Beitrag 14 von 18 der Artikelserie: Märchen aus der Hundeerziehung
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Es gibt viele Hundetrainer, die meinen, dass man mit seinem Hund nur über die Körpersprache kommunizieren soll.

Die Argumente der Sprachlosen

Diese Trainer erklären dann weiter, dass Hunde untereinander nonverbal und rein körpersprachlich kommunizieren. Die Kommunikation wird nur von wenigen Lauten wie Bellen, Knurren, oder Jaulen begleitet.

Menschen sind in ihrer Signalgebung oft widersprüchlich: Sie rufen beispielsweise den Hund zu sich, stehen aber mit dem Oberkörper zum Hund nach vorn gebeugt. Was für den Hund bedeutet: Frauchen ruft mich per Signal, sieht aber körpersprachlich so aus, als solle ich weg bleiben. Diese Widersprüche sollen nonverbal vermieden werden.

Deshalb ist es für Hunde so schwer, uns zu verstehen.  baxnase

Hunde verstehen die Bedeutung unserer Worte nicht. Sie verknüpfen sie nur im Laufe der Zeit mit unseren entsprechenden Handlungen.

Darüberhinaus sei die nonverbale Kommunikation keine einfache Konditionierung wie bei Wortbefehlen.

Haltbare Argumente?

Hunde kommunizieren untereinander und mit uns über ihre Körpersprache – das ist richtig. Aber die Lautgebung ist bei der Verständigung unter Hunden sehr viel wichtiger, als es oft dargestellt wird. Bellen, Jaulen und Co gehören genauso dazu wie Mimik und Gestik.

Wie Hunde untereinander kommunizieren, kann aber kein Maßstab für uns sein, denn wir können auf keinen Fall wie Hunde „sprechen“.

Ja, wir senden oft widersprüchliche Signale. Trotzdem können Hunde uns verstehen, eine großartige Leistung.

Auch wenn wir vorgebeugt HIERHER rufen, befolgt der Hund oft das Signal, weil er weiß: Der ruft mich eben so. Eine andere Körpersprache würde es dem Hund sicher erleichtern, der Hund wird davon aber sicher nicht traumatisiert.

spielis

Erinnern Sie sich an Rico? Den Hund, der bei Thomas Gottschalk 200 Stofftiere auf Signal unterscheiden konnte? Wenn Hunde die Bedeutung unserer Worte nicht verstehen, frage ich mich, warum mein Hund beim Wort ESSEN immer so aufmerksam schaut?

Konditionierung findet immer statt, bei jedem Lernvorgang. Wenn ich nun meinem Hund körpersprachlich vermittel, er möchte bitte nicht auf die Couch springen, ist das genauso konditioniert wie wenn ich ihm verbal untersage. Konditionierung hat nicht nur was mit Worten zu tun.

Was bedeutet nonverbal für den Hund?

Nonverbal bedeutet für den Hund, dass er immer seine Aufmerksamkeit auf den Halter richten muss. Das gefällt natürlich vielen Menschen, weil das nach sehr guter Erziehung aussieht. Der Hund hat dadurch kaum Freiraum für Eigenkreativität und die Erfüllung seiner Wünsche.

Mangelnde Aufmerksamkeit hat dann eine unangenehme Korrektur zur Folge. Das permanente Schauen auf den Menschen ist Stress für den Hund und führt schnell in erlernte Hilflosigkeit.

Ich lernte mal ein nonverbal kommunizierendes Mensch-Hund-Team kennen. Der Hund klebte mit den Blicken am Halter und befolgte alle Signal direkt und hoch erregt. Er nahm nichts von der Umwelt wahr, weder andere Hunde noch andere Menschen. Nach einigen Jahren erblindete der Hund. Wie läuft dann eine Kommunikation zwischen Halter und Hund?

baxtuch

Alle Möglichkeiten nutzen

Hunde kommunizieren über Körpersprache und Lautgebung. Sie haben ein ausgezeichnetes Gehör und können sehr gut die Bedeutungen unterschiedlicher Signalwörter lernen. Das gibt mir viele Mittel an die Hand, meinen Hund zu führen.

Warum sollten wir uns da einschränken? Je größer unser Werkzeugkasten der Kommunikation ist, umso besser werden wir uns mit unserem Hund verständigen können.
Nutzen wir doch all‘ unsere Möglichkeiten!

