Beitrag 3 von 3 der Artikelserie: Alltag ist Training ist Alltag
Print Friendly

Wenn du mit deinem Hund in eine schwierige Situation gerätst, hast du mehrere Möglichkeiten: Augen zu und durch oder die Entdeckung der Langsamkeit

Augen zu und durch?

Wenn du z.B. auf einem engen Weg ohne Ausweichmöglichkeit zu dicht an einem anderen Hund vorbei muss, kannst du einfach die Leine kurz nehmen, und deinen Hund möglichst schnell am „Gegner“ vorbeiführen“. Leider lernt der Hund mit der „Augen zu und durch„-Methode, dass du keine Rücksicht auf seine Befindlichkeiten und Bedürfnisse nimmst…

Du kannst auch versuchen, deinen Hund so gut wie möglich abzulenken, damit er den „Gegner“ möglichst gar nicht bemerkt. Doch wenn er den Gegner erst entdeckt, wenn dieser zu nah gekommen ist, fängt er an zu bellen oder in die Leine zu springen.

 Entdecke die Langsamkeit!

„Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun.“ (J.W. v. Goethe)

Sicheren Fortschritt beim Lernen erzielst du auch am Besten, wenn du viele kleine sichere Schritte machst. Das meine ich nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch gerade in schwierigen Situationen im Alltag:

Wenn er nicht einen Schritt an lockerer Leine gehen kann, bleib stehen!

An lockerer Leine zu gehen ist schon ohne Ablenkung schwierig für viele Hunde, weil sie dafür kein „angeborenes Programm“ haben, und sich voll auf etwas für sie „abwegiges“ konzentrieren sollen. Wieviel schwieriger muss es für sie sein, wenn sie es in Anwesenheit von Angstauslösern (z.B. anderen Hunden, Menschen, u.a.) leisten sollen? Wenn dein Hund in einer Begegnungssituation keinen einzigen Schritt an lockerer Leine hinbekommt, bleib stehen! Click deinen Hund für

Halte die Belohnungsfrequenz hoch und verwende hochwertige Belohnungen. In diesem Fall hilft viel tatsächlich mal viel, denn dein Hund soll lernen, dass „Anwesenheit von Auslösereizen“ großartiges ist. Du darfst ohne Pause clicken-belohnen! Wenn dein Hund in der Situation Futter vom Boden aufnehmen kann, darfst du sogar schneller clicken-belohnen, als er fressen kann – mach ein Clickerfeuerwerk. Natürlich bleibst du nicht auf diesem Trainingslevel, aber es öffnet dir die Tür zu weiteren Fortschritten!

Wenn er nach zwei Schritten wieder in der Leine hängt, mach nur einen, markiere und belohne!

Wenn „stehen“ oder „sitzen“ klappt, auch nachdem du angefangen hast, die Belohnungsfrequenz ein wenig zu senken, kannst du probieren, ob ihr einen gemeinsamen Schritt gehen könnt. Dazu clickst du am Besten während du diesen einen Schritt machst und hast auch schon die Belohnung in der Hand, damit der Hund gar nicht erst dazu kommt, alleine weiter zu marschieren und dann ins Leinenende zu laufen. Die richtige Reihenfolge ist: Einen Schritt machen und gleichzeitig clicken, stehenbleiben und dann belohnen.

Wenn dieser eine Schritt schon ziemlich aufregend für ihn war, bleibst du etwas länger stehen und übst wieder „ruhig stehen/sitzen“ des ersten Trainingslevels. Wenn sich der Hund wieder entspannt hat, machst du den nächsten Schritt. Diese Methode eignet sich gut für „Stationäre Auslöser“ – z.B. Gegenstände, die der Hund gefährlich findet, oder „bellende Gartenzäune“ – ihr müsst daran vorbei, weil die sich ja nicht wegbewegen können, aber ihr könnt das Tempo bestimmen. Übrigens beruhigen sich „bellende Zäune“ erstaunlich häufig, wenn man sich auf diese Art vorbei bewegt. Vielleicht weil dein Hund sich offensichtlich mit dir beschäftigt und damit weniger bedrohlich auf die Beller hinter dem Zaun wirken.

Manchmal fangen die zum bellenden Zaun gehörigen Menschen an zu schimpfen. Das muss dich aber nicht kümmern. Du bist nur für deinen Hund, sein Verhalten und seine Bedürfnisse verantwortlich – dass die anderen Hunde bellen, ist nicht deine Schuld sondern die von deren Herrchen!

