Aber was mache ich denn, wenn der Hund…

Aktualisiert am 31.03.2014
Beitrag 7 von 10 der Artikelserie: Faul, stur und dominant?
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„Nein! Lass das!“

Trotz guten Trainings und Management tritt gelegentlich Verhalten auf, das wir unterbrechen können müssen.

Geben Sie ein klares „NEIN!“

Diesen Tipp bekommt man, wann immer man fragt, was man denn machen soll, wenn der Hund ein ungewünschtes Verhalten zeigt. Begründet wird diese Anweisung meistens so: Der Hund soll lernen, etwas nicht zu tun. Er soll genau wissen, welches Verhalten er unterlassen soll. Doch das geht nur durch Bestrafung/ Korrektur. Er muss lernen, dass das, was er tut, falsch ist – und dafür, so die Meinung vieler, muss er es nun mal tun! Doch Abbruchsignale, die über Strafe oder Frust aufgebaut sind, haben viele Nachteile.

Ist das effektiv?

Haben Sie in der Schule gelernt, wie man schreibt? Oder wie man nicht schreibt? Kein Lehrer schreibt Worte in falscher Schreibweise an die Tafel, läßt diese abschreiben und haut den Kindern dann auf die Finger, damit sie lernen, das Wort so nicht zu schreiben. Im Gegenteil. Gute Lehrer achten darauf, dass die Kinder die falsche Version möglichst gar nicht zu sehen bekommen, weil sich das alleine schon einprägen würde. Es ist nicht nur unfair, so zu trainieren – es ist auch nicht effektiv. Der Schüler übt das falsche Verhalten, das auch noch verstärkt wird.

Artgerechte Abruchsignale?

Jedes Lebewesen (einschließlich Menschen) verfügt über Signale, die das Verhalten anderer beeinflussen, zum Beispiel, um ein Eskalieren von Aggression zu verhindern. Die Frage ist also nicht, ob ich Signale einsetze, die Verhalten unterbrechen in der Kommunikation mit Hunden, sondern wie ich diese Signale aufbaue.

Hunde denken nicht darüber nach, ob und wie sich ihr Verhalten auf die zukünftige Beziehung mit anderen auswirkt – sie verhalten sich einfach. Und obwohl sie als „Muttersprachler“ ihre Sprache sehr viel besser sprechen als jeder Mensch, liegen auch sie manchmal mit der Intensität ihres Abbruchsignals daneben. Der andere Hund erschreckt sich über die Heftigkeit des Signals und meidet diesem Artgenossen zukünftig.

Lost in Translation

Inzwischen wissen wir viel über Hundeverhalten im Allgemeinen und über hundliche Kommunikation im Besonderen. Dennoch sind wir in vielen Fällen weit davon entfernt, das Kleingedruckte in der Körpersprache der Hunde zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Wir nehmen oft erst sehr deutliche Signale wahr.

Außerdem sind wir Menschen nun mal keine Hunde, unsere Ohren sind starr, wir haben keine Ruten, wir gehen nicht auf allen Vieren. Wir werden „hündisch“ niemals so differenziert sprechen können wie Hunde.

Sinn und Zweck

Unterbrechersignale werden eingesetzt, um ein Verhalten zu unterbrechen. Der Hund soll aufhören zu bellen, zu betteln, anzuspringen, wegzurennen,  sich im Mist zu wälzen oder ähnliches. Also sagen oder schreien zahlreiche Hundehalter einfach: „Nein!“ Lebten wir in einer idealen Welt, würde der Hund nun aufhören und dann brav irgendetwas Erlaubtes machen.

Und in der realen Welt?

