Märchenstunde – „Persönlichkeit statt Leckerli“

Aktualisiert am 06.06.2013
Beitrag 7 von 18 der Artikelserie: Märchen aus der Hundeerziehung
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Ein „Hundetrainer“ aus dem Norden Deutschlands schrieb ein Buch mit dem Titel: Persönlichkeit statt Leckerli.

Hinter dieser „Persönlichkeit“ steckt jemand, der andere anweist, Problemverhalten des Hundes mit Metallschüsseln zu strafen.

Persönlichkeit statt Leckerchen?

Viele Hundehalter haben große Probleme, ihre Hunde zu belohnen. Und schon gar nicht mit Futter. Ein nett formuliertes „Fein“ muss völlig ausreichen. Schließlich soll der Hund alle Kommandos befolgen und einfach brav sein, weil der Halter soviel Persönlichkeit hat.

Die Angst davor, den Hund angemessen zu belohnen, scheint tief in diesen „Persönlichkeiten“ verankert zu sein. Die eigene Souveränität und die Beziehung zum Hund sollen völlig ausreichen, dass der Hund folgt.  

krabbe

Wie arbeiten diese Persönlichkeiten?

Dabei fällt immer eines auf: diese „Persönlichkeiten“ arbeiten sehr viel über Strafe, Einschüchterung und Hemmung. Sie bezeichnen das Ganze aber als positive, hundgerechte Erziehung, die dem Hund Regeln und Grenzen aufzeigt.

Es fühlt sich für viele Menschen gut an, „Herr“ über ein Wesen zu sein und es zu manipulieren. Das funktioniert meistens, es bestätigt den gewählten Weg und ist Balsam für das Ego.

Wir wissen natürlich, dass Hundeerziehung über Strafe funktioniert. Interessant ist nur, was wer als Strafe empfindet. Leider wird Strafe von den Anwendern ganz unterschiedlich empfunden.

Eigentlich genügt ein Blick auf den Hund, um zu erkennen, ob dieser gerade mit Strafen traktiert wird oder nicht: angelegte Ohren, abgewandter Kopf, Stressgesicht, etc. Sehr schön zu sehen auf ZDF Info (Mediathek), „Die Hundeflüsterin Maja Nowak“, Fall Marcy, Minute 1.27, 3.30, 6.58 und 11.14.

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Die Argumentation…

Das Hauptargument der „Persönlichkeiten“ lautet immer: Ich konditioniere meinen Hund nicht. Und das ist schon gelogen.

Training geht nicht ohne Konditionierung, Kommunikation ebenfalls nicht. Ich denke, dass der Hund von einer „Persönlichkeit“ auch ein SITZ beherrscht. Dies ist ein konditioniertes Verhalten, wenn ich es auf Signal abrufen kann.

Die Persönlichkeit hat es wahrscheinlich konditioniert, indem sie das Hinterteil des Hundes zu Boden gedrückt hat, andere belohnen einfach das Hinsetzen und schalten ein Signal davor.

Gleichgültig, ob ein Verhalten positiv mit Belohnung oder negativ über Strafe aufgebaut wurde, es ist konditioniert.

Im ersten Fall macht der Hund SITZ,  weil es ihm Spaß macht und er was Tolles dafür bekommt, im zweiten Fall vermeidet er mit dem Hinsetzen unangenehme Konsequenzen.

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Persönlichkeit haben und positiv bestärken

Im Duden steht als Definition von Persönlichkeit:

  • Gesamtheit der persönlichen (charakteristischen, individuellen) Eigenschaften eines Menschen
  • Mensch mit ausgeprägter individueller Eigenart
  • jemand, der eine führende Rolle im gesellschaftlichen Leben spielt

Ich bin eine Hundehalterin mit Persönlichkeit. Meine charakterlichen Eigenschaften bestehen u. a. darin, mich um Lebewesen in meiner Obhut bestmöglichst zu kümmern. Ich lerne ihre Bedürfnisse kennen und diese auch zu befriedigen.