 

 

28 Antworten

  1. Kommunikation ist ein wesentlicher Besstandteil der Kooperation. Die soziale Kooperation hat erst die Domestikation des Haushundes ermöglicht! Und dazu gehört das Lautgeben. Wenn beim Menschen schon ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation (das Kommunizieren über Geruch) wegfällt, warum dann auf Menscheite noch mehr streichen? Es ist ja wunderbar, wenn Körpersprache und wie wichtig sie für Hunde zur Qualifikation der Absichten beim Menschen ist bewußt gemacht wird. Warum wir auf einen großen Baustein des Miteinanders verzichten sollen, will sich mir nicht logisch erschließen.
    Und ja, ich bin durchaus davon überzeugt, dass manche Menschen ihren Hund auch einfach „totsabbeln“, das hat aber nicht mit dem oben erwähnten zu tun. 😉

  2. avatar Olli sagt:

    Schöner Text aber „Freiraum für Eigenkreativität und die Erfüllung seiner Wünsche.“ …
    das hätte ich nicht so geschrieben sofern der Text nicht für jemanden sein soll der ohnehin schon „ja und amen“ zu den im Text ausgedrückten Gedanken sagt.
    Viel einfacher ausgedrückt wäre an der Stelle, dass ein Hund seine Bedürfnisse befriedigt. Schnüffeln, Markieren, Koten, wieder Schnüffeln, Erkunden, Erspähen, Interessant finden, Schnüffeln, Markieren … so läuft das natürlicherweise beim Hund … ein Mann greift sich bei „Kreativität“ und „seiner Wünsche“ an den Kopf und denkt an einen mächtigen Haufen rosa Watte. http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif

    Das nur mal so am Rande – schließlich sollen ja Hundehalter zum Nachdenken gebracht werden.

  3. avatar Irek sagt:

    Hi!

    Da ich zum ersten Mal hier etwas poste, erst einmal etwas Positives: das ist eine schöne Website, und Ihr amcht hier eine tolle Arbeit.

    Da ich mich gerade mit nonverbalen Kommunikation seit Jahren beschäftige habe ich diesen Artikel besonders interessiert gelesen. Er ist leider mMn überhaupt nicht gut gelungen.

    Du gehst so vor, wie man das halt gerne tut, wenn man ein Ziel (oder eine bestimmte Überzeugung hat) und dieses als richtig etablieren möchte: Du erzeugst eine bestimmte suboptimale Situation und zeigt, was daran schlecht ist. Suboptimale Situationen haben per se Schwächen! Das ist keine Kunst.

    Fangen wir beim Titel an: „Märchenstunde – Nonverbale Kommunikation ist artgerecht“. Unabhängig davon, welche Methode ich betrachten würde: wenn ich sie in der Hundehaltung als die einzig anzuwendende Methode deklariere, tue ich dem Hund damit nie etwas Gutes. SO geht es also bitte nicht! Wenn Du exakt sein möchtest, dann musst Du schon schreiben „Märchenstunde – nonverbale Kommunikation unter Ausschluss jeglicher verbaler Kommunikation ist artgerecht“. Und sogar dann würde ich diese Behauptung noch bemängeln. Denn es besteht ein Unterschied zwischen „nicht artgerecht“ und „nicht optimal“.

    Dann postulierst Du „Der Hund hat dadurch kaum Freiraum für Eigenkreativität und die Erfüllung seiner Wünsche.“ Sehe ich überhaupt nicht so. Das ist eine falsche Behauptung, die der Stärkung Deiner Aussagen dienen soll. Ich kann nonverbal meinen Hund frei laufen lassen und ihm damit jede Freiheit geben, die er zum Glücklichsein beim gemeinsamen Auslauf benötigt. Und er ist eben nicht total auf mich fixiert und gestresst (eine weitere solche Behauptung).

    Richtig angewandte nonverbale Kommunikation erfordert nämlich nicht die ständige Aufmerksamkeit eines Hundes, sondern stellt diese vor der eigentlichen Kommunikation erst einmal (z.B. durch Fingerschnippen) sicher.

