Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Aktualisiert am 20.11.2013
Beitrag 2 von 6 der Artikelserie: Strafe im Hundetraining
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… lesen Sie bitte die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren fachkundigen Hundetrainer!

Die Anwendung von Strafe hat einige unangenehme Nebenwirkungen, die von Trainern, die Strafmethoden empfehlen, meistens unterschlagen werden.

Strafe ändert nicht die Emotion und Motivation

Angenommen, Ihr Hund bellt aus Angst vor dem Artgenossen und Sie scheppern mit der Rappeldose. Ist die Angst vor dem anderen Hund dann weg?

„Verlernen“ gibt es nicht

Kommt Ihrem Hund ein anderer zu nahe, kann seine Angst vor diesem größer sein, als seine Angst vor der Bestrafung. Ist die Motivation für das Verhalten größer, als die Hemmung durch Strafe, wird Ihr Hund das unerwünschte Verhalten zeigen. Es ist sehr schwer, biologisch sinnvolles Verhalten (Angst-, Aggressions-, Jagdverhalten, etc.) langfristig durch Strafe zu unterdrücken. Verhalten wie Sitz, Bleib und Komm lassen sich hingegen leicht durch Strafe „vergiften“.

Gegenkontrolle

Ihr Hund testet aus, wann er mit Strafe rechnen muss und wann und wie er dieser entgehen kann. Das ist sogar eigentlich „gewünscht“ – er soll ja ein anderes Verhalten zeigen. Allerdings muss er dazu bereits ein Alternativverhalten kennen. Wenn Sie kein Alternativverhalten aufgebaut und verstärkt haben, weicht er wahrscheinlich auf andere. fast immer, unerwünschte Verhalten aus.

Komplizierte Anwendung und sehr viele Regeln

Die Anwendung von Strafe ist kompliziert, weil sehr viele Regeln eingehalten werden müssen, damit sie funktionieren kann  (welche das sind, folgt in Teil 3).

Strafe hemmt Verhalten – auch gewünschtes!

Auch wenn man sich an alle Regeln hält, hemmt Strafe nicht nur das Verhalten, das reduziert werden soll. Da der Hund immer mehrere Verhalten gleichzeitig ausführt, reduziert Strafe auch diese. So bestraft man wahrscheinlich in der einen Situation ein Verhalten, dass man in anderen gerne hätte.

Zu harte Strafen …

… bergen alle anderen genannten Probleme im gesteigerten Maße.

Zu „weiche“ Strafe

Strafen Sie dagegen nicht hart genug, zeigt der Hund weiterhin das Verhalten und Sie müssen die Strafe eskalieren. So gewöhnen Sie den Hund effektiv aber unbeabsichtigt an immer härtere Strafreize.

Eskalation von Strafe schwer zu vermeiden

Durch die vorgenannten Punkte ist es fast unvermeidlich, dass Sie zu immer härteren Strafen greifen müssten. Definitionsgemäß ist das jedoch keine Strafe, denn das Verhalten tritt ja weiterhin auf. Der Schritt zu tierschutzrelevanten Misshandlungen ist klein!

Immer zu spät

Die Strafe erfolgt immer erst nach dem Verhalten. Das muss so sein, weil der Hund sonst nicht weiß, wofür er bestraft wird (vor dem Verhalten macht Strafe keinen Sinn). Allerdings hat der Hund dadurch das Verhalten wieder einmal ausgeführt und je nach Timing wird die Strafe womöglich gar nicht mit dem „richtigen“ Verhalten verknüpft.

Angst, Stress, Frust und Aggression

Aversive Reize haben eine emotionale Reaktion zur Folge, das kann Angst, Stress, Frust oder gar Aggression sein.

Fehlverknüpfung vorprogrammiert

Der Hund verknüpft die Strafe über klassische Konditionierung mit Eindrücken, die er im Moment der Bestrafung hat. So kann er die Strafe mit Gerüchen, Geräuschen, anwesenden Tieren, Menschen, Gegenständen oder Orten verknüpfen. Eine Situation so zu stellen, dass Fehlverknüpfungen ausgeschlossen sind, ist im realen Leben unmöglich. Besonders fatal und kaum zu vermeiden ist die Verknüpfung der Strafe mit der Bezugsperson.

Strafen sind Beziehungskiller

Durch die Fehlverknüpfung kommt es zwangsläufig zum Vertrauensverlust zur strafenden Person – halten Sie „den besten Freund des Menschen“ um ihn in Angst zu versetzen, ihn zu stressen oder aggressiv zu machen?

 

Zum Weiterlesen: Strafe und ihre Nebenwirkungen von Anne Rosengrün von Sanny’s Hundeservice

11 Antworten

  1. Was noch zur strafe zu sagen ist, ist das der Koerper des Hund im Moment einer Strafe Adrenalin,cortisol und Sexualhormone
    ausschuettet..es kann sogar soweit gehen das der Hund abhaengig von diesen Ausschuettungen wird..
    Und was bewirken diese Hormone?Adrenalin stellt Energie bereit,schaerft die sinne..foerdert aber die Bereitschaft der Abwehrhandlungen..cortisol bewirkt eine Immunsuppression..d.h.DER Hund faengt sich schneller Krankheiten ein..Sexualhormone foerdern wieder die Abwehrbereitschaft!!Und das mal angenommen bei einem angstaggressiven Hund…
    Es ist sogar so:Die Hormone werden schon ausgeschuettet wenn der Hund die Strafe nur ERWARTET..selbst wenn wir beschlossen haetten das die strafe den Hund von nun an nicht mehr angetan wird!!
    Und der Abbau einer solchen Auschuettung dauert von einen halben bis zu 6 Tagen!!
    Ist der Hund also einmal am tag in Erwartung einer Strafe..kummulieren die Hormone und der Hund „kommt gar nicht mehr runter“..so zieht man sich einen gestressten Hund heran,der staendig krank und unausgeglichen und ABWEHRBEREIT ist..ausserdem koennen zu viele Fehlverknuepfungen auftreten..STRAFEN BIRGT VIELE UNKALKULIERBARE RISIKEN!!!!!!http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif

  2. avatar Charlie MauSchl sagt:

    selber versuche ich dem Hund was zwischen uns als Spiel zu haben, was wir so vertieft haben, dass normal keine Strafen vorkommen. Machen sie doch mal etwas, was ich als VERBOTEN eingestuft habe für uns, reicht es wenn ich ihnen zu verstehen gebe, so mag ich dich nicht, dass mag ich so nicht. Meine Körperspreche und Auftreten lesen die Hunde ja sehr gut. Grob oder körperlich werden muss man normal wirklich nicht. Als Hund schütteln oder gröberes denke ich ist unnötig gar eher negativ.

  3. […] Bodein: Erlernte Hilflosigkeit Sonja Hoegen: Erlernte Hilflosigkeit Martina Schoppe: Zu Risiken und Nebenirkungen… Martina Schoppe: Die vergessene Nebenwirkung der […]

  4. […] to “I need to work on” Martina Schoppe: Was genau ist eigentlich Strafe Martina Schoppe: zu Risiken und Nebenirkungen… Martina Schoppe: Regeln bei der Anwendung von Strafe Martina Schoppe: die vergessene Nebenwirkung […]

  5. […] mit postivier Strafe arbeiten will, der sollte wenigstens wissen wie, und sich der Risiken und Nebenwirkungen bewusst […]

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