… sonst entscheidet der Hund selber

Aktualisiert am 06.02.2016
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Du musst die Führung übernehmen, sonst entscheidet der Hund selber!

Hand hoch, wer hat noch nie diesen oder einen ähnlichen Spruch zum Thema Hundeerziehung gehört?

Der Hund entscheidet immer selber!

anspringen-oder-sitzen Der Artikel ist in der „Märchenstunde“ gelandet, weil Hunde immer selber entscheiden (ob bewusst oder unbewusst ist dabei nebensächlich). Sie sind nämlich eigenständig denkende und fühlende Lebewesen und bisher haben wir glücklicherweise noch immer keine Möglichkeiten gefunden, aus ihnen immer funktionierende Maschinen zu machen.

Eine traurige Ausnahme bilden die armen Geschöpfe, die durch aversive oder für sie undurchschaubare Konsequenzen in die „erlernte Hilflosigkeit“ gerutscht sind.

Training verändert Verhalten

Klingt logisch, ist aber nicht ganz richtig. Denn die meisten Verhalten, die der Hund „lernen“ soll, kann er schon. Eigentlich soll er lernen, Verhalten auf Signal auszuführen oder ganz allgemein (gewünschte) Verhalten öfter oder (unerwünschte) nicht mehr zu zeigen.

Training verändert Wahrscheinlichkeiten

Egal welche Trainingsmethoden wir anwenden, wir können nur die Wahrscheinlichkeit des Auftreten von Verhaltens verändern. Garantien gibt es nicht – die Entscheidung, welches Verhalten der Hund zeigt, liegt letztendlich beim Hund.

Der Spruch „Du musst die Führung übernehmen, sonst entscheidet der Hund selber“ hört sich aber so an, als ob der Mensch die Entscheidungsgewalt übernehmen könnte. Außerdem wird manchmal impliziert, dass der Hund sich auch besser fühlen würde, wenn er „Kompetenzen abgibt“ und alle Entscheidungen seinem Menschen überlässt.

Ich glaube, damit stellen wir uns eine Stolperfalle. Denn erstens ist es sehr stressig für den Hund, gar nichts selber entscheiden zu können, zweitens ist diese Idee eine Illusion und drittens kommen wir dann gar nicht darauf, dass es eine Alternative gibt.

Kluge Entscheidungen verstärken

Die Alternative ist ganz „einfach“: verstärkt die klugen Entscheidungen eurer Hunde. Das „einfach“ steht in Gänsefüßchen, denn Menschen fällt es viel leichter, „Fehler“ zu entdecken. Die „klugen Entscheidungen“ fallen dagegen nur auf, wenn man bewusst auf sie achtet.

Kluge Entscheidungen erkennen

Beispiel: Bello bellt fremde Hunde an, wenn er an der Leine ist. Fast immer macht er vor dem Bellen irgendetwas anderes. Oder es gibt Hunde, bei denen er nicht anfängt zu bellen – weil er sie kennt, oder weil sie genügend weit weg sind.  Auch wenn das nicht so wirkt: das sind kluge Entscheidungen, die ihr markern und verstärken könnt.

„Aber der macht doch gar nichts!“ antworten meine Kunden manchmal, wenn ich sage, dass sie ihren Hund markern und belohnen sollen, weil er „nicht gebellt“, „nicht angesprungen“, „nicht an der Leine gezogen“, etc. ist. Doch: er hat was gemacht: er „hat ruhig einen anderen Hund angesehen“ oder „ist stehen oder sitzen geblieben, während ein Mensch auf in zugekommen ist“ oder „ist an lockerer Leine gelaufen“.

Kluge Entscheidungen lohnen sich

Wenn sich kluge Entscheidungen für den Hund lohnen, wird er sich öfter für sie entscheiden. Aber: auch das ist keine Garantie. Der Hund kann sich dann auch immer noch für ein anderes Verhalten entscheiden.

Signale (und auch Kommandos oder Befehle) sind „Entscheidungsvorschläge“. Durch kluges, effizientes Training können wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Hund das Signal gerne ausführt und gewünschtes Verhalten immer öfter zeigt – allerdings wird die Wahrscheinlichkeit niemals bei 100% liegen!

22 Antworten

  1. avatar Marmarla sagt:

    Meine Hunde waren früher leider auch “ Befehlsempfänger“ ! Oft habe ich in schwierigen Situationen Verhaltensweisen eingefordert, die sie eigentlich gar nicht zeigen wollten und besonders auch nicht konnten! Das war für beide Seiten sehr stressig.
    Mittlerweile haben wir uns viele Alternativverhalten angeeignet und die Fellnasen dürfen in schwierigen Situationen entscheiden, was sie leisten können. So meistern wir den Alltag viel gelassener und stressfreier und ich habe das Gefühl, dass es mit der Zeit viel weniger problematische Situationen gibt

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