Märchenstunde – Wir arbeiten gewaltfrei!

Aktualisiert am 08.08.2013
Beitrag 13 von 18 der Artikelserie: Märchen aus der Hundeerziehung
Print Friendly

Fast jeder Trainer behauptet von sich, gewaltfrei zu arbeiten.Tatsächlich aber malträtiert er die Hunde, was das Zeug hält.

Formen der Gewalt

Zur Zeit geht ein Fall durch die Presse, wo ein Schäferhund an den Folgen gewalttätigen „Trainings“ starb. Sein Besitzer hat ihn zu Trainingszwecken etwa eine Minute lang am Halsband aufgehängt. Dies können Sie hier nachlesen.

Schlinge

Im Internet finden sich sehr viele Videos, in denen an Hunden geruckt und gerissen wird, sie getreten werden.

Auf traditionellen Hundeplätzen sind nach wie vor Würger und Stachelhalsbänder im Einsatz. Im Fernsehen werden sog. Hundeflüsterer hofiert, die Hunde anzischen, körperlich bedrohen und misshandeln. Hunde werden gewaltsam auf den Rücken gedreht, um sie zu „entspannen“.

Darüber hinaus fällt wochenlanges Ignorieren des Hundes, nonverbale Kommunikation und das Durchführen von „Rangreduktionsprogrammen“ ebenfalls unter Gewalt. Gewalt an der Seele des Hundes.

Rottweiler

Entsetzen und Verachtung

Ich bin entsetzt, wenn ich solche Fernsehsendungen sehe  und darüber,was Kunden in anderen Hundeschulen erlebt haben. Mir stockt der Atem, wenn ich höre und sehe, wie unerwünschtes Verhalten gestraft wird. Es gibt Vereine, die generell mit Gewalt arbeiten, um den Hund „auszubilden“.

Auf einem Spaziergang kam ich an einem Hundeplatz für Riesenschnauzer vorbei. Das Brüllen der Hundehalter hörte ich schon von Weitem. Was ich dann sah, trieb mir die Tränen in die Augen: Ein Schnauzer mit Stachelhalsband wurde permanent am Halsband geruckt und angebrüllt.

Stachler

Ich bin heute soweit, dass ich Menschen, die ihrem Hund Gewalt antun, einfach verachte. Ich verachte das Fehlen jeglicher Empathie für das Wesen, die dazu führt, dass das Tier unter dem Deckmantel „Erziehung“ misshandelt wird.

Das müsste doch jedem klar sein, dass Schmerzen, Gebrüll und Bedrohung keine Grundlagen für Lernen sind.

Hundetraining ist kein Kampf!

Unerwünschtes Verhalten definiert der Mensch, nicht der Hund. Wenn ich Angst habe, der Hund könnte mich „beherrschen“, dann hol‘ ich mir keinen ins Haus. Wenn ich nicht genug Wissen habe, einen Hund gewaltfrei zu erziehen, dann lass‘ ich es. Wenn ich Chef sein will, dann mach‘ ich Karriere und/oder poliere mein Selbstbewusstsein auf andere Weise auf.

Hunde sind so tolle und soziale Wesen, die sich nicht aussuchen können, bei wem sie leben.

Fremde Sitten

Stell Dir nur einmal vor, Du würdest unfreiwillig bei einem komplett fremden Volk ausgesetzt werden. Du kennst die dort gültigen Sitten und Gebräuche nicht. Bei diesem Volk ist es sehr unhöflich, sich an die Nase zu fassen – das weißt du aber nicht. Und immer, wenn du dir an die Nase fasst, ruckt jemand an einer Stahlschlinge, die dir um den Hals gelegt wurde. Du weißt nicht, warum du gestraft wirst und es dauert eine gute Weile, bis du lernst, dass der Ruck immer dann kommt, wenn du dir an die Nase fasst.