    Und nun fragst Du Dich natürlich: Wie rufe ich denn dann den Hund wieder nonverbal ab? Das Beispiel zeigt deutlich, wie unsinnig es wäre, dem normalen Hundehalter (und seinem Hund) zuzumuten, auf jegliche verbale Kommunikation zu verzichten. Wer das predigt, und da sind wir uns sicherlich einig wie der Schlussabschnitt Deines Artikels vermuten lässt, schränkt das Zusammenleben problematisch ein. Es mag für eine Maike Maja Nowak und ihre Hunde durchaus ausreichen, ausschließlich nonverbal zu kommunizieren ohne dass die Beziehung und das Glück der Hunde in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden. Und dann IST die nonverbale Kommunikation absolut artgerecht. Für die meisten Mensch-Hunde-Teams wäre eine solche Einschränkung allerdings ein teilweise paralysierendes Korsett. Dann wäre aber nicht die nonverbale Kommunikation an sich nicht artgerecht, sondern deren ausschließliche Anwendung in einer dafür ungeeigneten Mensch-Hund-Beziehung.

    Ich kann übrigens meinen Hund durch Klopfen auf den Unterschenken abrufen. Oder durch einen Pfiff. Natürlich wurde das entsprechend konditioniert.

    Dann fragst Du „Und Nach einigen Jahren erblindete der Hund. Wie läuft dann eine Kommunikation zwischen Halter und Hund?“ Das überlasse ich Deiner Fantasie als flexible Trainerin, ich bin sicher Dir fallen dazu jede Menge nonverbale Möglichkeiten ein. Andererseits stelle ich mir vor, ein Hund würde mal taub… oder sein Mensch stumm… und der Hund müsste von nun an zwangsläufig nicht artgerecht mit dem Menschen kommunizieren???

    Der Artikel hat noch einige weitere Schwachstellen, aber mir geht es nicht darum, alles auseinander zu nehmen. Sondern nur klarzumachen, dass nonverbale Kommunikation absolut artgerecht ist, wenn sie (im Normalfall zumindest) nicht als das Maß aller Dinge und das ausschließliche Mittel der Kommunikation angesehen wird. Und eine ebenso sinnvolle wie hilfreiche dazu. Bestimmte positive Aspekte hast Du ja am Anfang des Artikels genannt.

    Wir müssen aufhören alles zu verteufeln, was von unserer Lieblingsmethode abweicht.

  4. avatar Irek sagt:

    > Anhand Deiner Beschreibung ist zu erkennen, dass Du nicht nonverbal arbeitest. Also, worüber reden wir?

    Wir reden NICHT darüber, dass wir irgendwelche Methoden auf Teufel komm raus verteidigen, weil wir sie hauptsächlich nutzen. Sondern darüber, dass einen Artikel auf einer Website viele Leser lesen und gerade die Anfänger brauchen fundierte und wahre Aussagen. Was sie nicht brauchen ist das Verurteilen von guten Methoden. Dadurch werden sie nämlich nur noch mehr verunsichert. Wir haben diesen Menschen gegenüber die Pflicht, sehr behutsam mit unseren Überzeugungen, insbesondere mit dem was uns missfällt, öffentlich umzugehen.

    > eine Frage noch: Flüsterst Du nun oder bist nonverbal? Du nennst Dich doch “Whisperer”.

    Deine Frage ist ein gutes Beispiel dafür, wie festgelegt wir in unseren Interpretationen sind. Ich selbst habe mich so nirgendwo genannt, nicht einmal auf meiner Website. Du hast das aus der URL gefolgert. Und dabei das naheliegende angenommen. Es kann aber auch „Geflüster mit Hunden“ heißen. Das lasse ich bewusst offen!

    „Whisperers“ sind wiederum für mich nicht die Leute, die mit Hunde nonverbal kommunizieren. Sondern diejenigen, die sich in die Stimmung und Situation von Hunden einfühlen, ggf. gar ihre nächste Aktion voraussehen können und aus einer Vielfalt an unterschiedlichster Methoden die für einen Fall geeignetste wählen.

    Um aber Deine Frage klar zu beantworten: Ich bin in keinster Weise festgelegt. Ich halte die nonverbale Kommunikation für eine sehr gute Kommunikationsform und nutze sie überall da, wo sie sinnvoll ist. Mit anderen Worten: natürlich spreche ich mit meinem Hund auch noch ganz normal, weil das ebenfalls eine sinnvolle Kommunikationsweise ist. Und das tue ich meistens recht leise, also in der Tat flüsternd. Diese ruhige Art unterstützt und ergänzt meine innere Ruhe und unterstreicht meinen Führungsanspruch. Aber wenn es sinnvoll ist, dann bin ich eben auch laut. Und habe damit ein Mittel mehr, meinen Hund auf besondere Situationen verbal aufmerksam zu machen.