Wenn er nicht zügig an lockerer Leine gehen kann, geh langsam!

Du hast fleißig „einen Schritt – click – belohnen“ geübt? Dann kannst du die Strecke schrittweise ausbauen. Clicke erst den zweiten Schritt. Wechsle ruhig oft zwischen „ein Schritt“ und „zwei Schritte“ hin und her. Gehe erst zu „drei Schritte“ über, wenn euch zwei wirklich leicht „vom Fuß“ gehen. Wenn drei Schritte gut funktionieren, kannst du versuchen, ob dein Hund auch im Gehen essen kann: zwei Schritte gehen, beim dritten clicken, beim vierten belohnen – und schon habt ihr vier Schritte gemeinsam gemacht.

Wie geht es weiter?

Im nächsten Artikel dieser Serie beschäftigen wir uns damit, wie man auf diesem Trainingsstand aufbaut.

Viel Spaß bis dahin beim Entdecken der Langsamkeit!

PS: Den Titel dieses Artikels habe ich dem Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny entlehnt – ich habe es noch nicht gelesen, aber es soll gut sein.

25 Antworten

  1. Wenn man immer nur so besonnen wäre … toller Artikel!

  2. Sehr schöner Artikel, Martina! Langsamkeit und Ruhe nehmen soviel Stress von Hund und Halter.
    Ich mache oft die Erfahrung, dass es schon im grundsätzlichen Zeitmanagement vieler Hundehalter hapert. Da muss der Hund schnell noch raus bevor das Kind zur Schule muss/man selber zur Arbeit fährt/das Essen ausm Ofen muss etc.pp. Mit dem Stress und huschhusch kann es dann nur ins Auge gehen. Daher finde ich es sehr wichtig, sich von vornherein Zeit zu nehmen, sonst hat man sie nämlich nicht wenn man sie denn braucht.

    • YES!! Oder andersrum: wenn man weiß, man hat z.B. nur 30 Minuten Zeit, geht man halt nur eine Strecke für die man unter normalen Umständen 10 Minuten braucht. Dann kann man sich nämlich in schwierigen Situationen die benötigte Zeit auch nehmen.
      auch da ist man klar im Vorteil, wenn man einen Garten hat und die Hundchen sich erst im Garten lösen können, bevor man loszieht. Oder man hält es wie Jean Donaldson: „Empty dogs play Frisbee“ – oder frei übersetzt. Der Gassigang steuert als aller erstes das „Klo“ an – und es geht erst weiter zum „Spaß-Teil“, wenn der Hund leer ist http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif

  3. Hm. Ich sehe schon. Der „Wie erhöhe ich die Kriterien“-Artikel muss in die Warteschleife. Ich muss erst zur Langsamkeit noch weiter ausholen.
    zur Antwort auf Reginas Kommentar ist mir noch was eingefallen:
    Ich denke, es ist für Halter außerdem einfacher, die Körpersprache ihres Hundes zu lesen, wenn Hund und Halter stationär sind. Steigerung der Erregung macht sich dann oft durch „mehr Bewegung“ bemerkbar (außer man hat einen Hund mit der Stategie „Freeze“). Das ist doch besser erkennbar, als wenn der Hund sich sowieso bewegt!
    Beim Laufen ist der Hund bestenfalls neben dem Mensch, dann kann man ihn schlecht im Auge behalten, weil man ja auch gucken muss, wo man hin läuft. Wenn der Hund vor einem geht (ehr wahrscheinlich, rein vom Trainingsstand), kann man ihn nur von hinten sehen.
    Stationär kann man sich und den Hund so plazieren, dass man den Hund und vielleicht sogar den „Gegner“ im Auge behalten kann – und dann braucht man „nur noch“ dafür zu sorgen, dass diese Plazierung (und ich meine jetzt nicht die Einhaltung einer befohlenen Körperhaltung, sondern die räumliche Anordnung von Halter, Hund und Gegner 😉 ) beibehalten wird.

  4. avatar Elke sagt:

    Alles richtig.

    Nur leider bin ich ein Typ, der gerne schnell und zügig unterwegs ist. Und manchmal könnte ich am Rad drehen, daß mein Hund mein normales Tempo als Hektik auffaßt. Leider muß ich in solchen Situationen dann mich selber clickern, um die Langsamkeit wieder aushalten zu können.

Kommentar schreiben...


https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif 
https://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif