel weiter als es hier ueblicherweise verstanden wird und zum zweiten weckt der selbstreflektierende Ansatz mein Interesse. Und das Hunde (alle Tiere) spirituelle Wesen sind, glaube ich sowieso.

  16. Die Ausübung von Macht wird in der Gewaltfreien Kommunikation nicht prinzipiell abgelehnt. Man reflektiert nur sehr genau, welche Gründe einer Anwendung von Macht zugrunde liegen und in welcher Form man Macht ausübt. Konditionierung mittels positiver Bestärkung ist Ausübung von Macht, weil ich dadurch Einfluss auf Verhalten, Denken und Fühlen nehme, mit dem Ziel, einen ganz bestimmten Zustand zu erreichen. Wenn ich konditioniere, ist mir ein bestimmter Zustand aus welchen Gründen auch immer wichtig, sei es, dass ich möchte, dass sich andere Menschen in Gegenwart meines Hundes sicher fühlen, dass andere Lebewesen durch meinen Hund nicht beeinträchtigt werden oder dass sich mein Hund durch sein Verhalten nicht selbst gefährdet. Solche Gründe können die besagten „wichtigen Gründe“ sein, die die Anwendung von Macht im Einzelfall sinnvoll erscheinen lassen. In der Gewaltfreien Kommunikation unterscheidet man hier zwischen „strafender Macht“ und „beschützender Macht“. Insoweit kommen diverse Methoden von Machtausübung zum Tragen, von Konditionierung mittels positiver Bestärkung beispielsweise über Managementmaßnahmen wie Einsatz von Schleppleine bis hin zum Setzen von Abbruchsignalen oder eben auch positiver Strafe durch aversive Mittel. Wenn ich reflektiere, welches Mittel ich warum einsetze, um was zu erreichen, wende ich mich sehr schnell von den „aversiven Mitteln“ ab, weil mir klar wird, dass sie zur Erfüllung von Werten und Bedürfnissen (meiner wie der des Hundes und der anderer Menschen) nichts beitragen. Ich will dann z.B. nicht mehr an der Leine rucken, weil weder ich noch mein Hund dadurch bekommen, was wir (jeder für sich) in der Situation brauchen und durch unser jeweiliges Verhalten (Strategien!) zu erreichen suchen. Nicht jede Strategie ist zielführend und angemessen, „Menschen-Strategien“ ebenso wenig wie „Hunde-Strategien“. Zu vielen Strategien lassen wir uns jedoch komplett unbewusst hinreißen, gerade, weil auch bei uns Konditionierungsprozesse wirken. Auch wir können klassich konditioniert sein, beim Auftreten bestimmter Reize mit bestimmten Gefühlsregungen zu „antworten“. Mithilfe der GfK kann es gelingen, echte „Teufelskreise“ zu durchbrechen, in zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie in Mensch-Hund-Beziehungen. Wenn Veränderung im Umgang mit einem Hund aus „reflektiven“ Überlegungen und Einfühlung erwachsen, fühlt sich der sein-Verhalten-verändernde-Mensch anders (und wie ich glaube, sehr viel wohler), als in „Kritik“, wie etwa bei Selbstvorwürfen „was ich gerade tue oder getan habe, ist falsch“, „ich darf das nicht“ oder gar „ich bin ein schlechter Mensch, weil ich …“. Der Mensch löst seinen Fokus von „das darf ich nicht“ und lenkt ihn auf „das möchte ich“. Er sagt sich selbst praktisch ganz konkret, was er erreichen will, nicht, was er nicht will. Im Prinzip ist das genau das, was wir mit unseren Hunden im Training machen. Durch die GfK schafft das der Mensch aus sich selbst heraus. Gewaltfreie Kommunikation geht sehr, sehr tief und ist bei genauerer Betrachtung alles andere als einfach, auch wenn das Prinzip auf den ersten Blick sehr einfach erscheint. Es kann passieren, dass man an ganz substanzielle Dinge rührt, wenn man sich darauf einlässt. Da „Mit Hunden kommunizieren“ ohnehin schon recht dick geworden ist, möchte ich an der GfK Interessierten hier eines meiner Lieblingsbücher zur GfK ans Herz legen: „Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation“ von der ARD-Korrespondentin Gabriele Seils. Es ist ein Interview, das Seils mit Marshall Rosenberg über mehrere Tage hinweg geführt hat, lässt sich aber trotzdem hervorragend lesen. Gabriele Seils ist heute selbst Mediatorin und GfK-Trainerin. Gerade Hundetrainern und Verhaltensberatern kann ich aus eigener Erfahrung die GfK außerdem auch für Kundengespräche empfehlen. Die GfK ist nichts, was man nur mit Hunden tun kann oder müsste. Im zwischenmenschlichen Bereich erreicht man damit zuweilen Dinge, die man nie für möglich gehalten hätte. Und das einzig und allein durch die Entwicklung von Mitgefühl.

