Falsche Ratschläge

Beitrag 3 von 12 der Artikelserie: Welpen - Positiv Wege weisen
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Wenn der Welpe einzieht, ist er neugierig auf die Welt und noch voller Vertrauen in seinen Menschen. Doch leider werden die WelpenbesitzerInnen in Hundeschulen und –vereinen oft dazu angeleitet, das Vertrauen ihres Hundes nachhaltig zu erschüttern.

Wenn du in der Welpenschule diese falschen Ratschläge erhältst, dann solltest du dir eine andere suchen. Frage dich auch immer, ob du diesen Rat für ein kleines Kind befolgen würdest.

Foto: Annette Mosig

Den Hund nicht auf den Arm nehmen, wenn er Angst hat

Zoe, 9 Wochen alt, ist zum ersten Mal auf dem Hundeplatz und schaut sich das Treiben an. Ein großer, fremder Hund kommt auf sie zu, will sie bedrängen. Zoe ist das zu viel, sie ist ängstlich – und wird von ihrer Hundehalterin auf den Arm genommen. Und da kommt schon der „beliebte“ Satz vom Übungsleiter: „So ziehst du dir einen Schisser ran, sie muss lernen, dass sie da keine Angst zu haben braucht. “

Richtig ist: Hat der Welpe Angst, dann muss die Hundehalterin ihn beschützen. „Keine Angst zu haben“ lernt der Welpe am besten, wenn er nicht bedrängt wird, sondern sich selbst dem fremden Hund langsam annähern kann.

Kontakt zu neuen Dingen erzwingen

In der Welpengruppe werden die Hunde mit neuen Dingen bekannt gemacht. Die ÜbungsleiterInnen haben eine große Plane, mit der sie wedeln und auf die Hunde zulaufen. Benji findet das unheimlich und weicht zurück, die Hundehalterin läuft mit ihm mit, so dass er das Geschehen aus sicherer Entfernung betrachten kann. Und da ist er wieder, der Satz: „Das muss er lernen! Du hilfst ihm nicht, wenn du seiner Angst nachgibst.“

Richtig ist: Der Welpe muss die Möglichkeit haben, seine Wohlfühldistanz zu neuen Gegenständen selbst festzulegen. Wenn der Hund also erst einmal mehr Abstand braucht, dann ist das völlig in Ordnung.

Welpe bei Angst nicht trösten

Vor Silvester werden alle WelpenbesitzerInnen auf dem Hundeplatz ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie ihren Welpen auf keinen Fall trösten dürfen, wenn er bei der Knallerei Angst zeigt. Sie sollen ihn einfach ignorieren. Denn so merkt er, dass er keine Angst haben muss.

Richtig ist: Hat der Welpe bei der Silvesterknallerei Angst, dann braucht er Trost und Schutz. Die Angst wird nicht verstärkt, weil der Welpe getröstet wird. Im Gegenteil, der Welpe fühlt sich sicher und geborgen.

Kontakt zu fremden Menschen

Eine Übung auf dem Hundeplatz ist es, den Welpen von Arm zu Arm reichen. So soll er lernen, dass auch fremde Menschen in Ordnung sind. Der Welpe darf erst weiter gereicht werden, wenn er nicht mehr zappelt.

Foto: Andrea Pausch

Richtig ist: Diese Übung macht sicherlich jedem Welpen Stress. Fremde Menschen werden so als bedrohlich wahrgenommen. Besser ist es, die Menschen setzen sich auf den Boden und warten, dass der Welpe von allein zu ihnen kommt. Dann bekommt er ein Leckerchen.

Vergiss es!

Alle diese Tipps können dazu führen, dass der Welpe das Vertrauen in seinen Menschen verliert oder an seinem Menschen zweifelt.

Der Mensch hat die Aufgabe, seinen Hund vor fremden Menschen und Situationen zu schützen! Wenn ein Welpe in seinem Tempo und aus sicherer Entfernung neue Dinge kennenlernen kann, dann wird er seinem Menschen vertrauensvoll folgen.

 

15 Antworten

  1. avatar Simone sagt:

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    Guter Artikel!

  2. avatar Mirko sagt:

    Ich finde das ist generell immer eine gute Frage: würdest du das mit deinem Kind so machen?
    Sollte man sich einfach öfter stellen…
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  3. einfach nur…. empfehlenswert!

  4. avatar Brigitte Becker sagt:

    Toller Artikel. Ich glaube fast jeder hat schon negative Erfahrungen mit seinem Welpen in einer Hundeschule gemacht. Gerade wenn unerfahrene Hundemenschen in solche Hände geraten, sind Probleme vorprogrammiert. Warum gibt es kaum richtig gute Welpenbücher? Viele Erziehungsmethoden sind schon lange überholt. In der Hundeerziehung hat sich viel getan, deshalb ist es so wichtig offen für Neues zu sein. Super das es Markertraining gibt, danke für die vielen wertvollen Tipps. Macht weiter so. Dafür verdient ihr mindestens 5 Käpsele.

  5. avatar Astrid sagt:

    Guter Artikel. Ich habe am Anfang mit meinem Beagle genau diese Fehler (und viele mehr) beigebracht bekommen. Der Schlimmste: Hund am Nacken packen und schütteln wenn er Mist gebaut hat!!!
    Ich habe schleunigst die Schule gewechselt…und jedesmal wenn jemand diese Hundeschule empfahl, gewarnt. Aber es wollte niemand hören…was zählte war, dass der Hund kuschte. Kein Wunder, der hatte Panik.
    Und auch kein Wunder, dass viele Schäferhunde aggressiv sind….die Schule wurde von einem Schäferhundezüchter geleitet.

    Astrid

  6. Seit Jahren predige ich genau DAS meinen Welpenfamilien, trotzdem schön zu lesen, dass es auch andere so erkannt haben.
    Super Seitehttp://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif

  7. avatar Steffi sagt:

    das ist alles prima und richtig. Nur die Geschichte mit Sylvester würde ich so nicht unterschreiben. Selbsterfahrung hat es mir gelehrt. Sehr junge Welpen sollte man ,wenn möglich schützen in diese Situation zu kommen (lautere Musik zB) .Am Besten bewährt sich bevor Angst aufkommt ein lustiges Spielchen zu beginnen. Klar , dass man mit einem Welpen auch des öfteren vor die Türe muß und ihn nicht ganz und gar vor möglichen Angstsituationen retten kann. Um so lustiger ich bin umso schneller beruhigt er sich aber wieder. Meine Erfahrung.

  8. […] wachsen mit Liebe und Vertrauen Angelika Bodein: Clicker und Vertrauen Angelika Bodein: Falsche Ratschläge Angelika Bodein: Ein Welpe darf NEIN sagen! Angelika Bodein: Ruhe ist die erste Welpenpflicht! […]

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