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Ich mache das sogar in sehr ausgeprägter Eigenart, denn ich belohne nicht nur mit Futter, sondern auch mit Spielzeug, Worten, Sequenzen aus dem Jagdverhalten, Umwelt und Zuwendung.

Eine führende Rolle im gesellschaftlichen Leben spiele ich auch, denn ich bin Teil von HUNDE DENKEN – Markertraining, kenne durch meine Arbeit mit Hunden sehr viele großartige Menschen mit ihren Hunden und habe kein Problem damit, dass meinen Hund meine Persönlichkeit nicht die Bohne interessiert.

 

 

 

56 Antworten

  1. avatar Dagmar Milde sagt:

    Eigentlich wollte ich an diesen Diskussionen nicht mehr teilnehmen, aber ich kann diesen hochgestochenen Quatsch nicht unkommentiert lassen.
    „Intrinsisches Lernen“ welches durch die (ach so tolle ) Persönlichkeit des (ach so tollen ) Trainers ausgelöst wird..dieses Lernen soll sich von konditioniertem Lernen unterscheiden ?? Ja ,wo kommt denn die Freude am Lernen wohl her, ohne dass sie konditioniert wurde ?
    Wieso wurde der Welpe, der durch den AAM (hoffentlich wissen jetzt alle was das ist ;-) ….) die Zitze der Mutter findet und dort durch Befriedigung seiner Bedürfnisse BELOHNT (pfui) wird..wieso wurde er nicht konditioniert ?? Wenn er das nächste Mal die Zitze aufsucht , tut er das „nur“ weil die Mutterhündin so eine tolle Persönlichkeit ist und weil es ihm sooo viel Spass macht zu lernen? Er wurde weder klassisch konditioniert , noch hat er operant gelernt, dass es sich LOHNT, den Weg zur Mutter zu suchen ???
    Und warum setzt sich eine Mutterhündin, deren Welpen gerade laufen lernen immer in die entfernteste Ecke des Welpenauslaufs?? Mmmh, weil sie so eine tolle Persönlichkeit ist ??
    JA, IST SIE. Sie weiss nämlich instinktiv, dass die kleinen Welpen dadurch motiviert werden (ist das nicht auch wieder so ein PFUI-Wort?) laufen zu lernen, damit sie die ,durch klassische Konditionierung erlernte ,Quelle der Belohnung (pfui,pfui) finden können. Operant lernen sie dadurch, dass es Spass macht zu lernen (und sich zu bemühen), weil am Schluss nämlich eine Belohnung winkt…und die ist auch noch trinkbar, also fast ein Leckerli..iiigitt

    • avatar fuchs sagt:

      Motivation hat, wissenschaftlich gesehen, rein GAR nichts mit Konditionierung zu tun, ebenso Lernen!! Konditionierung kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Bedingungsmachung, und genau DAS ist es, es wird eine Bedingung von außen gestellt, und zwar in Ihrem Fall durch Sie, in Ihrem Bsp, ist die Bedingung aber durch die Natur GEGEBEN, das ist ein MEILENWEITER Unterschied!! 😉

  2. avatar Lar Enck Ursu sagt:

    Hm, meine Persönlichkeit besteht irgendwie nicht nur aus meinen Interessen, damit bin ich bestimmt nicht alleine.

    Der wohl absichtlich nicht erwähnte Unterschied ist, dass die meisten Leute, die nicht ALLES über vermeindliche Konditionierung laufen lassen bewusst zwischem Lernen von Tricks (Sitz, Platz, Schau mich an) und sozialem Lernen unterscheiden.
    Ersteres wird konditioniert und zwar positiv (hoppla, kein Griff nach der Macht über das niedere Wesen?) das zweite kann ich natürlich auch konditioneren, das braucht der Hund aber nicht, er leidet nicht unter Asperger, er muss nicht auswendig lernen wie er auf welche soziale Interaktion regieren sollte.
    Ich verkaufe meine Hunde nicht gerne für dümmer als sie sind.