    Das ist es ja, was ich sagen wollte: Eine Methode darf nicht um ihrer selbst Willen angewendet werden. Methoden sind Hilfsmittel, die weise zweckbezogen zu wählen sind. Und ich würde mir nicht ausreden lassen, aufs Klickern zurück zu greifen (wo ich doch auch Anti-Klicker-Fraktionen sehr gut kenne), wenn mir genau diese Methode für einen bestimmten Zweck als hocheffektiv erscheint. Wer festgelegt ist, der verliert an Flexibilität und an Lösungsmöglichkeiten.

    Beck fasst das in ihrem Buch recht gut zusammen: Herausragende Trainerpersönlichkeiten sind selten methodisch festgelegt. Sie schöpfen aus dem Vollen.

    > Allerdings ist es schwierig, einen sehenden Hund, der rein über Körpersprache zur erlernten Hilflosigkeit erzogen wurde dann bei Erblindung umzumodeln.

    Mit „schwierig“ bin ich einverstanden. Ummodeln ist immer schwierig. Aber dazu sind wir ja da. Und Hunde haben ein gigantisches Lernpotantial. Es ist übrigens nicht schwieriger, als einen hörenden, der rein über akustische Signale erzogen wurde, bei Hörverlust auf Sichtzeichen umzumodeln (sofern wir davon absehen, dass Blindheit einschränkender als Taubheit ist).

    Womit ich nicht einverstanden bin ist „erlernten Hilflosigkeit“. Das ist eine eingeflochtene Wertung, die ich nicht nachvollziehen kann. Eine Kommunikationsform, egal welche, macht einen Hund nicht mehr oder weniger hilfloser. Sie kann aber abhängig von der Bezugsperson machen (ein Hund hört nur auf farnzösische Kommandos und keiner außer dem HH weiß davon).

    Es ist der Mensch, der dafür verantwortlich ist, seinen Hund zu einem selbstbewussten Wesen zu erziehen. Und das unabhängig von der gewählten Kommunikationsform.

  5. avatar Irek sagt:

    Hi!

    Ich antworte nun auch auf Dein drittes Posting. Allerdings nur, weil ich mich nicht stillschweigend verdrücken (also entziehen) möchte, was im Netz ja so einfach ist. Allerdings ist das meine letzte Reaktion zu diesem Artikel. Sei mir deswegen nicht böse.

    Deine ersten beiden Reaktionen fand ich ok, sie waren neutral und ließen die Hoffnung auf einen konstruktiven Austausch und Aufgeschlossenheit. Dein letztes Posting allerdings stellt klar, dass Du exakt eine Methode nutzen möchtest, positive Verstärkung, und anscheinend alle anderen ablehnst. Diese Haltung kenne ich nur allzu gut aus diversen Foren und Gesprächen mit Trainern, egal welche Methode man vertritt. Ich unterhalte mich gerne mit aufgeschlossenen Menschen über die vielen Möglichkeiten der Hundeerziehung. Aber ich renne nicht gegen Betonköpfe an. Damit wird niemandem geholfen. Mit positiver Verstärkung kann man nicht viel Schaden beim Hund anrichten. Und mit Klickern kann man eigentlich gar keinen Schaden anrichten. Also besteht für mich kein Grund, jemanden davon zu überzeugen (der das nicht einmal möchte), dass es je nach Fall viel effizientere Optionen gibt. Mit denen man den Geldbeutel der Kunden schont und schnell sehr gute Ergebnisse erreicht.

    Der zweite Grund weshalb ich nur noch einmal antworte ist der, dass Du in der letzten Antwort Dir gar nicht die Mühe gegeben hast, meine guten Argumente anzuerkennen, sondern (1) Dir nur die (aus Deiner Sicht) Schwachstellen/Widersprüche rausgepickt hast, um meine Meinung zu kritisieren, (2) ausschließlich daran Interesse gezeigt hast, Deine Meinung durchzusetzen und (3) meine Aussagen falsch wieder gibst (s.u.), um Angriffspunkte und Widersprüche zu erzeugen, was gar unfair, zumindest aber unachtsam ist. Für mich ist das kein konstruktiver und zu einem positiven Ergebnis führender Meinungsaustausch.

