Jetzt geht schön spielen!

Beitrag 1 von 9 der Artikelserie: Das Spielverhalten von Hunden
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Es ist schön, Hunden beim Spielen zu beobachten. Die meisten Hundehalter wünschen sich, dass ihr Hund möglichst häufig mit anderen Hunden spielt. Allerdings haben Hund und Halter oft eine andere Idee davon, was „schönes Spielen“ eigentlich ist.

Spiel oder kein Spiel?

Ist das noch Spiel?

„Die spielen doch aber so schön!“ antwortet mir eine Hundehalterin, als ich sie bitte,  ihren Hund zurückzurufen, weil er meinen übers Feld scheucht. Crispel findet nicht, dass es sich um Spiel handelt. Er hat bereits drei Mal versucht, den Hund bei seiner Halterin abzuliefern. Weil diese aber denkt, dass die doch so schön spielen, lässt sie ihren Hund weiter rennen. Schließlich kommt Crispel zu mir und versucht den Hund bei mir loszuwerden. Leider bekomme ich dessen Halsband nicht zu fassen. Schließlich bölkt er den Hund einmal an und versteckt sich hinter mir. „Ist Ihr Hund aber aggressiv!“ sagt die Hundehalterin und sucht ihrem Hund ein anderes Opfer.

Aber der knurrt so böse

Spiel oder Streit um den Ball? Manche Hunde spielen sehr lautstark. Das kann sehr beängstigend klingen. Verständlicherweise sind viele Hundehalter beunruhigt, wenn ihr Hund angeknurrt wird oder umgekehrt.  Sie halten es für Aggression und gehen dazwischen.

Schönes spielen kann sich also furchterregend anhören (und aussehen). Und etwas, was kein Spiel ist, wird oft damit verwechselt.

Ob es nun Spiel ist, können Ihnen die Hunde sagen.

Spiel ist, wenn…

Nur wenn beide Hunde es für Spiel halten, ist es auch Spiel.

„Fragen“ Sie doch die Hunde, ob sie miteinander spielen: rufen Sie sie ab, gehen ein Stückchen auseinander und lassen Sie die Hunde dann wieder laufen. Möchten beide Hunde weiterspielen? Oder ist einer erleichtert, dass es vorbei ist, und läuft nicht zurück um die nächste Runde einzuläuten?

Geeignete Spielpartner

Kendo (http://en.wikipedia.org/wiki/Kendo) Möchten Sie mit jedem Menschen spielen? Auch wenn der schwer bewaffnet ist, Sie ihn nicht kennen und er vielleicht nach Regeln spielt, die Sie nicht kennen? Wahrscheinlich eher nicht.

Ihrem Hund geht es genauso. Er weiß, das sein Spielpartner potentiell gefährliche Waffen im Maul hat. Je nach Lebenserfahrung hat er bereits Erfahrungen – gute und/oder schlechte – beim Spielen mit anderen Hunden gesammelt. Er wird sich seinen Erfahrungen entsprechend verhalten, aber das gilt auch für den anderen Hund. Wenn Sie den anderen Hund nicht kennen, ist das wie Russisches Roulette. „Einfach spielen lassen“ kann klappen – oder in die Hose gehen.

„Einfach Spielen“ ist gar nicht so leicht

In meiner neuen Serie über das Spielverhalten von Hunden geht es in den kommenden Folgen u.a. um:

  • Wie sieht Spielverhalten aus?
  • Möchte der Hund tatsächlich mit jedem anderen Hund spielen?
  • Wie finden Sie einen geeigneten Spielpartner?
  • Kann und/oder muss Spielen geübt oder vorbereitet werden und wenn ja wie?
  • Was Sie tun können, wenn das Spiel zu kippen droht
  • Warum spielen Tiere überhaupt?
  • Risiken und Nebenwirkungen von (Welpen-)Spielgruppen

 

29 Antworten

  1. avatar Sylvia Steiner sagt:

    Bin gespannt auf die Fortsetzung! Wir gehen schliesslich auch nicht mit jedem Kaffee trinken!!

  2. avatar Sofia sagt:

    Ich hoffe, ich bekomme Tipps, wie ich meiner Kollegin sagen kann, dass ich es nicht toll finde, dass ihr Golden meinen Flat dauernd am Kragen packt: „Sie spielt nur mit ihm so …… “ *grrrr*

  3. avatar Ann sagt:

    Stimme dir soweit völlig zu und wüsste spontan so einige, die diesen Artikel dringend lesen sollten.

