Training mit der Puzzle-Methode

Aktualisiert am 25.04.2014
Beitrag 1 von 3 der Artikelserie: Die Puzzle-Methode
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Viele Trainingsbeschreibungen vermitteln den Eindruck, dass Training über positive Verstärkung langwierig, kompliziert und realitätsfern ist, weil man Ablenkungen im Alltag nicht immer ausweichen kann. Das ist aber auch gar nicht nötig.

Puzzle statt starrer Reihenfolge

(c) unrescued auf youtube </br> http://www.youtube.com/watch? Stellen Sie sich Ihr Training als Puzzle vor. Das Erlernen eines bestimmtes Verhalten besteht tatsächlich aus all den kleinen Teilchen und den vielen verschiedenen Ablenkungen, die in den Trainingsbeschreibungen aufgelistet werden. Aber Sie können je nach Situation an den Bereichen des Puzzles arbeiten, an die Sie gerade dran kommen.

Beispiel: Grundgehorsam

Sie waren in der Hundeschule und haben mit Ihrem Hund am Grundgehorsam, z.B. Sitz, Rückruf oder Leinenführigkeit, gearbeitet. Das klappt jetzt ganz gut auf dem Hundeplatz und bei Ihnen zu Hause. Aber auf dem Spaziergang scheint der Hund alles vergessen zu haben.

Auf der Suche nach den vergessenen Puzzelteilchen

(c) unrescued auf youtube </br> http://www.youtube.com/watch? Wenn Sie die Umweltbedingungen nicht an Ihren Trainingsplan anpassen können, passen Sie einfach den Trainingsplan an die Umweltbedingungen an!

Das ist so toll am Training mit wegweisend positiver Verstärkung: es klappt sofort. Denn es gibt einfach keine flexiblere Trainingsmethode. Sie müssen nur erkennen, was der Hund in der jeweiligen Situation kann, sich darauf einlassen und nehmen, was Sie kriegen können.

Es ist egal, was er woanders kann!

Versuchen Sie nicht zu erzwingen, was er offensichtlich nicht leisten kann. Suchen Sie nach den Verhalten, die Ihr Hund in der Situation tatsächlich ausführen kann.

(c) unrescued auf youtube </br> http://www.youtube.com/watch? Vielleicht kann er stehen, ohne in der Leine zu hängen. Vielleicht kann er sitzen. Vielleicht kann er einen Schritt mit Ihnen gehen, ohne zu ziehen.

Was auch immer es ist, markern und belohnen Sie es! Markern und belohnen Sie sofort(!!!) wieder, bevor der Hund auf die Idee kommen kann, loszuhechten, aufzustehen oder in die Leine zu rennen.

Kurz –  bauen Sie die Puzzleteilchen ins Bild ein, die Ihnen Ihr Hund anbietet. Versuchen Sie nicht, die Teile passend zu machen, die nach der Trainingsanleitung im Buch dran wären! Laut dieses Buches wäre vielleicht auch solche eine starke Ablenkung jetzt noch nicht an der Reihe. Aber unsere Welt läuft eben meistens nicht nach Plan ab.

Wir haben alles getan, was wir konnten, aber…

Der Hund „tut, was er kann“. Wenn er sich z.B. nicht hinsetzt, obwohl er das „eigentlich kann“, will er Sie nicht ärgern und ist auch nicht stur (oder dominant!). Er kann sich einfach gerade nicht setzen.

Arbeiten Sie an den Puzzleteilchen, die dazu führen, dass er sich setzen kann. Um „ruhig sitzen“ zu können, muss Ihr Hund z.B. erst einmal aufhören rumzuhibbeln. Daher ist es sinnvoll, „stehen“ zu markern und zu belohnen.

Je mehr Pixel, desto schärfer das Bild

Die Puzzle-Methode erscheint zunächst chaotisch und so als ob der Hund „seinen Willen kriegt“. Letzteres stimmt – fast! Wenn Sie auf diese Methode einlassen, arbeiten Sie in jeder Situation auf dem tatsächlichen Leistungsstand des Hundes.

Weil der Hund sich diese Teile in einem eigenen Tempo erarbeitet hat, ist das Bild auch „schärfer“, als wenn Sie an manchen Stellen mit Druck oder Zwang nachgeholfen hätten.

Und auch wenn Sie mal an der einen Ecke, mal an der anderen und mal irgendwo in der Mitte rumpuzzeln – irgendwann wachsen die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammen.

9 Antworten

  1. avatar Anna Lena sagt:

    Super beschrieben. Vielen Dank dafür!

  2. […] im Mehrhundehaushalt Martina Schoppe: Ignorieren alleine reicht nicht Martina Schoppe: Training mit der Puzzle-Methode Martina Schoppe: Verstärkung – immer nur schneller, höher lauter? Martina Schoppe: Z&B […]

  3. avatar Anita sagt:

    Hallo Martina,
    Vielen Dank für den tolle Artikel!
    Es gibt also Licht am Ende des Tunnels 🙂
    Du schreibst: „Sie müssen nur erkennen, was der Hund in der jeweiligen Situation kann, sich darauf einzulassen und nehmen, was Sie kriegen können.“
    Gibt es Hinweise (weitere Artikel, Tipps?) wie ich das erkennen kann?
    Und woher weiß ich, wann ich „mehr“ verlangen kann?

    Meine pubertierende Hündin kann derzeit kein „Platz“ mehr, ihr Kompromiss ist oft ein Sitzen.
    Was passiert, wenn ich Platz sage und das sitzen belohne?
    Übe ich jetzt in solchen Situationen nur Sitz?
    Wie soll sie das Platz dann irgendwann wieder können?
    Und woher weiß ich, dass die Zeit reif ist für einen neuen Versuch mit „Platz“?

    Du siehst, viele Fragen meinerseits – vielleicht Anregungen für eine Fortsetzung?
    Ich würde mich freuen!

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