    Und nun meine ausführliche Antwort.

    > Wenn man Hunde (oder auch andere Lebewesen) trainiert, sollte man sich entscheiden, wie man dies tut.

    Das behauptest Du einfach mal so. Ich sehe aber keinen Grund, weshalb man sich ohne jegliche Notwendigkeit dermaßen in seiner Arbeit und Interaktion mit einem Lebewesen einschränken und die Möglichkeiten, speziell einem Mensch-Hund-Gespann zu helfen so gravierend beschneiden sollte. Von einer solchen Einstellung habe ich mehr Nachteile (Einschränkung) als Vorteile (Spezialisierung).

    > Das “aus allem was raus packen” ist gerade das, was mir überhaupt nicht verständlich ist. Warum? Um allen gerecht zu werden und nirgends kritisiert zu werden? Um dann gern mal auf aversive Mittel zurück greifen zu können, weils ja anders dann nicht geht?

    Immerhin stellst Du hier Fragen und keine Behauptungen auf. Ich Antworte mit einer Gegenfrage: Schützt mich diese Vorgehensweise, wie Du vermutest, davor, kritisiert zu werden? Eindeutig nein. Allein Du kritisierst sie doch gerade. Den Vorteil habe ich bereits oben genannt.
    Zur Frage 2: Ich kann nur aus meiner eigenen Praxis berichten: Bisher wüsste ich von keinem Fall, bei dem ich nur eine einzige Handlungsmöglichkeit sah und der Meinung war, dass es anders nicht gegangen wäre. Sondern habe stets eine Vorgehensweise von vielen gewählt, weil ich diese für die beste hielt. Ich bin auch der Meinung, dass ein Trainer niemals davon sprechen sollte, dass etwas „anders nicht geht“, sondern allenfalls davon, dass „er es nicht anders kann“.

    > Und dann sollte man auch klar dazu stehen, ob man über Strafe arbeitet oder nicht. Ob man die Bedürfnisse seines Hundes beachtet oder nicht.

    Und schon sind wir da, wo wir immer landen, wenn wir mit radikalen Verfechtern positiver Verstärkung sprechen. Sie lehnen meist jegliche Strafe kategorisch ab. Es gibt durchaus Gründe dafür, dies zu tun. Genauso wie es Gründe gibt, dies in bestimmten Fällen nicht zu tun. Strafen haben nicht deswegen einen schlechten Ruf, weil sie grundsätzlich schaden. Sondern weil diese Vorgehensweise in den Händen inkompetenter Menschen eine viel höhere Gefahr der Problemerzeugung oder -eskalation birgt als z.B. durch positive Verstärkung. Allerdings auch erstaunliche Möglichkeiten, die z.B. dem Klickern bzgl. Effizienz weit überlegen sind (es würde hier zu weit führen, das mit Praxisbeispielen zu belegen).

    Die Ablehnung von Strafe hat implizit eine positive Wirkung, da Strafe in unserer Gesellschaft sehr negativ besetzt ist. Meist verknüpft man damit Handlungen, durch die andere sehr leiden wie Schläge, Liebesentzug und allerlei Grausamkeiten. Wenn das die Assoziation sein sollte, dann arbeite ich ohne Strafe.

    Oder anders beschrieben: 90% der nonverbalen Leitung eines Hundes läuft so subtil und sanft ab wie das Lenken eines Dressurpferdes im Dressurviereck während einer Prüfung. Ich kommuniziere mit meinem Hund nicht einmal mit Gesten sondern teilweise gar nur mit den Augen. Hört sich jetzt nicht gerade nach Strafe an, nicht wahr?

    > Du widersprichst Dir doch. Einmal schreibst Du, Du flüsterst mit den Hunden aufgrund eines “Führungsanspruchs”.

    Das meinte ich oben mit Verdrehen meiner Aussagen. Ich schrieb, dass die Ruhe des Flüsterns meinen Führungsanspruch unterstützt. Vom Flüstern aufgrund eines Anspruchs war nicht die Rede. Das ist ein feiner, aber gravierender Unterschied.

    > Dann aber wirst Du laut, wenn Hund Deinen Führungsanspruch nicht ernst nimmt? Ja was denn nun?

