Beitrag 8 von 8 der Artikelserie: Das Runde muss ins Eckige
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In dieser Serie geht es darum, das die Sache mit den Quadranten der Lerntheorie ein guter Anfang ist, ihr darüber hinaus aber noch weitere Faktoren im Auge behalten müsst.

Hier könnt ihr nachlesen, dass es nicht nur darauf ankommt, ob man positive (und negative) Verstärkung einsetzt, sondern auch wie – bzw, wie nicht! Doch natürlich gibt es auch bei den beiden „Straf“-Quadranten Stolperfallen, die ihr beachten müsst, sofern ihr Strafe einsetzen wollt. Ich habe dazu hier schon eine eigene Serie geschrieben, aber es fallen mir immer noch mehr Gründe ein, warum Strafe im Hundetraining wirklich problematisch ist.

Strafe bestraft „unbeteiligte“ Verhalten

strafe-bestraft-viele-verhalten Menschen haben im Vergleich zu Hunden eine sehr langsame Reaktionszeit. Das führt dazu, dass wir Schwierigkeiten haben, überhaupt das „richtige“ unerwünschte Verhalten mit der Strafe zu erwischen. Unter anderem deshalb brauchen wir ein Markersignal, sodass der Hund die Strafe mit dem unerwünschten Verhalten verknüpfen kann. Doch selbst mit einem Strafmarker oder Abbruchsignal bestrafen wir Verhalten mit, die wir gar nicht bestrafen wollten/sollten. Wenn der Hund nämlich den Sinn des Strafmarkers verstanden hat, bricht er unmittelbar darauf das unerwünschte Verhalten ab und macht stattdessen etwas anderes – womöglich zeigt er sogar ein erwünschtes Verhalten. Vielleicht dreht er sich zu seinem Halter um oder er setzt sich hin. Wir Menschen haben aber erstens eine langsame Reaktionszeit und kriegen gar nicht so schnell mit, dass der Hund schon aufgehört hat und zweitens sind wir noch im „Betrafungsmodus“ und ziehen die Strafe dann durch, oder meckern zumindest noch rum – und wenn es nur unbewusst körpersprachlich ist! Es ist einfach verdammt schwierig, in wenigen Sekundenbruchteilen von Strafe auf Verstärkung  umzuschalten.

Beispiel: Der Hund bellt einen anderen Hund an, hört aber auf ein „Nein“ umgehend auf und dreht sich zum Halter um. Der schimpft „du sollst doch keine anderen Hunde anbellen….“. Dann hat der Halter seinen Hund soeben für das Umdrehen bestraft. Ups.

Negative und positive Bestrafung haben (fast) die gleichen Nachteile

Das oben genannte Beispiel (und alle Regeln bei der Anwendung) trifft übrigens sowohl für negative als auch für positive Bestrafung zu. Besonders deutlich wird das, wenn ihr bestimmte Trainingsmethoden betrachtet, die viel über Ignorieren oder Entzug arbeiten. Manche Trainingsanleitungen beinhalten, dass der Hund stunden-, ja sogar wochenlang(!!!) ignoriert werden sollen. Da Hunde aber hochsoziale Lebewesen sind, die unbedingt Kontakt zu ihren Menschen brauchen, wirkt dieses andauernde Ignorieren bestrafend auf all die vielen Verhalten, die der Hund während dessen zeigt.

Strafe verbreitet schlechte Laune

Euch geht das bestimmt auch so: wenn euch jemand auf einen Fehler hinweist (bestraft), ärgert ihr euch. Dabei ist es sogar egal, ob ihr euch über den Menschen ärgert, der auf den Fehler hinweist,über euch selbst, dass ihr den Fehler gemacht habt. Hunden geht es da nicht anders, mit dem Zusatz, dass sie meistens gar nicht wissen, warum das falsch war, was sie da gemacht haben. Das führt zusätzlich zur Verunsicherung. Sie wissen dann weder, was sie nicht machen sollen, warum sie es nicht machen sollen, und was sie statt dessen machen können, um diese stressige Konsequenz zu vermeiden.

Aus all diesen Gründen ist Training über Strafe sehr problematisch unsd sehr schwer ohne ungünstige Nebenwirkungen anzuwenden. Zum Glück gibt es andere Wege – den über positive Verstärkung!

 

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