    Hier vielleicht aber noch eine andere Perspektive:
    Warum sollte jeder Hund denn sofort mit einem anderen „spielen“ wollen? Okay, die Hunde beschnuppern sich kurz und dann rennen sie gemeinsam über die Wiese, Jagdspiele halt. Wenn ich jemanden kennenlerne, frage ich doch auch nicht gleich: „Ah, ist das Ihr Labrador? Lust auf eine Runde Monopoly?“ Das hündische Sozialverhalten geht doch weit über das Spielen hinaus: zusammen fressen, zusammen die Welt erkunden gehen, zusammen Ruhen,…
    Ich finde das deshalb erwähnenswert, weil ich den Eindruck habe, dass dem Sozialspiel ein viel höherer Stellenwert beigemessen wird, als allen anderen sozialen Aktivitäten gemeinsam.
    Der Großteil der Spielsequenzen, die ich bislang auf Hundewiesen beobachten durfte, waren Jagdspiele – ein Hetzen, ohne Rücksicht auf Verletzungen. Überschüssige Energie loswerden – mehr nicht. Manche, v.a. ältere Hunde drehen in einer Gruppe mit ihren Besitzern eine Runde über die Hundewiese, das ist schon viel entspannter. Andere Spielformen, die sich zum Beispiel aus der gegenseitigen Pflege ergeben, habe ich noch nicht gesehen. Ich erwarte sie auch nicht bei Hunden zu sehen, die sich nur flüchtig kennen – aber genau das finde ich schade.
    Was ist denn mit dem Ansatz: lieber wenige, ausgewählte Sozialkontakte (gut erzogene, abrufbare, gut sozialisierte Hunde) als ständig wechselnde frustrierende und zum Teil aggressive Begegnungen?

    Gruß

  4. avatar max sagt:

    Ein sehr interessanter Anfang – das macht Lust auf die Serie :-). Auch wenn Hunde in die Jahre kommen, ist das penetrante „Spielen wollen“ jüngerer Artgenossen eher unangenehm bis nervenaufreibend. Dabei ist unser Senior auch noch so übertrieben höflich, dass er das nicht mit einem kurzen aber bestimmten Knurrer zum Ausdruck bringt. Da lässt er sich eher anhüpfen und anrempeln, obwohl ihm gar nicht nach Spielen ist.

  5. avatar Karen sagt:

    Ich freue mich über jeden Artikel hier und versuche, Vieles umzusetzen…

    Dieser Artikel macht mich ein bisschen traurig, da ich bzw. meine Hündin aus 2. Hand sehr unter diesen „Hunde brauchen viel Sozialkontakt-„,“meiner tut nix“- und „lassen Sie unsere Hunde doch spielen, meine/r mag andere Hunde“- Menschen leiden muss.

    Angeleint hat sie große Angst vor allem, was sich bewegt, ich mache Bögen um Mensch und Hund, taste mich in minimalen Entfernungsänderungen an ihre Toleranzgrenze und gehe mittlerweile in meinem Viertel nur noch sehr angespannt spazieren, da jeder Hinz und Kunz meint, mein Hund „brächte das“, wenn ihre/r sich aus sie stürzen und sie begrüßen/anknurren/was auch immer mit ihr tun…

    Auf meine bestimmte Forderung: „Rufen Sie bitte Ihren Hund zurück, ICH möchte nicht, dass er auf meine zustürzt“/“Bitte nehmen Sie ihre/n an die Leine, meine hat Angst aufgrund fehlender Sozialisation im Welpenalter“, bekomme ich nur zu hören, was für ein egoistisches Arschloch ich sei und dass mein Hund einem ja leid tun könnte… Nicht eine Person fragt nach dem Warum, wir (bzw ich als Halterin) werden ziemlich oft beschimpft…

    Sind wir jedoch am anderen Rheinufer, gibt es solche Situationen kaum, fast alle Mensch-Hund-Gespanne erkennen umgehend, dass meine Hündin Angst hat/unsicher ist, weichen uns aus (Menschen) oder bieten sehr unterwürfiges und freundliches Verhalten an (Hunde). Einige kennen uns schon länger und freuen sich mit mir über jeden Fortschritt, sei er auch noch so klein. Ab und an begegnen wir sogar Gespannen, zu denen mein Hund von sich aus Kontakt möchte – auch ich kläre VORHER ab, ob dieser gewünscht ist.
    Ich wünschte, die Rücksichtnahme würde wieder Einzug halten bei HundehalterInnen…Es wäre toll, Artikel wie diesen hier, jedem Hundehalter als Pflichtlektüre zukommen zu lassen, ich bin mir ziemlich sicher, dass es so einige HundehalterInnen gibt, die ein ähnliches Problem haben und die dankbar wären für diese Art Unterstützung – nicht jeder nutzt Facebook 😉

    Vielen herzlichsten Dank für die tollen Artikel, wir profitieren viel davon und empfehlen sie fleißig weiter <3

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