Der Click beendet das Verhalten!

Aktualisiert am 29.06.2013
Beitrag 3 von 10 der Artikelserie: Faul, stur und dominant?
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Angenommen, Ihr Hund springt Menschen an. Oder hampelt im Café rum, anstatt brav auf seiner Decke zu liegen. Was tun?

Clicken Sie es an! Der Click beendet das ungewünschte Verhalten!

Bitte nicht gleich wegclicken! Lassen Sie mich diesen zunächst abwegig erscheinenden Ratschlag erklären. Ein „strenges Nein“ kann das unerwünschte Verhalten zwar unterbrechen, aber dennoch verstärken. Eine freundliche Reaktion des Menschen verändert das Verhalten des Hundes sehr viel effektiver!

Verstärken ist kein Ereignis, sondern ein Prozess

Nach der Konditionierung bedeutet das Markersignal: Das Verhalten, das Du beim „Click“ zeigst, ist super, jetzt gibt es eine Belohnung. Der Click ist also ein konditionierter Verstärker – auch sekundärer Verstärker genannt. Der Hund freut sich nach dem Click auf die angekündigten primären Verstärker.

markerklammer Alle Verhalten, die der Hund nach dem Click zeigt, werden mit diesem primären Verstärker verstärkt. 

Jetzt haben wir also in ein unerwünschtes Verhalten hineingeclickt. Der Hund freut sich, wendet sich uns zu und kommt seine Belohnung abholen. All diese Verhalten werden so vom primären Verstärker mit verstärkt. 

Ich schlage Ihnen also vor,  ein ungewünschtes und mehrere erwünschte Verhalten  zu verstärken. Klingt schon gleich gar nicht mehr soooo schlimm, oder?

Clicken Sie so früh wie möglich

Natürlich ist Vorbeugen besser als Heilen. Beobachten Sie Ihren Hund genau – ungewünschtes Verhalten kündigt sich immer an. Versuchen Sie möglichst vor dem unerwünschten Verhalten zu clicken oder wenigstens so früh es irgendwie geht. Damit „erwischen“ Sie  das Verhalten vor dem Unerwünschten und verstärkenso automatisch ein alternatives Verhalten. Vielleicht ist das Verhalten vor dem Unerwünschten immer noch nicht ideal. Aber das können Sie separat üben und/oder  es sich nach und nach zurecht shapen.

Grenzen austesten?

Sicherlich ist Ihnen die Floskel „Jetzt testet er aber seine Grenzen aus!“ bekannt? Schließlich weiß der Hund doch genau, was er eigentlich soll! Und möglicherweise fällt sie Ihnen genau in diesem Zusammenhang ein. Meiner Erfahrung nach machen Hunde sehr gerne, was sie sollen, wenn sie

a) tatsächlich wissen, was sie sollen und es

b) lohnenswerter ist, als das unerwünschte Verhalten!

In den meisten Fällen von ungewünschtem Verhalten trifft aber leider weder a) noch b) zu!

Bleiben wir mal beim „Rumhampeln statt liegen im Cafe“-Beispiel: Wie oft gehen Sie mit dem Hund in ein Cafe? Wie  oft haben Sie mit ihm „auf der Decke liegen“ geübt und mit welchen verschiedenen Ablenkungen?

Ich wette, der Hund hampelt, weil er einfach nicht weiß, was er statt dessen tun soll. Ich wette weiterhin, dass ein „geh auf Deine Decke“-Signal unter solch ablenkenden Bedingungen noch nicht ausreichend geübt wurde. Und dann lasse ich mich auch noch zu der Wette verleiten, dass „bleib auf Deiner Decke“ verschwindend selten verstärkt wurde. Der Hund kann nicht anders als hampeln!

Strafen bewirkt Renitenz

Wenn Sie also gerade erst bestellt haben und noch eine Weile im Cafe bleiben wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie könnten den Hund durch Strafandrohung oder -einwirkung so hemmen, dass er sich nicht mehr traut zu hampeln oder
  2. Sie bringen Ihren Hund dazu, mit Ihnen zu kooperieren!

Lesen Sie in Teil 5 unserer Serie, welche zusätzlichen Nutzen diese Arbeitsweise für Sie und Ihren Hund haben.

(Markersignal-Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Dr. Ute Blaschke-Berthold)

 

26 Antworten

  1. avatar Inka sagt:

    Danke! Wunderbar beschrieben!

