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„Jetzt war er den ganzen Spaziergang so brav und am Schluss ist er doch noch ausgetickt!“

HundehalterInnen verstehen ihren Hund in solchen Situationen oft nicht. Wenn er doch dreimal ruhig an anderen Hunden vorbeigehen konnte, warum rastet er dann beim vierten Mal so aus?

Die Löffeltheorie verdeutlicht, was da eigentlich passiert.

Energie ist endlich

Gesunde Menschen haben ein schier unerschöpfliches Reservoir an Energie, d.h. sie legen jeden Tag einfach mal los und tun.

Löffel

Bei chronisch kranken Menschen sieht das ganz anders aus, sie haben nur ein bestimmtes Maß an Energie und müssen damit über den Tag kommen. Weil das für gesunde Menschen sehr schwer vorstellbar ist, hat Christine Miserandino die Löffeltheorie entwickelt (hier die deutsche Zusammenfassung).

Ein chronisch kranker Mensch kann nicht aus einem unbegrenzten Pool an Energie schöpfen, sondern muss sich seine Kraft über den Tag genau einteilen.

Das bedeutet, dass ein kranker Mensch sich sehr genau überlegen muss, wofür er seine Löffel einsetzt: der ganze Tag muss gut durchgeplant werden, denn sonst sitzt man ganz schnell ohne Löffel da.

Löffel für Hunde

In dem Artikel It’s Only Funny Until Your Dog Runs Out of Spoons wird die Löffeltheorie vom Menschen auf den Hund übertragen.

Die Energie, die zur Verfügung steht, wird durch 12 Löffel symbolisiert. Jede Aktivität des Tages kostet Energie, d.h. dafür wird mindestens ein Löffel gezahlt.

Tagesablauf

Nehmen wir einmal an, ein Hund mit Verhaltensproblemen hat auch 12 Löffel zur Verfügung. Da er in seinen Aktivitäten vom Menschen abhängig ist, kann er sich nicht überlegen, wofür er seine Löffel einsetzt, sondern wird unterschiedlichen Reizen ausgesetzt, ob er nun will oder nicht.

Wolke hängt in der Leine

Da kann es sein, dass schon allein das Aus-dem-Haus-Gehen zwei Löffel kostet. Die vielen Gerüche auf dem Spazierweg kosten auch mindestens zwei Löffel, der Hase, der vorne über den Weg hoppelt und bei dem der Hund stehen bleibt, kostet 4 Löffel. Jetzt zwei Hundebegegnungen, bei denen der Hund vermeintlich ruhig vorbeiläuft: das kostet jedes Mal zwei Löffel. Ruckzuck sind also alle Löffel verbraucht. Und ich habe jetzt nur sehr deutliche Energiefresser aufgezählt (oft geht auch Energie = Löffel verloren, weil der Hund das Geschirr nicht anziehen mag, sich mit der Leine unwohl fühlt, nicht gerne Auto fährt usw.).

Die Löffel einteilen

Sind keine Löffel mehr da, d.h. ist die Energie aufgebraucht, steht der Hund die nächste Hundebegegnung nicht mehr ruhig durch und hängt brüllend in der Leine.

Unsere Aufgabe als HunderhalterInnen ist es also, die Löffel gut über den Tag einzuteilen und uns genau zu überlegen, für welche Aktivitäten wir sie ausgeben.

Auf Hundebegegnungen und den Hasen, der über den Weg läuft, haben wir keinen Einfluss. Aber wir können einen großen Bogen um die Hundewiese machen oder den Spaziergang nach überdurchschnittlich vielen Erregungsauslösern früher als gewöhnlich beenden.

 

10 Antworten

  1. avatar Regina sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Es gibt Hunde, die sind schon durch eine Familienfeier „ausgelastet“ und Herrchen oder Frauchen wundern sich, wenn diese draußen komisch sind, komischer als sonst.

  2. avatar Elke sagt:

    Leider geht beim Hund keine rote Warnlampe an, wenn der „Löffelvorrat“ sich dem Ende zuneigt, so kann man nicht vorausschauend planen, daß man vor dem letzten Löffelchen wieder zuhause ist.

    Und die zur Verfügung stehende Anzahl der Löffelchen ist nicht immer gleich.

    Ist zwar eine nette Erklärung, aber der praktische Nutzen ist gering.

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