So niedlich!

Aktualisiert am 14.03.2013
Beitrag 1 von 2 der Artikelserie: Herausforderung Kind und Hund
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Wir alle kennen sie, die zahlreichen Bilder von Kindern, die Hunde herzen, drücken, knutschen oder gar bemalen.

Hund mit Kind – niedlich?

In sozialen Netzwerken werden Fotos von Hunden, an denen ein Kind jeglichen Alters „hängt“ gerne geteilt. Die Kommentare zu diesen Fotos lauten fast immer gleich: „So niedlich, herzig, wundervoll“, etc.

Die Betrachter der Fotos sehen anscheinend immer nur den einen Teil des Bildes, nämlich das Kind. Die andere Hälfte des Bildes – der Hund – wird ausgeblendet. Nur so ist es zu erklären,  dass die Betrachter die Verzweiflung der Hunde, die sich in der Mimik und Körpersprache zeigt, übersehen können. Auf jedem Bild sind deutliche Beschwichtigungssignale zu erkennen, die Körper werden abgewand (falls dies noch möglich ist) und in den Gesichtern ist der pure Stress zu lesen.

Hund mit behindertem Kind – noch niedlicher?

schaefi-stachler

Erst vor kurzem ging dieses Bild durch ein soziales Netzwerk:

Ich sehe auf den ersten Blick ein Kind mit Behinderung und einen Schäferhund, der sich an das Kind zu lehnen scheint. Dann schaue ich auf den Hals des Hundes und sehe, dass dieser ein Stachelhalsband trägt.

Dieses Bild wurde hundertfach geteilt und nahezu alle Kommentare dazu lauteten, wie toll und aussagekräftig dieses Bild doch sei.

Ich sprach eine der vielen „Verteiler“ dieses Bildes darauf an, erklärte, dass der Hund einen Stachler trägt und dass das Bild eigentlich nicht so schön ist, wie viele tun.

Mein Kommentar wurde kurzerhand gelöscht. Ich durfte die heile Welt, die dieses Foto vermitteln sollte, nicht in Frage stellen.

Heile Welt?

Viele dieser Kind-Hund- Fotos widersprechen bei genauerer Betrachtung dieser Heile-Welt-Sicht. Wir sehen häufig Hunde, die versuchen, aus der fotografierten Situation zu entkommen.

Sie drehen ihre Köpfe und Körper weg, ihre Gesichter zeigen deutliche Anzeichen von Stress. Und Verzweiflung, weil diese Kommunikation nicht wahrgenommen wird.

Ich finde diese Bilder fürchterlich. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass bei Beißvorfällen mit Kindern die Schuld immer dem Hund zugewiesen wird, nicht dem Kind oder der Aufsichtsperson.

Viele Vorfälle könnten vermieden werden! Die Kommunikation der Hunde muss mehr beachtet werden.  Dazu ist es nötig, sich diese aber eben auch genauer anzuschauen und zu verstehen. Und unsere Kinder zu lehren, diese Zeichen zu respektieren.

Kind und Hund – Rücksichtnahme

Natürlich können Kinder und Hunde gute Freunde sein und eine gute Beziehung zueinander haben. Beide können das lernen. Kinder lernen schnell, auf die Kommunikation des Hundes zu achten und auf seine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Das kann z.B. ausreichende Distanz sein.

bild1

Wir dürfen als Hundehalter nicht automatisch davon ausgehen, dass unser Hund alle Mitglieder der Familie liebt und respektiert, egal wie diese mit ihm umgehen.

Im Gegenteil, unsere Pflicht ist es, darauf zu achten, dass sich alle Mitglieder bedürfnisgerecht verhalten und alle lernen, dass keiner den anderen bedroht. Das ist möglich. Vielen Dank an Nadja Vogel für das Foto!

Im  zweiten Teil geht es um das Zusammenleben von Hund und Kind.