„Nein“ wird als „Korrektur“ eingesetzt und über Strafe oder Frust aufgebaut, sofern es überhaupt bewusst aufgebaut wird. Wenn der Hund weiß , was „Nein!“ heißt, hört er tatsächlich mit dem unerwünschten Verhalten auf. Aber nur, um der zu erwartenden Konsequenz zu entgehen, sprich, die Bestrafung zu vermeiden. Danach wird ihm „die Freiheit gelassen“, selbst zu entscheiden, was er machen soll. Solange er nur damit  aufhört! Aber wenn Sie ehrlich sind, haben Sie sehr wohl eine präzise Vorstellung davon, was Ihr Hund statt dessen machen soll. Nämlich ruhig im Café neben Ihnen liegen, anstatt die ganze Zeit rumzuhampeln.

Im nächsten Teil geht es genau darum – was soll der Hund stattdessen machen, und warum sagen wir es ihm nicht einfach?

 

11 Antworten

  1. avatar Josy Aurora sagt:

    Jedes Lebewesen, also auch der Hund, sollte lernen mit Frust umzugehen…die Frage ist halt immer wie.
    Aber genau da sollte das Training genau so individuell sein, wie das Wesen des Hundes selbst 🙂
    Meine kommen zum Beispiel super mit einem Nein zu recht, es kommt ganz darauf an was dem folgt. Verhalten das sich lohnt erfahren sie im täglichen Umgang mit uns, denn es ist genetisch verankert verschiedene Verhaltensweisen abzuspulen, aber es werden nur die beibehalten die sich lohnen, ob nun selbstbelohnend oder von außen bestätigt. Das gilt es zu erkennen und darauf zu reagieren mit der richtigen Intensität und dem richtigen Trainingsansatz, der sehr unterschiedlich sein kann je nach Veranlagung des Hundes. Dies braucht Zeit,Ruhe und Vertrauen.
    Ich freue mich immer, wenn jemand den absolut richtigen Ansatz bei seinem Hund gefunden hat und genau weiß WIE und WANN er WELCHE „Knöpfe“ drücken muss. Aber genau diesen Ansatz kann man nicht automatisch auf ALLE Hunde anwenden. Das ist nicht 1 zu 1 möglich und erfordert sehr genaues Hinsehen um herauszufinden, wie dieser Hund denn „tickt“.

    • Josy, wie hast Du das NEIN denn aufgebaut? Wenn Du doch weißt, welche „Knöpfe“ Du drücken musst, warum fragst Du nicht direkt ein Alternativverhalten ab und setzt erst ein NEIN davor?
      Das mit den Knöpfen ist mir persönlich zu statisch, es gibt Situationen unterschiedlicher Reizlage, da geht der eine „Knopf“ mal, aber in der gleichen Situation einen Tag später geht er nicht.
      Mein Trainingsansatz ist immer gleich, egal was das für ein Hund ist. Egal wie er tickt, denn Markertraining greift immer.
      Ich muss mir die Motivationen vom Hund anschauen und diese effektiv raus arbeiten und adäquat belohnen.
      Ich muss raus finden, was den Hund belohnt.

  2. avatar Sibylle sagt:

    Mir rutschte das Nein doch öfter raus, ich wollte den Hund aber nicht in der Ahnungslosigkeit hängen lassen und habe darum überlegt wie ich das Problem lösen könnte. Also habe ich zwei Strategien entwickelt, eine für die Situation, dass der Hund etwas bestimmte machen sollte und einmal für die Situation, dass er was bestimmtes lassen sollte, dafür aber etwas machen darf, das er auch mag. Für den ersten Punkt reiße ich mich zusammen und sage einfach was ich will und belohne das. Für den zweiten Punkt habe eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die meine Hündin gerne macht – nun stand ich vor dem Problem, dass ich ja nicht immer weiß was davon sie gerade am liebsten tun würde. Die Lösung: Ich habe alle Alternativen, die sie gerne macht eingefangen (es sind eigentlich nur 3 überall ausführbare Dinge) und mit einem Signal belegt – Nein. Es klappt sehr gut, sie kann sich nun selbst aussuchen was sie gerne als nächstes machen würde und damit selbst optimal belohnen.

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