Leben mit Hund – keine Wissenschaft!

Aktualisiert am 05.02.2015
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Stell‘ dir vor, dein Auto streikt, du musst dringend irgendwo hin und die Automechanikerin erklärt dir lang und breit, wie die einzelnen Teile des Autos zusammenarbeiten und gibt dir ein Buch zur Funktionsweise des Autos zum Lesen, anstatt das Auto wieder zum Laufen zu bringen!

So geht es oft der Hundehalterin, wenn sie Probleme mit dem Hund hat. Vielleicht hat sie schon mehrere Hundeschulen durch, aber das Verhalten des Hundes hat sich nicht verändert oder ist sogar noch schlimmer geworden.

Der Leidensdruck ist enorm und die Hundeführerin will, dass sich schnell etwas zum Guten verändert!

Abholen

Um die Kundin abzuholen, muss sie im Mittelpunkt unseres Denkens stehen, nicht der Hund und schon gar nicht wir selbst.

Die Kundin im Mittelpunkt!

Die Hundeführerin gibt das Geld für die Hundeschule in erster Linie für sich aus, für eine Veränderung ihres Lebensgefühls. Sie will sich endlich wieder besser fühlen und Spaß mit ihrem Hund haben.

Um ihr zu helfen, müssen wir wie die Kundin denken und sprechen: was ist ihr Problem? Was hat sie schon unternommen? Wie können wir ihre bisherigen Bemühungen würdigen und ihre Handlungsalternativen erweitern?

Gutes Gefühl

Die Hundeführerin möchte ganz sicher nicht hören, was sie bisher alles falsch gemacht hat. Es geht ihr schon schlecht, denn sonst wäre sie nicht zu uns in die Hundeschule gekommen.

Beim Menschen ist es wie beim Hund: Stress verhindert Lernen!

Unsere Aufgabe ist es deshalb zuerst einmal, die Hundeführerin zu entlasten und ihr ein gutes Gefühl zu geben, um ihr dann Trainingsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Wissenschaftlicher Fachjargon

Kynologische Fachfrau?

Die Kundin will nicht kynologische Fachfrau werden, deshalb gehört Fachjargon nicht ins Beratungsgespräch und ins Training.

Wir wirken nicht dadurch klug, dass wir viele Fachwörter verwenden und auf die Wissenschaftlichkeit unserer Methoden verweisen.

Eine kluge Trainerin spricht so, dass jedeR sie verstehen kann.

Gebrauchsanweisung Hund

Die Kundin hat jetzt ein Problem und möchte das nicht theoretisch erklärt bekommen, sondern umsetzbare Handlungsanweisungen erhalten, die sie schnell zum Ziel führen.

Eigentlich braucht sie im Augenblick nur eine „Gebrauchsanweisung Hund“ (vielleicht möchte sie später ja mehr wissen).

Zum Beispiel: Leinenführigkeit

Ein Hund, der nicht sauber an der Leine läuft, wird in der Regel über Leinenrucks korrigiert.

Wir könnten jetzt natürlich der Kundin etwas über Positive Strafe und Negative Verstärkung erzählen und warum es besser ist, über positive Verstärkung zu arbeiten…

Wir könnten aber auch die Übungssituation so gestalten, dass die Kundin gar nicht mehr an der Leine rucken kann, indem wir z.B. selber die Leine halten oder sie am Gürtel der Kundin festmachen.

Und dann können wir zeigen, wie die Übung über wegweisendes Lernen fehler- und frustfrei mit vielen Erfolgserlebnissen für Mensch und Hund aufgebaut wird.

Damit wendet die Kundin in der Praxis an, was wir TrainerInnen in der Theorie wissen.

Das ist nämlich unsere Aufgabe: Wissen zu vermitteln, dass einfach umgesetzt werden kann.

 

13 Antworten

  1. avatar Melanie sagt:

    Natürlich sollte man auf einem Niveau mit Leuten reden, das auch verstanden werden kann.
    Wenn man aber den Leuten nur beibringt, wie dieses EINE Problem behoben werden kann, ohne wenigstens etwas über Lernverhalten und das Wesen von Hunden zu vermitteln, finde ich das zu kurz gedacht.

    Besitzer, die mit Problemen wie Leinenführigkeit, Rückruf oder Pöbelei in die Hundeschule gehen, sind sonst bei der nächsten Kleinigkeit genauso hilflos, z.B. weil der Hund an der Tür bellt oder Leute anspringt.

    Damit ist der Kundin dann auch nicht geholfen. Um einen Hund zu erziehen, benötigt man nun einmal wenigstens eine Handvoll Faustregeln und eine grobe Ahnung, wie ein Hund lernt. Wenn diese Werkzeuge nicht im Training vermittelt werden, war es mM. nach auch nicht gut.
    Geschäftstüchtig vielleicht, weil die Kundin bei der nächsten Kleinigkeit wieder kommen muss. Aber nicht im Sinne der Kundin und schon gar nicht im Sinne des Hundes.

  2. Klar ist es wichtig, bestimmtes Wissen in den Köpfen der Zweibeiner zu verankern. Das glaube ich ganz bestimmt. Aber im ersten Moment, wenn man in eine neue Hundeschule kommt, will man erstmal eine Maßnahme, eine Trainingsmethode – und eben kein Theoriebuch. Insofern ist der Werkstatt-Vergleich zutreffend. Die Werkstatt erklärt auch mehr technische Details, wenn der Kunde (Mann!) weiter nachfragt. Und die gute Hundeschule hat immer Hundewissen parat, wenn etwas unklar ist oder der Mensch unsicher nachfragt, warum ihm und seinem Hund so etwas vorgeschlagen wird. Ich selbst habe zum Beispiel durchaus viel Hundewissen im Kopf. Doch bei mir selbst bin ich manchmal betriebsblind. In der Hundeschule brauche ich genau das Gegenteil zur Theorie – ich suche Handlungsanleitungen und konkrete Verhaltenstipps, die mir mit meiner Aussie-Rakete weiterhelfen …

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