Ein Welpe darf NEIN sagen!

Beitrag 4 von 12 der Artikelserie: Welpen - Positiv Wege weisen
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Stell‘ dir vor, auf der Straße kommt ein wildfremder Mensch auf dich zu und umarmt dich. Wie geht es dir dabei? Was machst du?

Genau – du fühlst dich bedroht: vielleicht schubst du den Menschen weg und versuchst, wegzulaufen. Vielleicht rufst du um Hilfe. Vielleicht holst du aber auch aus und haust diesem unverschämten Menschen eine runter.

Aber unser Welpe soll das alles mit sich machen lassen? Das geht gar nicht!

Foto: Melanie Kaminski

Wohlfühlbereich

Jeder Hund hat, wie wir Menschen auch, seinen persönlichen Wohlfühlbereich.

Es gibt Menschen, die sehr körperlich sind und andere gerne anfassen und umarmen und solche, denen Körperkontakt unangenehm ist. Und bei Hunden ist das nicht anders.

Privatsphäre

Aber in vielen Welpenstunden werden ständig Situationen geschaffen, in denen der Welpe das Eindringen in seinen Wohlfühlbereich, die Verletzung seiner Privatsphäre, einfach ertragen soll. Von ihm wird gedankenlos etwas verlangt, was kein Mensch widerspruchslos hinnehmen würde.

Welpe festhalten

Da wird das Herankommen auf Signal geübt. Die Hundeführerin soll ihren Welpen der Übungsleiterin übergeben, die ihn am Brustgeschirr festhält. Der Welpe strampelt und windet sich, um dem Griff zu entkommen. Der Übungsleiter sagt: „Das muss er lernen!“

Solche Übungen gehören verboten!

Wenn der Welpe sich nicht von fremden Personen festhalten lassen will, ist das völlig in Ordnung. Es gibt andere Übungen für den Rückruf, die kein Stress für den Welpen sind, sondern Spaß machen.

Zum Beispiel die Übung Welpen Ping-Pong, die Martina in ihrer Artikelserie „Komm zurück – Spiele für einen sicheren Rückruf“ beschrieben hat.

Lili Cin: Wie man Hunde nicht begrüßt

Lärmende Kinder

In einem Verein bei mir in der Nähe soll der Welpe still sitzen bleiben, wenn schreiende Kinder auf ihn zu gerannt kommen. Unfassbar!

Das ist für den Welpen sicher sehr bedrohlich. Und es ist auch eine verschenkte Chance, Kindern – und das gilt natürlich genauso für Erwachsene – zu vermitteln, dass sie sich einem Welpen langsam und respektvoll nähern sollten.

Lili Chin hat die Regeln dazu in ihrem Poster „Wie man Hunde nicht begrüßt“ (Download A3) bildlich umgesetzt.

Ein Welpe darf NEIN sagen!

Mit Abstand der dümmste und gefährlichste Ratschlag, den leider immer noch viel zu viele HundetrainerInnen geben: Ein Welpe muss bestraft werden, wenn er Menschen anknurrt oder gar nach ihnen schnappt.

Aber der Welpe zeigt damit zuerst einmal nur an, dass ihm eine Situation unangenehm ist oder Angst macht.

Wird der Welpe dafür bestraft, dann besteht die ganz große Gefahr, dass er in zukünftigen Situationen nicht mehr knurrt, sondern gleich zuschnappt!

Foto: Kathrin Ebmeier

Du solltest im Gegenteil sehr froh sein, wenn dein Welpe deutlich zeigt, dass ihm eine Situation zu viel ist. Denn dann kannst du sofort darauf reagieren und zuerst einmal mehr Raum für den Welpen schaffen.

Im Anschluss führst du den Welpen langsam an die für ihn zuerst bedrohliche Situation heran.

Vertrauen schaffen

Dein Welpe wächst zu einem freundlichen und selbstbewussten Hund heran, wenn er lernt, dass seine Bedürfnisse respektiert werden. Die Erfahrung, dass er dir vertrauen kann, macht ihn stark fürs Leben!

