Negative Bestrafung

Aktualisiert am 02.07.2014
Beitrag 3 von 8 der Artikelserie: Das Runde muss ins Eckige
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Durch den Einsatz von negativer Strafe soll ein Verhalten in der Zukunft seltener auftreten. Dazu nimmst du dem Hund etwas weg, was er haben möchte. Oder du enthält ihm eine Belohnung vor, die er erwartet hatte.

Beispiele:

Du kraulst deinen Hund. Als du aufhörst, kratzt er mit der Pfote über deinen Arm. Du stehst auf und gehst weg.

Der Hund springt dich an, du drehst dich weg und beachtest ihn nicht.

Der Hund wollte durch das Kratzen mit der Pfote bzw. das Anspringen vermutlich deine Aufmerksamkeit behalten bzw. bekommen. Du entziehst ihm diese Aufmerksamkeit durch Weggehen und Ignorieren.  Als  Konsequenz wird er das Verhalten „mit der Pfote am Arm kratzen“ / „anspringen“ in Zukunft seltener zeigen.

Negative Strafe im Training?

Auch negative Strafe ist eine Strafe und hat damit sehr ähnliche Risiken und Nebenwirkungen wie die positive Bestrafung. Die negative Bestrafung setzt auf die Konsequenz „Frust“: der Hund bekommt etwas nicht, was er gerne haben möchte. Das kann aber nur funktionieren, wenn der Hund weiß, wie er diesen Frust „abschalten“ kann, d.h er muss wissen, dass er statt dessen ein gewünschtes Verhalten anbieten kann, das belohnt wird.

Weiß er das nicht, kann es passieren, dass er aus lauter Frust das unerwünschte Verhalten stärker zeigt oder auf andere unerwünschte Verhalten ausweicht. Zum Beispiel fangen manche Hunde an,  in Ärmel, Hosenbeine oder die darin befindlichen Körperteile zu beißen,wenn sie mit Anspringen keinen „Erfolg“ haben.

Oder vielleicht kommt Euch das Gefühl bekannt vor:

Versehentlich negativ bestraft

Du rufst deinen Hund aus dem Spielen mit anderen Hunden ab. Er kommt langsamer angelaufen, als du wolltest, deshalb gibst du ihm keine Belohnung. Welches Verhalten tritt zukünftig seltener auf? Uuups!!

hodja_n-openclipart-org1 Dein Hund hat Angst vor einem Agility-Gerät, Du hältst ihm ein Stückchen Käse vor die Nase, er macht einen Schritt Richtung des Geräts, du ziehst das Käsestückchen ein bißchen weiter, damit er noch ein wenig dichter herangeht. Es kann sein, dass der Hund das bereits als negative Bestrafung wahrnimmt, weil er ja sowieso nicht näher an das Gerät herangehen wollte (größere Nähe zu dem beängstigenden Gegenstand ist eine zusätzliche positive Bestrafung). Uuuups!!

Vielen Hundehaltern fällt es schwer, das Konzept der negativen Strafe zu verstehen. Dass der Hund es oft schon als sehr bestrafend empfindet, wenn er eine erwartete Belohnung nicht bekommt, ist vielen Hundehaltern gar nicht bewusst.

Das führt leider dazu, dass die negative Bestrafung sehr oft versehentlich bei gewünschtem Verhalten eingesetzt wird. Dabei müsste das eigentlich verstärkt werden, wie bei den beiden letzten Beispielen.

Negative Bestrafung „droht“ aber auch, wenn du anfängst, ein neues Verhalten unter stärkerer Ablenkung zu üben. Wenn „Sitz“ z.B. ohne Ablenkung schon gut klappt, hast du vielleicht das Gefühl, dass der Hund es schon kann. Aber wenn der Hund „Sitz“ unter Ablenkung noch schwierig findet, setzt er sich vielleicht nicht so schnell hin, wie du es möchtest. Wenn du dann das langsame Hinsetzen „nicht belohnst“, bestrafst Du nicht das „langsam“ sondern das „Hinsetzen“! Und das führt dazu, dass sich der Hund sich nicht schneller setzt, sondern eben  gar nicht! So ein sturer Hund??

Negative Strafe enthüllt

Es ist also nicht nur wichtig zu wissen, wie negative Strafe richtig eingesetzt wird (es gelten die gleichen Regeln wie für die positive Bestrafung!). Fast noch wichtiger ist, dass ihr erkennt, wann und wie ihr sie nicht einsetzen solltet, damit ihr nicht versehentlich gewünschtes Verhalten bestraft!

Welche Beispiele für negative Strafe fallen euch ein? Habt ihr schon einmal versehentlich gewünschtes Verhalten negativ bestraft?

 

6 Antworten

  1. Wenn ich einen Knochen bekomme, dann darf ich den überall kauen, nur nicht aufm Sofa. Weil’s mir da aber ziemlich gut gefällt, schleiche ich mich mit meinem Knochen gerne dahin.
    Fraule nimmt mir den Knochen dann weg. Das ist ganz gemeine neg. Strafe.
    Vorher hat sie mir allerdings über viele Wochen die Alternativen aufgezeigt, die ich habe: Also eines meiner 700 Kissen zu wählen.
    Mittlerweile probiere ich es nur wenn ich mich unbeobachtet fühle und nehme ansonsten vorlieb mit erlaubten Orten.
    Was aber übrigens wieder beweist, dass Strafe – egal welche – hemmend wirkt und nicht das Bedürfnis veränadert. Wenn ich das Sofa nunmal gemütlicher finde als alle Kissen auf der Welt, dann werde ich es immer wieder versuchen! Das ist nur menschlich, grumpf! : )

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