  2. avatar Annett sagt:

    ja…es ist jetzt schon verständlicher http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif
    also am besten wirklich vor dem unerwünschten verhalten clicken. ich hätte angst, daß sich schnell eine kette bildet, unerwünschtes verhalten, nettes verhalten c+b. aber für den notfall kann ich es mir vorstellen.

  3. avatar Inka sagt:

    Es funktioniert! Danke, Martina! Ich habe am Wochenende einen Fast-noch-Welpen (7 Monate) kennen gelernt, der viel rumgehampelt hat und doch eigentlich brav hätte warten sollen. Dem Herrchen habe ich die Lektion „Der Klick beendet das Verhalten“ erzählt. Theoretisch klänge das plausibel, fand er, doch klappt es in der Praxis? Und siehe da: Ja!!!

  4. avatar linagina sagt:

    Das klicken ist in diesem Fall ein Unterbrecher, oder? Mein Hund erwartet danach ein Leckerlie und will sich das abholen?

  5. avatar Veronika sagt:

    …und was bedeutet das nun umgekehrt bei erwünschtem Verhalten? Da will man ja nicht unbedingt das Verhalten beenden, sondern dem Hund nur sagen, dass er das gerade gut macht. MUSS der Click immer das Verhalten beenden? Uah mein Kopf raucht 😉

    • Liebe Veronika,

      der Click beendet das Verhalten. Aaaaber…

      Du hast mehrere Möglichkeiten, das gewünschte Verhalten länger „zu behalten“.

      Der Hund liegt z.B. im Platz und du willst eigentlich nicht, dass er nach dem Click aufsteht. Also clickst du und gibst ihm das Leckerchen ganz schnell, solange er noch liegt.

      Bist du zu langsam und der Hund steht auf, fütterst du ihn mit dem bereits verdienten Leckerchen wieder ins Platz.

      Der Hund wird schnell merken, dass er gar nicht aufstehen muss, um sich das Leckerchen abzuholen, weil es ja zu ihm kommt. Und bleibt liegen.

      Es gibt dazu den „Merksatz“: Click for action, feed in position“ (Clicke das Verhalten, füttere in der gewünschten Position).

      Das macht frau gerne zu Beginn des Trainings. Ist das Ziel aber, dass der Hund über längere Zeit im Platz liegen bleibt, dann wird das Zeitfenster langsam erweitert.

      D.h. ich zögere den Click raus. Wird anfangs nach einer Sekunde geclickt und belohnt, warte ich zwei Sekunden bis zum Click, drei Sekunden usw.

      Steht der Hund vor dem Click auf – dann gibt es eben kein Click und damit auch kein Leckerchen.

      Wahrscheinlich bin ich dann zu schnell zum nächsten Schritt übergegangen. Beim nächsten Versuch clicke ich dann wieder etwas früher, damit ich den Hund fürs Liegen verstärke.

  6. avatar Veronika sagt:

    Danke für die schnelle Antwort http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif
    D.h. letztendlich kommt es darauf an, was ich dem Hund gerade beibringen will? Von der Lerntheorie her sind also beide Varianten ok, also Arbeit mit dem Zeitfenster für längeres Liegenbleiben ODER mit dem verdienten Leckerchen in die gewollte Position zurückfüttern und damit das Aufstehen (also das Beenden des Verhaltens) korrigieren?
    Aber wenn ich mit dem Zeitfenster arbeiten kann, welchen Sinn hat dann das Zurückführen in die gewünschte Position? Wann setzt man dies ein? *kopfrauchtimmernoch* http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif

  7. avatar vivi sagt:

    Hmm ich bin nun auch ein wenig verwirrt.
    Also ich habe das Problem, dass meine Hündin Momente hat an denen sie total aufdreht und auf nix mehr hört. Sie springt dann an einem hoch und zwickt dabei. Man kann aber nie genau sagen wann sie damit anfängt. Also kann ich doch schon gar nicht vorher clicken oder?!

    Ich clicke dann also wenn die an mir hochspringt, mit der Hoffnung das sie dann aufmerksam wird und sich eventuell setzt? Dann wieder click (fürs unten sein)?

    Möchte das Verhalten nun wirklich nicht noch mehr verschlimmern.

    Vielen Dank im Voraus.

    LG

  8. […] kriegen das, wofür Sie bezahlen Martina Schoppe: Typisch! Frau am Steuer! Martina Schoppe: Der Click beendet das Verhalten Martina Schoppe: Der weiß genau, was er machen soll… Martina Schoppe: Clickern bewirkt […]

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