    Wenn jemand so viel weiß wäre es schön, wenn dann auch differenzierter geschrieben werden würde.

    • avatar Petra sagt:

      Soziales Lernen funktioniert genauso über Konditionierung, wurde ja oben schon schön erklärt.
      Was hat denn das eigentlich mit Auswendiglernen zu tun? Warum ist das Auswendiglernen?
      Verhalten wird doch nicht stumpf auswendig gelernt, sondern basiert IMMER auf einem Gefühl. Gerade im „sozialen“ Bereich.

      • avatar Lar Enck Ursu sagt:

        Da stimme ich Dir zu, es gibt Lebewesen, die auch im Sozialen nur nach plus und minus lernen.

      • avatar Lar Enck Ursu sagt:

        Da fällt mir gerade auf, wenn alles Konditionierung ist mache ich es genau richtig.
        Ich korrigiere, wenn etwas nicht getan werden soll und ich verstärke, wenn ich das Tun begrüße.

    • avatar fuchs sagt:

      🙂 👍 vor Allem der vorletzte Satz!! 😂 👌

  3. avatar Petra sagt:

    Ich finds irgendwie ironisch, dass ausgerechnet „uns“ gesagt wird, wir würden den Hund in etwas „drängen“, was er eigentlich gar nicht will http://markertraining.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif

    Es geht doch bei „uns“ immer genau darum, die eigentlich, wenn man will „intrinsische“ Motivation für ein Verhalten herauszufinden. Klassisches Beispiel: Pöbelt er, weil er zum anderen hin will, oder weil er eigentlich weg will und mehr Abstand braucht. Und das wollen wir wissen, damit wir GEZIELT das benutzen können, um zu belohnen oder eben als Alternative anzubieten. Wir richten das Alternativverhalten danach aus, was der Hund eigentlich braucht oder möchte.
    Während bei aversiven Methoden drauf gesch… wird, warum der Hund pöbelt und einfach gehemmt und abgestellt wird, was einem nicht gefällt.

    Aber WIR sind die, die uns über die Gefühlslage des Hundes hinwegsetzen… Ist klar. Und wenn man erklärt, dass man einen Hund nicht hemmt, weil die Grundlage seines Verhaltens z.B. gerade Angst ist, macht man sich darüber lustig, dass wir ja immer den armen Hund in Opferhaltung sehen und uns immer nur darum Gedanken machen würden, was er wohl fühlt.
    Vielleicht sollte man sich mal eine Argumentations- bzw. Stänkereigrundlage aussuchen und darin stringent bleiben.

    • avatar Lar Enck Ursu sagt:

      Nein, ihr setzt euch sich nicht über seine Gefühlslage hinweg, ihr leistet eurem Hund ganz ungehemmt Gesellschaft.

    • avatar fuchs sagt:

      Was ich einfach nicht verstehe: Inwiefern genau beachtet ihr das Gefühlsleben und die Bedürfnisse von Hunden, wenn ihr ihn immer nach gewünschtem Verhalten, gleich, nämlich mit Leckerlis und Marker belohnt, wo ist da Individualität und Gefühl, frag ich mich?! Ich glaube Euch, dass Ihr Euch Gedanken über sein Innenleben macht, aber wie und wo merkt das da der Hund bei Belohnung?! Sorry, ich verstehe es einfach beim besten Willen selbst nicht?! 😓😲

  4. …… es freut mich, wenn ich von anderen als eine „solche“ Persönlichkeit eingeschätzt werde……danke Regine – der Artikel ist toll……

  5. […] Der Welpenschutz Regine Hochhäusler: Knurren ist mangelnder Respekt Regine Hochhäusler: Persönlichkeit statt Leckerli Regine Hochhäusler: Clickern/ Markern ist…. Regine Hochhäusler: Das Ding mit dem Rudel Regine […]

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