Wenn das Spiel zu kippen droht

Aktualisiert am 14.04.2014
Beitrag 6 von 9 der Artikelserie: Das Spielverhalten von Hunden
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Inzwischen haben Sie für Ihren Hund den richtigen Spielpartner gefunden und sie sorgfältig miteinander bekannt gemacht. Der Spielstil passt, die gewählte Örtlichkeit passt, jetzt kann doch nichts mehr schiefgehen! Oder?

Erregungslevel

Crispel und Sally Stimmen die Grundlagen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass alles gut klappt und die Hunde schön spielen. Behalten Sie das Spiel und besonders die Körpersprache und das Erregungslevel der Hunde gut im Auge: je schneller gespielt wird und je höher das Erregungslevel ist, desto schneller kann das Spiel auch kippen.

Schleppleinen, Abbruchsignale und die Hundefänger-Nummer

Wuggel, Buma und Crispel Spielen soll Spaß machen und das Verletzungsrisiko sollte minimal sein. Deshalb sollten Hunde beim Spielen idealerweise „nackig“ sein. Hunde können sich sowohl in Halsbänder als auch in Geschirren des Spielpartners mit den Zähnen oder Beinen verheddern und dem Partner damit eventuell die Luft abwürgen. Auch Schleppleinen sind eine große Gefahrenquelle – besonders bei Raufspielen oder Rennspielen wenn nur kleine Radien gelaufen werden und sich die Hunde dann schnell einwickeln.

Crispel und Sally Andererseits ist eine Schleppleine vielleicht derzeit noch Ihre einzige Möglichkeit, Ihren Hund aus dem Spiel heraus zu holen? Wägen Sie genau ab, ob Sie dieses Risiko eingehen wollen, oder ob Sie doch lieber erst die „Fernsteuerungs-Werkzeuge“ wie konditioniertes Entspannungssignal und den Doppelten Rückruf so trainieren, dass Sie auf die Schleppleine verzichten können.

Mit diesen Signalen können Sie auf negativ aufgebaute Abbruchsignale (Rappeldosen, Wassersprüher…) verzichten und müssen auch nicht versuchen, die Hunde „per Hand“ einzufangen. Letzteres ist ziemlich schwierig, weil Hunde einfach so viel schneller sind als Menschen. Diese beiden Methoden (negative Abbruchsignale und Hundefänger-Nummer) sorgen für negative Emotionen, die beim Spielen nichts verloren haben. Sie können dazu führen, dass der Hund den Spielpartner oder sogar das Spielen an sich negativ verknüpft und dann nicht mehr spielen mag.

Spielpause

Crispel und Max Erfahrene Spieler machen von sich aus kurze Pausen, die unter Umständen so kurz sein können, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Wenn die Hunde nicht von alleine darauf kommen, sollten Sie sicherheitshalber dafür sorgen, dass diese wichtigen Spielpausen eingelegt werden. Hier bewähren sich gut trainierte Rückrufsignale, die auch unter großer Ablenkung funktionieren. Denn dann können Sie einfach kurz abrufen, für eine kurze Atempause sorgen, und wieder spielen schicken.

Bleiben Sie in Bewegung

img_6226 Sie können auch Spielpausen recht leicht dadurch hervorrufen, dass Sie nicht an einer Stelle stehen bleiben, sondern weiter gehen. Wenn die Hunde nicht zu sehr ins Spiel vertieft sind, werden sie von alleine „nachrücken“. Dabei treffen sie automatisch unterwegs auf interessant riechende Stellen, die für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sie auf andere Gedanken bringen und damit Erregungsspiralen vorbeugen.

Entspannung

Das konditionierte Entspannungssignal eignet sich ganz hervorragend, um übermäßiges Ansteigen der Erregung zu verhindern. Diese Möglichkeit mag ich am liebsten. Es ist (vorausgesetzt, das Signal ist einsatzfähig konditioniert) bei jedem Spielstil und auch auf Entfernung einsetzbar. Der Hund muss dazu auch nicht abgerufen werden.