 

7 Antworten

  1. avatar Simone sagt:

    Super schöner Artikel, habe ich doch gerade das Problem mit einer unserer Welpenfamilie. Sie haben bei Herrn Milan gesehen, das man den Welpen so lange runter drückt, bis er aufgibthttp://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif. Echt zum Heulen-unser armes Baby. Zum Glück haben wir telefoniert und ihnen den Unsinn dieser Handlung erklären können und sie waren sehr betreten, lieben sie das kleine Hundemädchen doch sehr.

  2. avatar Leonie sagt:

    Alle Hunde müssen „nein“ sagen dürfen. Ich finde es echt wichtig, dass das immer mehr eingesehen wird. Aber zur Kommunikation gehören immer zwei. Und Menschen – sogar Hundehaltern – fehlt oft ein Minestmass an Verständnis für den Hund. Teilweise aus Unkenntnis, teilweise auch aus verstaubten Überzeugungen heraus, nach denen ein Hund einfach in jeder Situation zu funktionieren und die Klappe zu halten hat.

  3. avatar Cornelia sagt:

    Schade, dass schon wieder ein „Richtig“ und ein „Falsch“ in den Raum geworfen wird und jeder soll sich betreten fühlen, der seinen Hund mal festhält obwohl er gerne weg würde http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif Gut, dass hier NICHT steht: „auf Leinen sollte man auch verzichten“, denn das schränkt den Welpen in seiner Freiheit und seinem Wohlbefinden ein!!!
    So freundlich wie diese Ratschläge auch gemeint sind, es kommt doch viel zu sehr auf die Einzelsituation und das Individuum mit seinen Erfahrungen an. Einem ängstlichen Welpen erkläre ich die Situation auf jeden Fall in mehreren Schritten Richtung Endverhalten und lasse ein Knurren oder Schnappen erst gar nicht entstehen auch unter Ablenkung mit dem Keks in der Hand. Also erfahrene Fachkraft sehe ich schon vorher, wenn ein Welpen oder Junghunde ängstlich ist und zum knurren und schnappen neigen könnte, ohne dass ich es erst mal auf die Spitze treiben muss. Es gibt aber auch durchaus Wesens stabile Hunde, die von guten Züchtern schon auf das enge Zusammenleben mit Menschen vorbereitet werden. Das nenne ich stark für das reale Leben! Wer den Hund mal nicht als „trotziges Kleinkind“ sehen möchte, sollte wissen, dass es auch Welpen und Junghunde gibt die sehr wohl kein Problem damit haben von „fremden“ (muss ja nicht immer ein Fremder mit mir üben) festgehalten zu werden. Ich möchte mal kurz in den Raum werfen, wie ein Welpe denn geimpft werden soll? Klar kann ich meinen Hund selbst festhalten und ein fremder (Tierarzt) nähert sich, aber im Punkt Vertrauen ist ja da wieder ein großer Bruch! (zudem sind ungeübte Welpen Besitzer zu zögerlich und es entsteht mehr Schaden, als wenn eine geübte Tierarzthelfer/in den kleinen sicher festhält und ich einfach mal ein paar Kekse zur Ablenkung verabreiche.) Lieber erkläre ich/ vielleicht auch schon der Züchter…dass nichts schlimmes passiert, wenn ich mal gegen meinen Willen (kann auch mal 1 Sekunden sein) festgehalten werde (da muss der Hund auch noch nicht strampeln und winseln bzw. knurren), am besten hunderte male, damit beim hunderteinten mal (beim anprobieren des Welpen-Geschirres mit der netten Verkäuferin) der Hund nicht die einzige Erfahrung macht die er hat und in Panik ausbricht, weil SOWAS ja noch nie mit ihm gemacht wurde.
    Wie gesagt wer beim Welpen unsicher ist, sollte sich bei der Wahl der Welpen- und Junghundeschule vielleicht etwas mehr Gedanken manchen, vielleicht den ein oder anderen Kilometer mehr hinter sich bringen und dafür auch eine Fachkraft suchen, die dich und deinen Hund als das sieht was es ist, eine Individuelles Team aus Mensch-Erfahrung, Hund-Erfahrung, Soziales-Leben, Umwelt und Genetik. Für mich ist ein Trainer kompetent, wenn er mir gegenüber eine individuelle Aussage trifft und nicht in generellen Phrasen verharrt, wie das die letzten Jahrzehnte vielleicht zu oft passiert ist!
    So ein Welpen Ping-Pong, kann man sicher zum Spaß mit dem Welpen üben. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass der Welpe zwar schnell und freudig kommt um sich das Leckerlie zu nehmen aber genauso schnell und freudig wieder von mir weg läuft. Das ist eben dann blöd, wenn der Fahrradfahrer doch noch nicht so weit weg ist.
    Am liebsten ist mir hier eine Pfeife mit der der Welpen schon zum Zufüttern gerufen wurde und der Hund auch im Training die Erfahrung macht, nach dem Rufen und belohnt werden fängt der Spaß erst an und ist nicht schlagartig zu Ende! Und für Welpen aus schlechteren Grundbedingungen habe ich auch immer noch einen Trick auf Lager und einen Rat für Besitzer ohne, dass sie ihre Hunde quälen müssen, damit er „funktioniert“! In meinen Augen wird ein ängstlicher Hund der seinen Alltag nicht erträgt, sein Leben lang mehr gequält als ein stabiler Hund der die Erfahrung macht, dass ihm in keiner Lebenslage etwas passiert sondern das Nähe etwas positives ist! Bei Fragen oder Kritik bin ich gerne bereit zu diskutieren, denn ohne Kritik die erst genommen wird kann sich nie etwas ändern! Email an Cornelia@federl.net

