Beitrag 1 von 6 der Artikelserie: Entspannter Alltag
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Bellen, kreischen, knurren…

Ihr Hund ist schnell erregbar?

Er bellt, kreischt, knurrt, fletscht die Zähne beim Anblick eines Artgenossen, einer Katze, eines Mannes mit merkwürdigem Hut auf dem Kopf?

Er nimmt seine Umwelt (oder wahlweise auch Sie selbst) kaum wahr, da er, sobald er vor die Tür kommt, einen regelrechten Tunnelblick entwickelt?

titus-und-birka

Zeit, sich mit sinnvollen Signalen und Werkzeugen auseinander zu setzen, die sowohl dem reaktiven Hund, als auch Ihnen, das Leben etwas leichter machen werden. Genau damit wird sich diese Reihe beschäftigen.

Ruhezeiten

Das A und O für reaktive Hunde: Entspannung

Jeder Hund braucht ausreichend Ruhezeiten – für reaktive Hunde gilt dies besonders. Wird das Schlaf- und Ruhebedürfnis nicht hinreichend befriedigt, so erinnern viele Hunde an kleine, übermüdete Kinder. Sie tapern unruhig umher, fiepen, hecheln, … Ein erwachsener Hund hat ein Ruhebedürfnis von etwa 17-20 Stunden pro Tag!

Um Ihrem Hund ausreichend Schlaf zu gönnen (und ihm diesen auch noch schmackhaft zu machen), könnten Sie

  • dem Hund einen Ruhe- und Schlafplatz einrichten, der seinen Bedürfnissen entspricht. Dies kann ein Körbchen, eine Box, ein Sofa usw. sein. Wichtig ist, dass der Hund diesen Platz angenehm verknüpft.
    Er kann also auch belohnt werden, wenn er seine Ruhezone aufsucht. Es sollten dort aber nur entspannende Aktivitäten (z.B. eine Kuscheleinheit, ein gefüllter Kong) angeboten werden.
  • den Hund belohnen, wenn er entspannt irgendwo herum liegt. Gehen Sie einfach kurz vorbei, geben ihm ein Leckerchen und gehen Sie weiter. Ihr Hund wird langfristig lernen, dass entspanntes Herumliegen sich für ihn auszahlt, auch wenn er anfangs vielleicht hinter Ihnen herläuft, um mehr Käsewürfel abzustauben.
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Konditionierte Entspannung

Eines der wichtigsten Werkzeuge überhaupt im Training und Zusammenleben mit reaktiven Hunden ist die sogenannte „Konditionierte Entspannung“. Sie kann sowohl passiv, als auch aktiv aufgebaut werden.

Beim passiven Aufbau wird ein bestimmtes „Signal“ immer dann präsentiert, wenn der Hund von sich aus entspanntes Verhalten zeigt, sich also hinlegt oder eindöst. Gerade Hunde, die sehr schnell erregbar sind, profitieren von dieser Art des Aufbaus mehr, als von einer klassischen Konditionierung, bei der man das Signal sagen würde, bevor der Hund sich entspannt. Das Signal kann ein Wort („Schlaaaafen“, „Eaaaasyyy“ o. Ä.), ein Geruch, eine bestimmte Decke, die man zum Hund legt oder ein Tuch (evtl. mit Duft), das man dem Hund anlegt, sein. Natürlich lassen sich auch mehrere dieser Signale verknüpfen.

Der aktive Aufbau besteht aus einer Verknüpfung eines Signals („Eaaaasyyy“) mit Berührungen, die den Hund entspannen. Man sagt also zuerst das Signal, wartet einen kurzen Moment ab und krault, massiert und streichelt den Hund dann. Nach einer kurzen Massagepause wiederholt man das Signal, wartet wiederum kurz ab und beginnt erneut, den Hund zu streicheln. Durch die Massage wird der Oxytocin („Kuschelhormon“)-Spiegel erhöht.

Der aktive Aufbau der konditionierten Entspannung bietet sich nur für Hunde an, die sich gerne anfassen lassen, ohne dabei „hochzufahren“. Bei meinem eigenen Hund habe ich erlebt, dass die aufgebaute passive Entspannung sozusagen als „Türöffner“ für den Aufbau der aktiven Entspannung diente – zunächst ließ er sich draußen nicht anfassen, wenn er aufgeregt war. Durch das passiv erlernte Entspannungssignal, das ich in solchen Situationen nutzte, konnte ich ihn nach und nach immer besser berühren und dieses Verhalten schlussendlich sogar unter Signal („Kuscheln“) stellen. Titus genießt die aktive konditionierte Entspannung draußen mittlerweile sehr und kommt in stressigen Situationen sogar selbst auf mich zu, um sich seine Massageeinheit abzuholen.

Entspannungssignal einsetzen

Nach einigen Tagen/Wochen ist das konditionierte Entspannungssignal einsatzbereit – es kann in Situationen genutzt werden, die für den Hund sehr erregend sind (Hundebegegnungen, Katzensichtung, Wildwechsel). Natürlich wird das Signal den Hund nicht dazu bringen, sich in diesen Situationen hinzulegen und zu schlafen – aber es macht ihn ansprechbarer und wirkt auch auf der emotionalen Ebene.

Entspannungssignal aufladen

Wichtig ist, dass das Entspannungssignal sehr regelmäßig „aufgeladen“ wird – und nicht nur in stressigen Situationen genutzt wird, da es dann schlimmstenfalls nur noch mit Erregung verknüpft ist.

Aber das Aufladen geht ja nebenher, braucht also keine zusätzliche Zeit. Ein „Eaaasyyyy“ lässt sich allerbestens murmeln, während man entspannt mit dem Hund auf dem Sofa liegt und ein Buch liest 😉

Buchempfehlungen zum Thema

Leslie McDevitt: Stressfrei über alle Hürden

 

15 Antworten

  1. […] ist das nicht Jedermanns Sache so mit einem reaktiven Hund zu arbeiten. Und noch ein Link: http://markertraining.de/reaktiver-h…nteren-alltag/ […]

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