Märchenstunde – Das Ding mit dem Rudel

Aktualisiert am 26.06.2013
Beitrag 9 von 18 der Artikelserie: Märchen aus der Hundeerziehung
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Ich bin der Rudelführer! Wirklich?

Was ist ein Rudel?

Es gibt verschiedene Definitionen zum Rudel, aber alle haben sie folgendes gemeinsam: sie sprechen immer von einem Zusammenschluss einer größeren Anzahl von bestimmten, wild lebenden Säugetierarten, kleiner als eine Herde.

Biologisch gesehen ist ein Rudel aber eher eine Familie, bestehend aus Eltern und deren Nachkommen der letzten 1-3 Jahre. Nach David Mech ist die Hierarchie im Rudel auch lang nicht so „starr“ wie immer angenommen. (Quelle David Mech: Wolves: Behavior, Ecology and Conservation)

Wenn Rudel aus Individuen der gleichen Art bestehen, wie kann  ich da als Mensch das Alpha“tier“sein?

Chef durch Rangordnung?

Im Hundetraining wird noch oft von Rangordnung, Rangreduzierung, Dominanz, Privilegien usw. gesprochen. 

Im Grunde genommen ist es egal, wie ich die Gemeinschaft mit meinem Hund nenne, wenn damit nicht automatisch eine bestimmte Art der Hundeerziehung beschrieben wird. Ich bin allerdings der Meinung, die Bezeichnung sollte wenigstens biologisch korrekt sein.

zwei

Es wird immer wieder behauptet, der „Rudelführer“

  • geht zuerst durch die Tür
  • ist der einzige mit erhöhtem Liegeplatz
  • (fr)isst zuerst
  • darf Aufmerksamkeit einfordern, usw.

Diese Regeln sollen sicherstellen, dass der Halter eines Hundes der Chef ist, denn sonst tanzt der Hund einem auf der Nase rum.  Diese „alten Zöpfe“ der Hundeerziehung sind aber längst abgeschnitten.

Rudelkonzept

Das Rudelkonzept wird meist bei Hunden praktiziert. Es gibt diese Variante noch bei Pferden, wo der Mensch das Leittier sein möchte. Ich frage mich, ob der Besitzer von Nymphensittichen dann auch das Oberhaupt der Schar ist? Oder wenden Katzenhalter den Alphawurf an, um die renitente Katze zu erziehen? 

Der Hund wurde im Zuge der Domestikation auf den Menschen geprägt, mehr als jedes andere Haustier. Dies bringt einen enormen Vorteil für das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Er passt sich uns und unserem Leben sehr gut an.

Deshalb ist hier das „Chef sein“ einfacher zu praktizieren als bei Hyänen. 😉

Zusammenleben mit Hund…

Ich bin ein Mensch, also eine andere Spezies als ein Hund. Wir sind Säugetiere, das verbindet uns. Ansonsten sind wir doch aber sehr unterschiedlich, oder?

Demnach bilde ich mit meinem Hund kein Rudel. Wir bilden eine soziale Gemeinschaft, in der es Regeln für das Zusammenleben gibt. Das reicht doch schon, um sich als „Chef“ fühlen zu können, oder?

Ich bestimme alles, was den Hund betrifft: Futter, soziale Kontakte, Lebensumstände, Zuwendung, Aufenthaltsort usw. Der Hund entscheidet kaum etwas selbst, ich stelle die Regeln auf. 

rudel-nein-danke

Die Durchsetzung dieser Regeln erfolgt unterschiedlich. Ich lehre meinen Hund auf positive Weise, dass er nicht auf den Tisch springen soll oder auf seiner Decke liegend auf sein Futter wartet.

…ohne Rudelgedöns

Ich bin ein Mensch, mein Hund ist ein Hund. Unser Zusammenleben in einer sozialen Gemeinschaft funktioniert bestens ohne Rudelgedöns.

 

20 Antworten

  1. avatar Simone sagt:

    Guter Bericht- wie immer-eigentlich ganz logisch und einfach oder??

  2. […] Wieder einen tollen Artikel gibt es heute zu lesen auf der Seite von Hunde denken – Markertraining! […]

  3. avatar Sill sagt:

    In unserem Haushalt leben aktuell drei Menschen und zwei Hunde. Zuvor waren es viele Jahre zwei Menschen und drei Katzen. Mir ist es eigentlich ganz egal, ob man uns als Familie, Rudel oder soziale Gemeinschaft bezeichnet.

  4. Rein von den Definitionen her ist das sicher alles richtig. Aber ob nun Rudel, soziale Gemeinschaft, gemischtes Rudel oder Sozialpartnerschaft. Ob Alpha, Chef/in oder „Der der die Entscheidungen trifft“, oder „Der mit höchsten sozialen Status“ , es läuft doch auf das Gleiche hinaus. Wir betrachten uns als gemischtes Rudel, bestehend aus zwei Menschen und 3 Hunden, kann man doch nichts dagegen haben und unsere Hunde betrachten unser Schlafzimmer warscheinlich als unsere gemeinsame Höle. Entspricht zwar nicht ganz der Definition des Wortes Schlafzimmer, aber wen stört es.
    Natürlich gehen wir zu erst aus der Tür oder vom Grundstück, dass hat reine Sicherheitsaspekte. Natürlich laden wir unsere Hunde auf die Couch ein und sagen ihnen wann sie wieder verschwinden sollen.
    Wenn wir, wie immer nach ihnen essen, wollen wir sie natürlich nicht in unserem Dunstkreis haben und verweisen sie auf ihre Plätze. Natürlich erwarten wir von unseren Hunden, dass sie uns nicht auf Schritt und Tritt verfolgen und nicht im Weg rumliegen. Natürlich wollen wir nicht permanent zum spielen und streicheln aufgefordert werden und setzen das auch durch. Natürlich gibt es für unsere Hunde nichts gratis. Natürlich empfangen unsere Hunde nicht unseren Besuch. Diese Dinge und einiges mehr (Verwaltung der für den Hund wichtigen Ressourcen) halten wir für wesentlich wichtiger, als auf Definitionen rumzureiten. Wir haben unsere Hunde so erzogen, das sie uns einen gesundes Maß an Respekt und Gehorsam zollen und jeder Hund entsprechend seinen Fähigkeiten gewisse Leistungen erbringt. Dafür bekommen sie Futter, ausreichend Bewegung, Spiel und körperliche Zuneigung. Ob nun Rudelgedöns oder nicht, es funktioniert sehr gut.

    • avatar Tanja Copei sagt:

      Wir halten das auch so wie du mit unserer Hündin. Bewegung, Disziplin und Zuneigung. Sie ist zehn Monate alt und super gelehrig und verschmust. Sie hat uns zu respektieren und soll uns gehorchen. Wir bestimmen auch wann ein Spiel endet. Trotz dem gebe ich auch mal ihrer aufforderung nach, wenn sie z.b. im Garten mir ihren Ball vor die Füsse legt. Aber ich bestimme es wenn ich nicht mehr werfen will. Beim Füttern gehorcht sie unserem achtjährigem Sohn und hat auf sein Sitz oder Platz zu gehorchen und er gibt ihr ein „bitte“ wenn sie fressen darf. Dadurch hat sie keinen Stress beim Fressen und wir keinen aufgedrehten Hund der sein Futter einfordert. Im ganzen ist sie völlig ausgeglichen und zeigt das jede Woche aufs Neue im Polizeihundeverein in der Junghundegruppe. Letzlich sollte jeder so seinen Hund erziehen, das er sich unauffällig und gehorsam mit ihm in Gesellschaft von Mitmenschen aufhalten kann.http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif

  5. […] statt Leckerli Regine Hochhäusler: Clickern/ Markern ist…. Regine Hochhäusler: Das Ding mit dem Rudel Regine Hochhäusler: Hunde aus dem Tierschutz… Regine Hochhäusler: “Kampfhunde” sind […]

  6. avatar Irek sagt:

    „Im Grunde genommen ist es egal, wie ich die Gemeinschaft mit meinem Hund nenne, wenn damit nicht automatisch eine bestimmte Art der Hundeerziehung beschrieben wird.“

    Das ist einer der klügsten Sätze, die ich in der gesamten Märchen-Rubrik jemals gelesen habe. Würdest Du auf diesem Niveau den gesamten Artikel verfasst haben, hätten nicht nur Grünschleifen was zum Klatschen sondern auch die Bunten unter uns. Das ist ausschließlich konstruktiv und positiven verstärend gemeint 😀

    Doch das Thema heißt nun Mal „Rudel“. Du bist trotz des schönen und wahren Satzes dagegen, die Gemeinschaft so zu nennen. Es gibt nur einen Grund, das nicht zu tun. Und der ist höchst fragwürdig. Nämlich um zu blockieren, dass die aus dieser Bezeichnung zuweilen resultierende Erziehungsmethoden, welche übrigens ich genauso wie Du als verfehlt ansehe, Anwendung finden. Ein gutes Ziel. Aber die falsche Vorgehensweise.