  17. Ich mag das einfach nicht lesen: ein so langer Text ohne Absatzschaltungen ist eine Zumutung!

  18. avatar Inka sagt:

    Liebe Judith Böhnke,

    ich mochte das auch ohne Absätze lesen. Mir gefällt der sehr grundlegende Ansatz. Das Buch kommt auf meinen SUB.

    Herzliche Grüße

    Inka Burow

    • Das freut mich :o) – viele Grüße!

      • avatar Nina sagt:

        Liebe Judith! Ich beschäftige mich seit Januar 2014 mit der GfK. Habe heute bewußt Einfühlung mit meinem 10 -jährigen Sohn geübt, hatte hinterher gedacht, es wäre schön, wenn es auch für die Hund-Mensch-Beziehung angewandt werden könnte und bin so auf diese Seite gekommen. Ich habe erst seit ca. 3 Jahren einen Hund und mein Bücherregal ist „noch“ voll mit tollen Hunde- Erziehungs-Trainingsbüchern. Ich hatte einige Hundeschulen ausprobiert und meine Erfahrungen gesammelt … ich habe einen Border-Colli-Mix- Rüden, der mit 4 Monaten den Mond versuchte wegzubellen und mit 7 Monaten die ganze Familie hütete… wir hatten einen schwierigen Start, aber ich gab die Hoffnung nicht auf. Nachdem ich alle Hundeschulen, die in Frage kamen ausprobierte, fing ich an Bücher zu lesen … Ich hatte das Bedürfnis nach einer Beziehung zu meinem Hund, die sich gut anfühlt im Bauch. Es war einfach unbefriedigend, dass mein Hund Befehle ausführte, Kunststücke vollbrachte …..“funktionierte“, nach meinem Empfinden machte es ihm auch gar keinen großen Spaß. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er „denkt“: „Na gut, ich springe jetzt durch den Reifen… aber nur weil Du es bist…“ und „… ich würde viel liebe jetzt Spaß haben mit Dir, aber wenn du das nun unbedingt möchtest… dann spiel ich dein Spiel mit …..“ Dieses Gefühl hatte ich immer wieder außer beim „Menschensuche, wobei er Menschen suchte, zu denen er eine Bindung hatte“, hier hatte ich das Gefühl, mein Hund ist Feuer und Flamme dabei… das macht ihm Spaß… Dann fand ich das Buch „Das Leitwolf Training“. Das Kapitel „Bedeutung von Spiel“ sprach mich an. Ein Zitat (Seite 43): Verzichten Sie im Spiel mit Ihrem Hund auf Kommandos. Als Spielpartner sind Sie gleich gestellt, Sie brauchen sich also nicht durchzusetzen.“ Diese Gleichstellung sprach mich an (es ist für mich die gleiche Gleichstellung wie mit „Kind“ in der GfK) und allein durch diese Gleichstellung fing ich an meinen Hund „anders zu lesen“ und zu verstehen. Ich bin gespannt, was passiert, wenn ich die GfK in der Beziehung mit meinem Hund anwende!?! Ich ahne, dass durch die „Einfühlung“ es nur noch schöner werden wird…Danke, dass du dich mit dem Thema auseinander gesetzt hast. Ich freue mich sehr auf dein Buch

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