    Nein, auch das habe ich nicht geschrieben. Eine lautere Kommunikation mit meinem Hund als Flüstern hat überhaupt keinen Bezug zu dem, wie ernst mein Hund meinen Führungsanspruch nimmt sondern signalisiert ihm lediglich eine besondere Bedeutung einer Anweisung, weil ich z.B. als Mensch Gefahr in Verzug erkannt habe, die der Hund nicht erkennen kann.

    > Wir haben uns hier dem Markertraining verschrieben und wollen dies den Menschen näher bringen. Und natürlich schau ich mir da Methoden tiefer und genauer an, die angepriesen werden. Gerade da, wo Clicker/Marker als überflüssige Hilfsmittel betitelt werden.

    Euer Vorhaben ist eine gute Sache. Meine Meinung dazu habe ich aufgrund Deiner Antworten nicht geändert. Und die von Dir beschriebene Vorgehensweise zu anderen Methoden hört sich nach einer umsichtigen, vorsichtigen und vernünftigen Vorgehensweise an.

    > Gerade bei den Trainern, die gern ihr Training vermischen a la Zuckerbrot und Peitsche. Ich habe mit solchen Hunden meine Erfahrungen gemacht. Wenn der Halter immer aversiv ist, weiß Hund wenigstens, was ihn erwartet.

    Ich habe nicht vor, jemanden der sich total sperrt, von der Sanftheit meiner Vorgehensweise zu überzeugen. Und ich fände es unseriös, hier meine Erfahrungen mit klickgeeichten Hunden als Beleg für die Tauglichkeit dieser Methode zu verwenden.

    > Wenn Du Dich in die Stimmung und die Situation Deines Hundes wirklich einfühlen könntest, würdest Du nicht laut werden.

    Ich denke Deine Annahme hier ist falsch. Für jemanden der flüstert ist „laut werden“ gerade mal die Lautstärke, mit der andere ständig sprechen. Ich sprach nicht von erhobener Stimme oder gar Schreien.

    > Und sorry, wenn ich meine Seite “whispers with dogs” nenne, dann hat das doch sicher einen Hintergrund, oder? Da widersprichst Du Dir ja schon wieder. Du nennst Deine HP so, nennst Dich aber nicht so?

    Ich frage mich gerade, woran es liegt, dass Du durchweg, eine Reaktion nach der anderen, meine Aussagen ebenso wie meine Absichten so schlecht verstehst und erkennst. Bin ich Dir durch meine Kritik irgendwie zu nahe getreten? Hast Du in einen „Kampfmodus“ umgeschaltet? Oder fehlt es Dir trotz Willen nur an Empathie? Ich hoffe, es ist nicht das letzte, denn das brauchst Du für die Arbeit mit Menschen und Tieren.

    “whispers with dogs” hat natürlich einen Hintergrund. Nur weiß ich nicht, was an meiner vorherigen Aussage, dass ich die Zweideutigkeit (der mit Hunden flüstert vs Geflüster mit Hunden) bewusst nicht auflösen möchte, nicht zu verstehen ist. „Hundeflüsterer“ ist in meinen Augen ein sehr hoher Titel, dem man sich verdienen muss. Ich habe genug Bescheidenheit, um meinen Kunden zu überlassen, wie sie mich sehen, anstatt mich mit Supertiteln zu schmücken. Das überlasse ich gerne einem Cesar Millan.

    > Da haben wir den nächsten Widerspruch. Richtig, Du machst den Hund abhängig von Dir, in dem Du ihm alle eigenständigen Handlungen untersagst. Und das IST erlernte Hilflosigkeit und das hat nichts mit der Sprache zu tun. Sondern mit dem Wunsch, komplett das Verhalten seines Hundes bestimmen zu können.

    Welchen Widerspruch hast Du nun wieder hier entdeckt? Wie kommst Du zu so einer hanebüchenen Behauptung, ich würde meinem Hund alle eigenständigen Handlungen untersagen? Wie angemessen fändest Du es, wenn ich plötzlich behaupte, Deine Hunde wären automatisierte Klicksklaven. Ohne Dich und Deine Hunde jemals gesehen und erlebt zu haben? Hier wird es echt abstrus. Und Du hast jetzt damit echt überzogen!

