Ulli Reichmann, Wege zur Freundschaft

Aktualisiert am 09.02.2016
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Ulli Reichmann, Wege zur Freundschaft: …eine Liebeserklärung an jagende Hunde

Nach der Vorstellung unterschiedlicher Jagdtypen wird auf 18 Seiten der Trainingsaufbau beschrieben. Das Ziel: „die intensive Zusammenarbeit von Mensch und Hund beim gemeinsamen Erkunden von Spuren und anderen gemeinsamen Aktivitäten“.

Die Autorin erzählt ihre persönliche Geschichte, aus der sie ihr Training entwickelt hat. Blickkontakt, Richtungswechsel, Laufspiele und Parallellaufen gehören zu den Trainingsinhalten. Der Trainingsteil schließt mit häufig gestellten Fragen ab.

Dann folgen Fallbeispiele: Erfolgsgeschichten ihrer KundInnen und kurze Anmerkungen dazu.

Das letzte Kapitel „Zusammen leben“ versucht zu zeigen, wie Jagdverhalten und Situationen und Spiele im Alltag zusammenhängen.

Etwas unvermittelt folgen im Anhang Fragebögen, die die Leserin ausfüllen kann: Was gefällt Ihnen an Ihrem Hund am besten? Was macht Ihrem Hund so richtig Freude? Welche Art von Jagdverhalten zeigt Ihr Hund?

Wichtige Inhalte werden vom Text farbig abgesetzt zusammengefasst. Die Fotos haben keine Untertitel, sondern die Angaben erfolgen auf gesonderten Seiten. Es gibt kein Literaturverzeichnis.

Inhalt

  • Unterschiedliche Jagdverhalten
  • Aufbau des Trainings
  • Hunde und ihre Menschen
  • Zusammen leben

HundehalterInnen mit jagdlich orientierten Hunden. Wer sich noch nicht mit Antijagd- oder Jagdersatztraining auseinandergesetzt hat, gewinnt einen anderen Blick auf jagende Hunde. Für Menschen, die schon ein tiefer in der Materie drin sind, ist nichts Neues dabei.

solide

Selten hatte ich so ambivalente Gefühle beim Lesen eines Buches. Ich hatte es schon einige Male in der Hand, habe es aber immer wieder weggelegt.

Den Grundgedanken, den die Autorin vertritt, finde ich natürlich gut: Nicht gegen das Jagdverhalten des Hundes zu arbeiten, sondern es einzubeziehen und zu nutzen.

Die Ansätze, die sie im Training beschreibt, sind nicht neu, deshalb hat es mich schon erstaunt, dass sie sich zuerst einmal von anderen TrainerInnen abgrenzt. Antijagdtraining und Jagdersatztraining bezeichnet sie als zu künstlich, weil da zu wenig auf die rassespezifischen Vorlieben der Hunde eingegangen wird. Dabei gehen diese beiden Ansätze viel kleinschrittiger als sie selbst vor.

Letztendlich läuft bei ihr alles auf diese Aussage hinaus: „Das Gelingen des Trainings hängt ganz allein von Ihnen ab.“ Na, super!

„Hunde jagen viel lieber gemeinsam statt alleine“ – also muss die HundehalterIn das dem Hund einfach nur vermitteln.

Training und persönliche Geschichte werden zusammengeworfen. Das kann gut funktionieren, aber hier macht mich diese Mischung zwischen Bauchgefühl und vermeintlichem Faktenwissen kribbelig.

Da stimmt für mich einiges nicht. Natürlich stellen sich auch im Alltag Veränderungen ein, wenn der Mensch lernt, seinen Hund genauer zu beobachten, aber die Behauptung, dem Hund sei das gemeinsame Jagen mit dem Menschen viel wichtiger als das Tier, das die Spur hinterlassen hat – da frage ich mich, woher nimmt sie das? Aus der Fachliteratur ganz sicher nicht, denn ein Literaturverzeichnis gibt es nicht.

Sie behauptet, dass das Jagen mit dem Hund funktioniert, ohne dass andere Tiere in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber das scheint sich nur aufs Töten zu beziehen, denn sie beschreibt, wie ihre Hunde Fasanen hochscheuchen. Ich frage mich, was passiert wäre, wenn der Hund den Fasan geschlagen hätte?

Auch, dass die Hunde in den Wald auf Spuren geschickt werden, finde ich nicht gut. Davon mal abgesehen, dass es in Deutschland auch nicht erlaubt ist – aus gutem Grund. Aber vielleicht ist in Österreich die Gesetzeslage anders.

Im Kapitel mit den Fallbeispielen treibt die Autorin fleißig Eigenwerbung – alles ist toll und wunderbar.

Ich kann ein Stück weit nachvollziehen, dass es sehr begeisterte Stimmen zum Buch gibt. Es kommt drauf an, was frau von einem Buch erwartet. Der Schwerpunkt liegt nicht auf dem Training, da kommt frau mit der Artikelserie zum JET sicher weiter, aber wer gerne Wohlfühlbücher liest, ist hier vielleicht richtig.

Manchmal ist der zweispaltige Satz irreführend. Da wirken Überschriften wie Marginalien und haben viel Luft zum nachfolgenden Text oder die Spaltenbreite verändert sich.

Ulli Reichmann pendelte schon als Kind zwischen zwei Welten. Dem ländlichen, jagdlich geprägten Umfeld ihrer Großeltern und dem urbanen Studentenleben ihrer Eltern. Konsequenterweise zog sie deshalb als Erwachsene an den Stadtrand von Wien vor die Tore des Nationalsparks Donauauen, wo sie die Vorzüge beider Welten genießen konnte.

Sie arbeitete als Trainerin in einer ÖKV-Hundeschule und bildete dort zahlreiche Jungtrainerinnen unterschiedlichster Organisationen im praktischen Teil der Welpenerziehung aus.

Um all ihre eigenen Ideen (u.a. Gerätetraining für Hunde zum Selbstvertrauensaufbau, Kurse für Menschen mit Hundeangst, Kurse für Hunde mit Menschenangst, Welpenkurse, in denen nicht Gehorsam, sondern Gemeinschaft und hauptsächlich die Hundesprache gelehrt wird, Anti-Jagdtraining ohne Druck und Zwang) in Ruhe umsetzen zu können, gründete sie gemeinsam mit ihrem Freund eine eigene Hundeschule, die sich großer Beliebtheit erfreut. Die Ideen werden in besagter Hundeschule teilweise weiterhin umgesetzt, aber Ulli Reichmann sagt über sich selbst: „Am besten bin ich, wenn ich frei bin“, verließ Freund und Hundeschule und beschreitet seither ausschließlich eigene Wege nach ihrer eigenen Ullihunde-Methode.

Am Stadtrand von Wien wohnt sie mit ihren zwei Söhnen und vier Hunden aber immer noch.

Text: amazon

Taschenbuch: 144 Seiten

Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (9. Oktober 2015)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3738652426

ISBN-13: 978-3738652420

Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 0,8 x 24,6 cm

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