Targets – Aufmerksamkeit teilen

Aktualisiert am 13.03.2013
Beitrag 2 von 3 der Artikelserie: Targets
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Der Hund lernt an und mit Targets mit angstauslösenden oder erregenden Reizen umzugehen. Dieses Umlernen muss gut überlegt und mit Weitsicht aufgebaut werden, am besten angeleitet von einer guten Trainerin.

Warum funktioniert das so gut?

Die Regeln des Lernens gelten immer!

Spiel- und Spassbeschäftigungen werden eigentlich immer in entspannter, gelöster Atmosphäre trainiert. Mensch und Hund haben Spass am Tun und gemeinsamen Sein! Der Hund arbeitet hoch motiviert und fröhlich gestimmt mit, ohne bedrohlichen Reizen ausgesetzt zu sein.

Klassische Konditionierung

Schauen wir genauer hin erkennen wir, dass Pawlow und seine klassische Konditionierung das Spiel immer und überall mitspielen. Das bedeutet:

  • Spiel, Spass und Freude kommen glücklichen Momenten gleich!
  • Das Tun ist unweigerlich – und willentlich nicht steuerbar – mit positiven Emotionen belegt.

Dieser Fakt kann von allen Hundehaltenden – und sollte meines Erachtens unbedingt von Hundeausbildenden beachtet und angeleitet werden.

Aufmerksamkeit teilen

Gerade im Training mit besonderen Anforderungen, z.B. bei Angst- und Aggressionsthemen, bieten Spasssignale wertvolle und zielführende Unterstützung während des Umlernens:

  • Die Aufmerksamkeit des Hundes wird geteilt,
  • und wir bringen ihm währenddessen bei, dass er anders als bisher auf Reize reagieren kann.

Der Hund nimmt z.B. einen angstauslösenden Reiz wahr – und kann, wenn das Training richtig aufgebaut ist, derweil ein etwas Entspannung schaffendes, glücklich machendes Signal ausführen! Es kann soweit gehen, dass der ursprünglich Angst auslösende Reiz zu einer Spiel- und Spassaufforderung des Hundes führt.

Arbeit mit glücklich gestimmten Emotionen am Beispiel: Angst

Nehmen wir als Beispiel meine leider zwischenzeitlich verstorbene Hündin India.

Sie fürchtete sich ihr ganzes Hundeleben lang vor Gullideckeln. Gekonnt wich sie jedem dieser Stahldeckel aus. Nun ist das eigentlich kein weltbewegendes Problem. Doch eines Tages kam mir spontan die Idee, am Gulli das bestens bekannte Signal des Bodentargets „Taps“ zu geben. Meine Hündin war zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 9 ½ Jahre alt.

India reagierte auf das Signal erst einmal irritiert. Sie suchte nach dem bekannten Bodentarget, das sie natürlich nicht fand. Sie bemerkte, dass ich meinen Blick auf den Gullideckel gerichtet hatte. Sie nahm wohl ihren ganzen Mut zusammen und haute ihre Pfote auf das gefürchtete Ding. Ich war überrascht, dass dies auf Anhieb gelang!

Die Belohnung, ein Jackpot bestehend aus vielen Leckerlis und fast original schweizerischen Jodlers meinerseits, folgten natürlich sofort auf, resp. neben dem Gullideckel!

Dies war für mich ein einschneidendes Erlebnis! Sie steuerte nämlich ab diesem Tag jeden Gullideckel an und forderte mich zum „Hau-den-Lukas“-Spiel auf!

Wieso hatte India plötzlich Spass an Gullideckeln?

Lerntheoretisch betrachtet hatte ich nichts anderes gemacht, als reflexives Verhalten – also ihre Angst – mit dem glücklich machenden Signal zu verändern:

Den Gullideckel, der bisher ein Angstauslöser war, verknüpfte ich mit dem Signal „Taps“. Dieses hatten wir bisher ausschliesslich spassorientiert am Bodentarget trainiert.

Ihre Angst wurde also mit jedem „Taps“ am Gullideckel geschwächt. Und zwar so stark, dass sich der Gullideckel zur ‚Jetzt haben wir gemeinsam Spass’-Ankündigung veränderte.

Entspannung schaffen

Meide- und angstorientiertes Verhalten und Reize, die aggressives Verhalten auslösen, verändern sich im richtig angepassten Prozess des Umlernens zu einer Ankündigung auf etwas Schönes und Gutes!

Mindestens aber schaffen diese Signale Entspannung und sorgen so dafür, dass der Hund besser ansprechbar ist!

Umlernen mit Targets, Schritt für Schritt angeleitet

Der Hund lernt also an und mit Targets mit Reizen umzugehen. Anstatt vor einem Reiz zu flüchten, wird seine Aufmerksamkeit durch die Targets geteilt und er ist so in der Lage, ein anderes Verhalten zu zeigen.

Dieses Umlernen muss sauber aufgebaut werden. Deshalb sollten sich Hundehaltende einen zum Lernen beim Hund sehr versierten Trainer zur Unterstützung beiziehen.

Vorsicht: Arbeit mit und an den Emotionen des Hundes!

Der Trainer erstellt einen auf das Team individuell zugeschnittenen Trainingsplan unter Berücksichtigung der Emotionslage des Hundes.

Vorsicht bitte: Unpassend durchgeführtes Training – und sei dieses noch so lieb, gut gemeint und positiv gestaltet – kann gegenteilige Auswirkungen zur Folge haben. Auch wenn das von aussen auf Anhieb nicht ersichtlich ist. In der Konsequenz allerdings sehr wohl:

Anstatt Entspannung und positiv gestimmte Emotionen zu erhalten, kann auch (noch mehr) Erregung am Auslöser verknüpft werden! Das kann zum Beispiel verstärktes Meideverhalten sein.

Aber ich habe es auch schon erlebt, dass das Aggressionsverhalten verändert wurde. So wurde zum Beispiel unbeabsichtigt eine sehr ernsthafte Ressourcenverteidigung „trainiert“.

Deshalb ist der Beizug eines in angewandter Lerntheorie „sattelfesten“ Trainers unabdingbar.

Referenzen einholen

Lassen Sie sich als Hundehaltende vor Ihrem Training entsprechende Referenzen von Ihrem Wunschtrainer vorweisen. Scheuen Sie sich nicht, diese Referenzen persönlich zu kontaktieren und nach ihren Erfahrungen zu befragen.

 Bildergalerie Hund an Umwelttargets

Die Bilder zeigen verschiedene Targets.

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