Kann ich meinen Hund „lesen“?

Aktualisiert am 21.09.2013
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In meinen Gruppenstunden ist es mir sehr, wichtig, dass meine Kunden ihre und auch die anderen Hunde körpersprachlich lesen lernen. Unsere Hunde geben unendlich viel Information über UNSER Verhalten.

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Was übersehen wir?

Ich stelle öfter fest, dass Hundehalter ihre Hunde nicht „lesen“ können, bzw. nicht auf deren Körpersprache achten. Gerade bei alltäglichen Dingen wie Anleinen, Spielen, Streicheln, etc. Dabei würde man als Besitzer sehr viel Information vom Hund bekommen, wenn man darauf achtet.

Letztlich beobachtete ich, wie ein Hund angeleint wurde. Fürs Herrchen ein ganz normaler Vorgang, für den Hund war es das Grauen. Er duckte sich weg, legte die Ohren an, machte einen runden Rücken und wuselte nervös herum. Ich fragte, ob denn nicht auffiel, dass er das Anleinen fürchterlich findet? Nein, es war nicht aufgefallen. Hundebesitzer machen dies meist nicht absichtlich, weil dies alltägliche Handlungen am Hund sind.

Ein anderes schönes Beispiel ist das Tätscheln zur Belohnung! Mensch freut sich über die tolle Leistung des Hundes und tatscht, grabscht und wuschelt am Hund rum, der gar nicht mehr weiß, wo er mit sich hin soll.

Warum ist mir das so wichtig?

Das Befinden seines Hundes zu erkennen, halte ich immens wichtig für das Zusammenleben und vor allem auch für das Training. So kann ich auf seine Bedürfnisse eingehen, Belohnungen auswählen und auch Problemverhalten früh erkennen.

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Ich habe einen Angsthund. An seiner Körpersprache erkenne ich ein Problem, auch wenn ich den Auslöser nicht mitbekommen habe. Ich sehe an seinen Bewegungen, in welchem Stadium der Angst er sich befindet und weiß dann, was ich noch an Training durchführen kann, bzw. was nicht.

Habe ich einen Hund, welcher ein Problem mit Artgenossen hat, ist es wichtig zu wissen, wie er körpersprachlich auf eine Begegnung reagiert. Weil bevor er sehr ausdrücklich wird, gibt es viele andere Zeichen, die ich schon sehen und somit für das Training nutzen kann. Einen Hund mit aufgestellten Nackenhaaren kann ich deutlich besser umorientieren, als einen der schon kreischend in der Leine hängt. Vor allem ist das Tier dann noch weitaus lernfähiger.

Es gibt natürlich Hundebesitzer, denen es egal ist, wie sich ihr Hund beim Anleinen, Abtrocknen, etc. fühlt. Da muss er halt durch. Solange der Hund das tagtäglich über sich ergehen lässt, ist auch kein Handlungsbedarf ersichtlich. Wehrt er sich jedoch plötzlich und knurrt oder schnappt, kommt der populäre Satz: Der hat ohne Anzeichen gebissen! Oder er wird als respektlos betitelt.

Wie können Sie lernen, Ihren Hund zu lesen?

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Beobachten Sie Ihr Tier bei allen täglichen Dingen. Versuchen Sie dies so objektiv wie möglich. Eine gute Möglichkeit bietet eine Videoaufnahme. Nahezu jedes Handy hat heutzutage eine Videofunktion. Überlegen Sie, was Sie als Mensch machen, wenn Ihnen Dinge unangenehm sind. Oftmals sind unsere Reaktionen nicht so anders als die des Hundes:

  • der Hund stellt die Haare auf – der Mensch bekommt Gänsehaut
  • der Hund wuselt herum – der Mensch tritt auf der Stelle rum oder rutscht nervös auf seinem Stuhl
  • der Hund zeigt Übersprungshandlungen (buddeln, Gras fressen, etc.) – der Mensch fummelt am Ohr, kaut Fingernägel oder wechselt das Thema
  • der Hund wird laut – der Mensch wird laut

Verändern Sie bereits kleine Dinge, die dem Hund unangenehm sind, bereiten Sie Ihrem Hund viel Freude und Sie werden es am gesamten Verhalten bemerken. Natürlich gibt es Dinge, die der Hund lernen muss auszuhalten, aber dies können wir doch mit Rücksicht auf seine Befindlichkeiten lehren.

Betrachten Sie Ihren Hund als eine Art „Buch“ welches sehr interessant zu lesen ist.

 

6 Antworten

  1. http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gifhttp://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif Total Klasse beschrieben Regine…http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif

    • So toll geschrieben !!!!! http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif
      Wenn nur jeder 2. seinen Hund still und heimlich beobachten würde, gäbe es weniger Mißverständnisse.
      Das kann wirklich jeder „lernen“.0
      Super Beitrag !! http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif

  2. avatar hunde-zone sagt:

    Ein schöner Artikel – und es wundert gleichzeitig, dass so eine Hundehalter-Anleitung „den Hund zu lesen“ überhaupt notwendig ist. Ich bin keine Hundehalterin – besitze keinen Hund – betreue aber einen Hund seit einigen Jahren des öfteren. Und selbst da meine ich, gewisse Anzeichen sehr wohl, sehr gut erkennen zu können. Anzeichen im Blick des Hundes – von aufgestellten Nackenhaaren weit entfernt. Wie man als richtiger Hundehalter (der einen Hund von klein auf und ständig in seiner Nähe hat) diese Signale nicht richtig deuten kann, ist mir ein Rätsel. Einen Hund zu lesen ist doch im Grunde ganz einfach.

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