    Erstens werden wir Erziehungseinstellungen nicht dadurch ändern, dass wir Begrifflichkeiten in Frage stellen. Sondern indem wir bzgl. der Erziehungsmethoden an sich eine ehrliche Einsicht bei den „Zopfträgern“ erzielen.

    Zweitens ist die obige Argumentation fragwürdig und angreifbar, womit Du Gegnern eher noch das Tor öffnest, Dich zu widerlegen und weiter zu machen wie bisher. Lass mich hier bitte kurz ausholen.

    —————————–

    Was ist denn der Hund für uns? Ein Haustier. Ein Freund. Ein Familienmitglied. Höre ich widerspruch? Wenn nein, wieso nicht? Kann ein Hund ein Freund sein? Mal im Duden die Definition für „Freund“ nachschlagen. Eine Person… Ok, also kein Freund. Familienmitglied streng genommen auch nicht. Denn eine Verwandschaftsbeziehung ist definitv nicht vorhanden. Hier erkennt man die Tücken, wenn wir anfangen, jede Bezeichnung ganz streng nach Duden & Co zu beleuchten.

    Wir könnten also, genauso wie wir etwas unsachgemäß unseren Hund als Freund bezeichnen, die Gemeinschaft mit ihm als Rudel bezeichnen. Auch etwas unsachgemäß? Ich denke nicht mal.

    Es kommt nicht darauf an, wie wir den Hund sehen. Sondern eher darauf, wie uns der Hund sieht. Das werden wir leider nie genau erfahren. Er weiß, dass wir keine Hunde sind. Aber er verhält sich uns gegenüber in vielerlei Hinsicht ähnlich wie gegenüber Rudelmitgliedern seiner Art. Er fordert uns ähnlich zum Spielen auf. Er behauptet sich uns gegenüber ähnlich und gibt ähnlich nach. Er schnüffelt sogar auch gerne in unserem Genitalbereich (nur wir tun es nicht umgekehrt) . Er sucht ähnlich nach Körperkontakt und braucht uns in ähnlicher Weise. Weshalb sollten wir also auf die Bezeichnung „Rudel“ verzichten, wenn nicht aus dem oben genannten und schon entkräfteten Grund der davon zuweilen fälschlich abgeleiteten Erziehungsmethoden?

    Letzter Rettungsanker: Weil es so im Duden steht? Der Duden ist auch nur ein sich dynamisch anpassender Spiegel unserer Erkenntnisse und unserer Gesellschaft. Und ich würde dagegen argumentieren und behaupten, dass ein Rudel nicht zwingend aus gleichartigen Lebewesen bestehen muss. Dass Löwen und Hirsche oder Gämse und Wölfe nicht zusammen ein Rudel bilden ist ja logisch und hat keine Bedeutung. Gerade, wo doch der Hund sich uns gegenüber so sozial ähnlich verhält wie gegenüber gleichartigen Rudelmitgliedern. Würde der Hund das so modern gewordene Wort Team wirklich für zutreffender halten? Besteht ein Team nicht auch immer aus Personen? Und wenn wir da schon ein Auge zudrücken, werden Teams nicht immer nur temporär und zum Erreichen irgendwelcher Ziele gebildet? Den Begriff könnte ich also genauso hinterfragen.

    Also: Lasst uns doch das erste gemischte Rudel bilden. Menschen und Hunde, ein großartiges zwischenartliches Rudel. Aber ohne Erziehungsmethoden, die dieser tollen Gemeinschaft mehr schaden als nützen. Und seien wir keine Rudelführer, die bestimmen, wo es lang geht. Sondern Rudelleiter, die maximale Freiheit für jedes Rudelmitglied anstreben aber zum Wohle der gesamten Gemeinschaft und deren Umwelt auf die Einhaltung bestimmter Regeln und Grenzen bestehen müssen und sie, wenn nötig, respektvoll und angemessen durchsetzen. Das ist doch mal ein Ziel.

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