Beitrag 11 von 18 der Artikelserie: Märchen aus der Hundeerziehung
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Sog. Kampfhunde werden in anderen Ländern als Familienhunde geschätzt. Bei uns gelten sie als gefährlich, obwohl sie in den Beißstatistiken oft gar nicht aufgeführt werden. Was ist zu tun?

Der Begriff  „Kampfhund“

Früher beschrieb der Begriff „Kampfhund“ einen Hund, der zu Kämpfen gegen Artgenossen und anderen Tieren gezüchtet, ausgebildet und eingesetzt wurde. Der Ausdruck bezog sich auf keine spezielle Hunderasse. Später wurden dann eigens für den Tierkampf bestimmte Rassen herausgezüchtet.

Heute ist die Eignung zum Kampf aber nicht mehr das Zuchtziel dieser Rassen. Hundekämpfe sind mittlerweile in vielen Ländern verboten, finden aber leider noch im kriminellen Umfeld statt.

Seit Anfang 2000 wird der Begriff „Kampfhund“ vor allem in Zusammenhang mit Angriffen auf Hunde und Menschen verwendet. In Listen und Hundegesetzen werden folgende Rassen unter dieser Bezeichnung aufgeführt: Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bull Terrier und American Pit Bull Terrier. Auch Kreuzungen untereinander und mit anderen Rassen fallen in diese Kategorie.

Im Zuge der Landeshundegesetze sind es aktuell 22 Rassen, die von Geburt an vom Gesetz her als gefährlich eingestuft werden.

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Mythos „Kampfhund“

Den genannten Rassen werden verschiedene Eigenschaften unterstellt:

  • Blutrünstigkeit
  • gesteigerte Angriffslust
  • mehrere Tonnen Beißkraft
  • totale Schmerzunempfindlichkeit
  • angeborenes Aggressionsverhalten

 

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Die Realität „Kampfhund“

In der Presse landen grundsätzlich nur noch Vorfälle mit sog. Kampfhunden, alle anderen Beißvorfälle fallen unter den Tisch. In Tageszeitungen werden gähnende Pitbulls abgebildet, damit das gesamte Gebiss zu sehen ist. Fragwürdige Gesetze wurden erlassen, um die Bevölkerung angeblich zu schützen.

Dieser Hype zog eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen der gelisteten Rassen nach sich. Alle ergeben ausnahmslos, dass diese Rassen weder eine angeborene Gefährlichkeit noch die nachgesagten Merkmale besitzen.

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/steinfeldta_2002.pdf

http://home.arcor.de/obhv/feddersen_komplett.pdf

http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000004073/bren.pdf?hosts=

Landeshundegesetze

Der Erlass der Landeshundesgesetze, die je nach Bundesland variieren, hat die Anzahl der Beißvorfälle nicht veringert. Außerdem werden die Statistiken oft von nicht gelisteten Rassen angeführt und gelistete Rassen tauchen gar nicht auf.

In anderen Ländern werden die genannten Rassen als Familienhunde sehr geschätzt. Sie sind menschenbezogen und haben meist ein gutes Nervenkostüm. Und sie leisten hervorragende Arbeit als Rettungs- und Spürhunde.

Butzel steht

Die Konsequenzen: Wesenstest und hohe Steuern

Halter von sog. Kampfhunden müssen viele Auflagen erfüllen, um überhaupt einen gelisteten Hund halten zu dürfen. Wird eine Haltererlaubnis erteilt, muss ein Wesenstest abgelegt werden, damit der Hund keinen Maulkorb tragen muss. Die Leinenbefreiung wird gesondert geprüft.

Der Wesenstest fordert vom Hund widernatürliches Verhalten. Er wird z. B. massiv bedroht und darf keinerlei Reaktion zeigen. In den meisten Tests wird immer noch verlangt, den Hund auf den Rücken zu drehen.

Auch die Bestimmungen zum Wesenstest sind in jedem Bundesland anders festgelegt.

Der Besitzer eines sog. Kampfhundes zahlt extrem erhöhte Hundesteuern. Ein Beispiel aus NRW: Städte wie Essen und Siegen nehmen pro Jahr 1000 Euro.

Illegaler Handel

Aufgrund der Gesetze floriert der illegale Handel mit diesen Hunden. Dubiose Vermehrer produzieren Hunde der gelisteten Rassen und verkaufen sie aus dem Kofferraum heraus an ein noch dubioseres Klientel. Die Leute, die diese Rassen illegal besitzen, gehen meist nachts spazieren, halten diese Hunde unter nicht artgerechten Umständen und misshandeln sie häufig.

Die Hunde werden vom Ordnungsamt beschlagnahmt, landen im Tierheim – und kommen dort aufgrund der ganzen Auflagen nicht mehr raus.

Was können wir tun?

Fachliche Aufklärung ist eine gute und wichtige Sache. Die meisten Menschen, die diese Hunde verurteilen, haben wenig bis keinen Kontakt zu diesen Rassen.

Ich hielt selber jahrelang einen American Staffordshire Terrier. Mir war wichtig,  gar nicht erst in eine Außenseiterrolle zu kommen. Unsachliche Anfeindungen, denen Listenhundehalter täglich ausgesetzt sind, habe ich belächelt. Es gibt sogar Hundeschulen, die Listenhunde bewusst nicht aufnehmen und mit ihnen arbeiten. Ich wurde auch von einem Verein, der sich „Hundefreunde“ nannte, abgelehnt, als ich mit meinem Staff dort trainieren wollte.

Ich behandele alle Hunde gleich, egal welcher Rasse sie angehören. Genau dahin müssen wir alle wieder hinfinden.

Wir müssen diese großartigen Hunde nicht zur Schau stellen, damit jeder Mensch sieht, wie toll sie sind. Wir müssen sie INTEGRIEREN.

Was würdet Ihr tun, um diese Hunde zu integrieren? Habt Ihr ein „Problem“ mit Listenhunden, was würde Euch helfen und was hilft Euch nicht? Bitte schreibt uns Eure Meinungen dazu!

 

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