Aber vielleicht läuft Ihr Hund zu Ihnen, wenn er das Entspannungssignal hört, besonders wenn Sie das Signal über Streicheln oder Massage aufgebaut haben.

Um ein Zitat von Eva Zaugg ein klein wenig abzuwandeln: Wegweisend Positive Verstärkung macht Hundespiel glücklicher.

 

64 Antworten

  1. avatar Tanja sagt:

    Doch, an der Schleppleine spielen geht sogar ganz wunderbar.

  2. avatar Marmarla sagt:

    Leider entsteht ja diese Leinenaggression oft erst dadurch, dass dein Hund an der Leine von den unzähligen „Tut-Nixen“ und „Der-will-doch-nur-Hallo-sagern“ regelrecht überfallen wird.
    So manchem Hund macht das nichts aus, doch wenn man wie wir einen sensiblen Hütehundmix hat, so hat dieser spätestens nach der 3. Begegnung dieser Art, die Strategie entwickelt „Angriff ist die beste Verteidigung“ um den frontal auf ihn zu ziehenden Hund auf Abstand zu halten und wird dann als aggressiv abgestempelt!
    Da nützt mir auch die „innere Einstellung“ nichts!

    Dabei könnten Spaziergänge soooo entspannt ablaufen, wenn sich jeder erstmal an die Regel „kein Kontakt an der Leine“ halten würde .

    Das wäre wirklich eine gute Idee für eine neue Artikelserie!

  3. avatar Elke sagt:

    Ich würde das einschränken: Kein ungefragter Kontakt an der Leine. Dann kann jeder entscheiden, ob sich sein Hund und die Situation grad dafür eignet.

    Bei generell kein Kontakt an der Leine, hätte mein Welpe ohne jeden Hundekontakt überhaupt aufwachsen müssen. Als Winterwelpe und meist in leinenpflichtigem Gebiet unterwegs, blieb keine andere Möglichkeit als Kontakte an der Leine. Und auch spielen. Ist möglich, solange die Hunde auf Renn- und ruhige Beißspiele stehen. Erfordert aber von den Hundehaltern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und eigener Bewegung.

    Mein erster Hund hatte noch das Glück, daß er viel ohne Leine laufen konnte und viele unangeleinte andere Hunde treffen konnte. Aber ich habe immer Wert darauf gelegt, daß er auch an der Leine Hundekontakte problemlos meistern konnte.

    Leider haben sich die Zeiten und auch meine Lebenssituation geändert. Freilauf beim eigenen sowie bei fremden Hunden ist zum Luxus geworden. Hundefreilaufflächen ein Sammelbecken von allem, dem man nicht gerne begegnet. Eigentlich kann ich in Summe keinen Unterschied zwischen schieflaufenden Begegnungen an der Leine oder im Freilauf erkennen. Weder hier noch da ist es wirklich entspannt.

  4. avatar Elke sagt:

    Und ich habe erlebt, wie mein Welpe mit einem einjährigen Chihuahua eine halbe Stunde wunderbar gespielt hat – und beide Hunde waren an einer Flexileine. Für diese Hunde in dieser Situation hat das wunderbar gepaßt. Beide Hundehalter waren aufmerksam und der Spielstil der Hunde hat ein spielen an der Leine erlaubt. Verheddergefahr hat nicht bestanden.

    Das kann bei anderen Hunden, Menschen und Situationen ganz anders aussehen.

    Wer die Möglichkeit hat, seinen Hund unangeleint spielen zu lassen, braucht in dieser Hinsicht kein Risiko einzugehen. Bei unseren Besuchen in der Welpenstunde hat mein Welpe vor der Türe angeleint mit verschiedenen Welpen spielen wollen. Während der Stunde unangeleint in der Truppe war davon nichts mehr zu sehen. Er ist ein Einzelspieler. Viele auf einen Haufen sind nicht seine Sache.

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