    Mir scheint, Du hast Dir da ein böses Feindbild über nonverbale Kommunikation zurechtgelegt, das fern jeglicher Realität ist und mit meiner Praxis rein gar nichts zu tun hat. So schlecht, wie Du Dich in meine Aussagen reinfühlen konntest, könnte man denken, Du bist womöglich deswegen so gegen meine Offenheit für andere Methoden, weil Du anders mit Hunden gar nicht kommunizieren kannst. Klickern kann nämlich mit etwas Übung eigentlich jeder Hanswurst. Aber das zu denken wäre genauso gewagt und unpassend, wie so manche Deiner Aussagen.

    Einigen wir uns daher versöhnlich darauf, dass Du Dich festgelegt hast, ich hingegen die Flexibilität schätze. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg. Du zeigst so viel Engagement, dass ich von beiden überzeugt bin.

  6. avatar Irek sagt:

    [Aus einem anderen Artikel dieser Website, der ebenfalls von Dir ist:]
    > Darüber hinaus fällt wochenlanges Ignorieren des Hundes,
    > nonverbale Kommunikation und das Durchführen von
    > “Rangreduktionsprogrammen” ebenfalls unter Gewalt.
    > Gewalt an der Seele des Hundes

    O mein Gott. Und ich bemühte mich hier ernsthaft mit Dir zu argumentieren. Und dann lese ich einen solchen Bockmist. Entweder hast Du ein völlig anderes Verständnis von nonverbaler Kommunikation als ich (ich vermute irgendeine superdominante distanzierte Haltung gegenüber dem Hund, der sklavenähnlich zu spuren hat; das würde immerhin die total unsinnigen Behauptungen in Deiner letzten Antwort erklären). Oder Ihr spinnt Euch hier halt das zusammen, was Euch am meisten nützt. Wer andere schlecht macht, steht besser als diese da.

    Ich habe gerade noch gegoogelt, ob ich etwas verpasst habe und es in der Tat eine spezielle hundefeindliche Philosophie der nonverbalen Kommunikation gibt. Nein, gibt es wohl nicht. Hier wird einfach alles verteufelt, was dem Bauer nicht nützt.

    Wenn das die Einstellung bei Euch ist: sehr enttäuschend. Und gefährlich zugleich. Ich bin echt bedient.

  7. avatar Irek sagt:

    Mit Radikalen zu sprechen macht kurzfristig niemals einen Sinn. Die brauchen Intensivtherapien, sofern üüberhaupt noch etwas zu holen ist. Das gilt für Nazis, Salafisten, Veganern und natürlich auch Radikale wie Dich. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie haben ihren Weg bereits gefunden, sich ziemlich von allem anderen Gedankengut abgegrenzt und man kommt zu ihnen kaum noch durch.

    Da hängt man sich dann auch gerne an einzelnen Worten auf. Sei es Führung. Sei es Rudel.

    > Letztendlich bist du so angepiekst, weil dein Rangordnungsding so oft kritisiert wird.

    Ich war angepiekst, weil man meine Aussagen hier falsch wiedergegeben hat. Ich lebe mit meinem Hund primär nicht nach einer Rangordnung sondern so weit sinnvoll als Team zusammen. Jedenfalls hat es nichts mit der längst überholten Dominanztheorie zu tun.

    Wenn Du der Meinung bist, dass ein Hund in unserer Welt, mitten in der Stadt keine Grenzen braucht und nicht angeleitet werden muss, welches Verhalten sozial verträglich und ungefährlich ist und welches Konfliktpotential birgt oder das Leben gefährdet, dann lügst Du Dir etwas in die eigene Tasche. Und ich halte es für einen wesentlichen Bestandteil des Zusammenseins mit einem Hund, dass er zuverlässig auf mich hört, damit ich ihm die maximal mögliche Freiheit geben und dennoch für seine Sicherheit sowie die der Anderen garantieren kann. Ich nenne so etwas nun einmal Führung. Das ist mein Anspruch beim Zusammenleben mit einem Hund. Wie Du das nennst weiß ich nicht. Ohne geht es jedenfalls nicht.

    Also muss man sich an solchen Begrifflichkeiten nicht gleich stören und irgendwelche Unterdrückungsfantasien entwickeln.

  8. […] setzt keine Grenzen Regine Hochhäusler: Wir arbeiten gewaltfrei! Regine Hochhäusler: Märchenstunde – nonverbale Kommunikation ist artgerecht Regine Hochhäusler: Märchenstunde – Wir werfen mit Wattebäuschen Regine […]

  9. avatar Albert sagt:

    Klasse Beitrag

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