11 Antworten

    • Ihr Lieben,

      die Kommentare, die ihr hier schreibt, werden auch auf unserer fb-Fanseite angezeigt. fb kann aber die Smileys nicht übernehmen. Deshalb wär’s nett, ihr schreibt einen klitzekleinen Satz…

  1. avatar Nadine sagt:

    Das ist wahr. Wir schauen nie hinter die Mauer, nur Oberflächig schauen wir.

  2. avatar Inka sagt:

    Danke, danke, danke! Ich staune immer, wie viel Hunde ertragen. Und es macht mich wütend, wie viel sie ertragen müssen. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

  3. avatar David sagt:

    Mal ne frage

    warum soll das Bild, nur anhand weil der Hund nen Trainingshalsband trägt, nicht die Wirklichkeit sein bzw stress für den Hund?????

  4. Mal ne Antwort:
    Weil das von Dir genannte „Trainingshalsband“ ein Stachler ist und somit Schmerzen bereitet. Wie fühlst Du Dich, wenn sich Dir Metallstäbe in den Hals bohren und Dich noch jemand herzt und drückt?

    Solch ein Folterinstrument hat nichts mit Training zu tun, sondern beschreibt lediglich die Fähigkeiten des „Trainers“.

  5. avatar David sagt:

    Also beruhen Ihre Aussagen allein darauf, dass Sie meinen das ein Hund der ein Trainingshalsband trägt auf keinen fall so wie oben auf dem Bild, sich an einen geliebten Menschen schmiegen kann?

    Davon ab das der kleine gar nicht in der nähe des Halsbands ist oder der Stuhl auf dem er sitzt.

  6. Lieber David,

    das ist kein Trainingshalsband, sondern ein Stachelhalsband, welches Schmerzen verursacht. Allein schon das Tragen ist unangenehm. Legen Sie sich doch mal eines um, dann verstehen Sie wie sich das anfühlt. Und lassen Sie dann noch jemand dran ziehen.

    Anhand Ihrer Kommentare entnehme ich, dass Sie Befürworter solcher Folterinstrumente sind. Demnach haben Sie wohl keine Empathie für ein Tier, welches ein Stachelhalsband tragen muss und dann für solche Bilder missbraucht wird.

  7. Natürlich kann sich auch ein Hund im Stachelhalsband anschmiegen.
    Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein Bild eines mit Stachelhalsband geführten und ausgebildeten Hundes nicht „Süß“ oder „Niedlich“ ist, vor allem nicht, wenn ein Kind mit auf dem Bild ist.
    Fehlverknüpfungen sind schnell passiert, und wenn der Hund „Schmerz am Hals“ mit „Kind“ verknüpft, kann das bös ins Auge gehen.
    Kein Hund, und schon gar kein Service-Hund darf mit Schmerzreizen ausgebildet werden, das ist schlicht verantwortungslos. Und nebenbei, völlig überflüssig, weil es VIEL bessere Methoden gibt.

  8. avatar Lar Enck Ursu sagt:

    Sicher kann eine Fehlverknüpfung entstehen, ich spreche mich auch in keinster Weise für einen Stachler aus. Aber wir haben nur dieses Bild, das zeigt, dass der Hund sich an das Kind lehnt und kein Zug auf dem Stachler ist – in diesem Moment keine Schmerzen vom Halsband ausgehen, also keine Fehlverknüpfung. Zusätzlich trägt der Hund noch ein Nylonhalsband und ein Geschirr, es ist wahrscheinlich, dass der Hund am Stachler geführt wird, aber nicht 100% sicher. Darum halte ich dieses Bild für etwas ungeeignet die Anklage des Eingangstextes zu unterstützen.

  9. Ach, Stachler sind nur unangenehm wenn Zug drauf ist? Ich halte das Bild für sehr geeignet, weil es hervorragend zeigt, wie oberflächlich man schaut und seine heile Welt verteidigen will.

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