Boxer

Fadenscheinige Entschuldigungen

Gewalt hat im Hundetraining nichts zu suchen. Gewalt fängt da an, wo Wissen aufhört. Sie darf nicht schöngeredet oder unter irgendwelchen fadenscheinigen Gründen gerechtfertigt werden. Die „schwierige Rasse“ oder das „besonders aggressive Tier“ entschuldigen keinen Einsatz von Gewalt.

Die Arroganz mancher Hundehalter, die sich als Chef über ein Tier aufspielen, entsetzt mich. Sie wollen Respekt und Unterordnung  mit Gewalt erzwingen und es ist ihnen in keiner Weise bewusst, was sie da eigentlich machen.

Und wieder mal ist der Hund der Verlierer.

 

11 Antworten

  1. avatar Kristina sagt:

    Was mir in dem Artikel etwas fehlt ist noch mehr auf die nicht offensichtlich gewalttätigen Methoden einzugehen und zu erklären, warum das falsch ist. Stachelhalsband und Elektroschock können ja viele noch nachvollziehen…aber Leinenruck, anschreien, dem Hund iwie Angst machen durch Wurfdisks, mit Wasser bespritzen usw. da sehen viele keine Gewalt drin…und das ist glaube ich das Hauptproblem http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif

  2. avatar Hannelore sagt:

    Sie Schreiben „Darüber hinaus fällt nonverbale Kommunikation und das Durchführen von “Rangreduktionsprogrammen” ebenfalls unter Gewalt. Gewalt an der Seele des Hundes.“

    Mich Interessiert warum soll nonverbale Kommunikation am Hund Gewalt sein?

    Was machen denn Taub/Stumme Menschen beim Hundetraining, die können doch keine Sprache benutzen. Meine Tante z.B sie hat einen Hund und kann nicht Reden, dieser Hund sieht für mich nicht unglücklich oder gequält aus.

    Wie sieht das denn bei Tauben Hunden aus? Die können doch nichts hören. Sind das nun dauer gequälte Tiere?

    Entschuldigen Sie aber ich sehe da keine Gewalt am Hund, doch bei den ganzen anderen Sachen die genannt wurden, kann ich das völlig verstehen.

    • Kommunizieren Hunde untereinander nonverbal?
      Taube Hunde sind Ausnahmen. Sie sprechen ja auch mit hörenden Menschen und mit den Tauben auch. Die können damit umgehen und Lippen lesen.

      • avatar Gutekunst sagt:

        Sehr geehrte Frau Hochäusler,

        Hunde kommunizieren sehr wohl nonverbal. Und dies permanent und i.d.R. erfolgreich, sofern in der sozialen Interaktion die adäquate Anwendung (nicht die Ausführung von Verhalten bzw. eines Signals, da diese angeboren sind) erlernt und erprobt. Hunde lesen auch unsere Körpersprache und assoziieren sie situativ. Wieso der nonverbale Umgang mit einem Hund der Gewalt zugeordnet werden soll, offenbart sich mir leider auch nicht, da ich anderes beobachtet und erlebt habe.

        Mit freundlichem Gruß

        Gutekunst

  3. avatar inga sagt:

    Wie kommunizieren Hunde denn Ihrer Meinung nach? In einem Rudel organisieren sich Hunde anhand von raumnehmenden oder gebenden Prozessen. Durch Drohgebarden oder ähnliches. Ich habeHunderudel gesehen das sich anbellt oder anjault, um zu kommunizieren. Das Bellen des Hundes wurde, weil nützlich , durch den Menschen ggefördert. Für mich haben sie die Frage von darüber nicht beantwortet.

  4. avatar Regine sagt:

    Aha. Sie kommunizieren mit LAUTEN. Also nicht nonverbal. Drohgebärden sieht man deutlich weniger als zum Beispiel viel Deeskalation und nette Gesten.
    (Was nicht meine Meinung ist, sondern erwiesen)
    Da sie körperlich ja recht ähnlich ausgestattet sind, können sie auch gut körpersprachlich kommunizieren.
    Wir Menschen sind ja nun etwas anders gebaut.
    Wenn wir also rein körperlich mit dem Hund kommunizieren, dann bleiben uns da sehr wenig Möglichkeiten. Wir können mit den Ohren viel weniger als Hunde und eine Rute fehlt uns gänzlich.