  4. Cornelia, ich verstehe Deinen Beitrag ehrlich gesagt nicht so ganz, weil Du bisschen in den Themen hin und her springst.
    Im Artikel ist klar und deutlich erklärt, dass es dem Hund natürlich beigebracht werde soll, sich anfassen zu lassen.
    Das Handling beim Tierarzt ist ja noch mal ein komplett anderes Thema als das festhalten beim auftrainieren eines Rückrufs.

    Es geht um Zwang, den der Welpe unvorbereitet erdulden muss.

    Wie „erklärst“ du einem ängstlichem Welpen eine Situation in mehreren Schritten Richtung Endverhalten?

    Ich habe einen Hund, der als Welpe schon richtig viel durch hat mit Zwang und Strafe. Die Folgen wird er sein Leben lang tragen. Ich kann seine Erfahrungen nicht auslöschen, aber die Umweltbedingungen verbessern.

    Und das wieder weg laufen kann übrigens eine noch viel bessere Belohnung sein als das Stückchen Futter.
    DAS ist Individualität. Belohnungen anpassen, je nach Motivation.

  5. avatar Cornelia sagt:

    Ich habe diesen Artikel so gelesen: (Zusammengefasst)

    Ein Welpe darf NEIN sagen:
    Aber unser Welpe soll das alles mit sich machen lassen ? Das geht gar nicht! =
    Kinder dürfen auch mal NEIN sagen, deshalb darf ein Hund das auch!

    Wohlfühlbereich =
    Es gibt eben Hund die sich nicht gerne anfassen lassen und das ist auch normal so!

    Privatsphäre = In Welpenstunden sollten keine engen oder bedrängenden Übungen gemacht werden!

    Welpe festhalten = Solche Übungen gehören verboten!

    Lärmende Kinder = Erst mal sollte man alle Kinder erziehen, damit mein Hund nicht lernen muss mit Kindern um zu gehen!

    Ein Welpe darf NEIN sagen! = Wenn ein Welpe sie anknurrt oder schnappt, sind sie immer selbst schuld und sollten ihre Finger einfach von ihm lassen! (Spielaufforderung und Übersprungshandlung kommt praktisch nie vor)

    Vertrauen schaffen = Ein Welpe der nie lernen muss mit Stress umzugehen wird ein starker Welpe werden!

    Also aus dieser Perspektive des Artikels muss ich absolut klarstellen, dass ich persönlich nicht diese Meinung teile!

    Weitere Fragen beantworte ich gerne per Email… denn ich besuche diese Seite nicht täglich um zu antworten! Cornelia@federl.net

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