    Interessanterweise ist das, was die nonverbalen Erzieher machen, sehr oft die unfreundliche Art und Weise. Das heißt, es wird viel bedroht, geblockt, ignoriert. Nett gelächelt wird da selten. Oder sich deeskalierend verhalten. Oder einfach nur höflich dem Hund gegenüber.

    Wenn wir mit dem Hund nonverbal kommunizieren, muss der permanent auf uns gucken. Er verpasst ja sonst ne Menge. Was evtl. Strafe zur Folge hat.
    Finde ich sehr stressig für den Hund.
    Und schlicht und ergreifend auch nicht artgerecht. Hund bellt wenn Fremde kommen, er rennt nicht hin und rempelt seinen Halter an.

    Und wenn jetzt wieder das Beispiel mit dem tauben Hund kommt: Der hat das gelernt und auch keine anderen Möglichkeiten. Der guckt halt, um Info zu bekommen.
    Das ist ja auch kein alltägliches Trainingsbeispiel für einen gesunden Hund.
    Ich finde es auch einfach völlig sinnlos, nur einen kleinen Kommunikationskanal zu nutzen für zwei Individuen, die deutlich klarer kommunizieren können!
    Und Hunde sind eben nicht nonverbal. Deswegen ist das auch nicht „artgerecht.

  5. Aha. Sie kommunizieren mit LAUTEN. Also nicht nonverbal. Drohgebärden sieht man deutlich weniger als zum Beispiel viel Deeskalation und nette Gesten.
    (Was nicht meine Meinung ist, sondern erwiesen)
    Da sie körperlich ja recht ähnlich ausgestattet sind, können sie auch gut körpersprachlich kommunizieren.
    Wir Menschen sind ja nun etwas anders gebaut.
    Wenn wir also rein körperlich mit dem Hund kommunizieren, dann bleiben uns da sehr wenig Möglichkeiten. Wir können mit den Ohren viel weniger als Hunde und eine Rute fehlt uns gänzlich.

    Interessanterweise ist das, was die nonverbalen Erzieher machen, sehr oft die unfreundliche Art und Weise. Das heißt, es wird viel bedroht, geblockt, ignoriert. Nett gelächelt wird da selten. Oder sich deeskalierend verhalten. Oder einfach nur höflich dem Hund gegenüber.

    Wenn wir mit dem Hund nonverbal kommunizieren, muss der permanent auf uns gucken. Er verpasst ja sonst ne Menge. Was evtl. Strafe zur Folge hat.
    Finde ich sehr stressig für den Hund.
    Und schlicht und ergreifend auch nicht artgerecht. Hund bellt wenn Fremde kommen, er rennt nicht hin und rempelt seinen Halter an.

    Und wenn jetzt wieder das Beispiel mit dem tauben Hund kommt: Der hat das gelernt und auch keine anderen Möglichkeiten. Der guckt halt, um Info zu bekommen.
    Das ist ja auch kein alltägliches Trainingsbeispiel für einen gesunden Hund.
    Ich finde es auch einfach völlig sinnlos, nur einen kleinen Kommunikationskanal zu nutzen für zwei Individuen, die deutlich klarer kommunizieren können!
    Und Hunde sind eben nicht nonverbal. Deswegen ist das auch nicht „artgerecht.

  6. Ein sehr schöner Artikel. Und ich muß zustimmen. Erst heute wieder fragte mich eine Kundin beim Training, ob sie die Wasserflasche aus dem Auto holen soll. Ich habe sie erst garnicht verstanden, weil ich nicht mit sowas arbeite und sie das auch weiß. Aber sie geht noch in eine andere Gruppe, und der Trainer dort hat den Hund wohl damit gemaßregelt. Nun meint meine Kundin, sie könnte dies auch tun. Es ist wirklich mühselig, den Menschen das warum und wie anders zu erklären.
    Aber……….es lohnt sich für jede einzelne Fellnase! http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif

Kommentar schreiben...


http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif 
http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif