Regeln bei der Anwendung von Strafe

Aktualisiert am 29.06.2013
Beitrag 3 von 6 der Artikelserie: Strafe im Hundetraining
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 Damit die Strafe wirkt, müssen viele Regeln gleichzeitig und immer eingehalten werden.

  • der Hund kann ein Alternativverhalten auf Signal ausführen
  • unerwünschtes Verhalten muss jedes Mal bestraft werden
  • Timing
  • Strafe muss angekündigt werden
  • Strafe muss hart genug sein…
  • …aber nicht zu hart
  • so selten wie möglich strafen
  • Einsatz von Management ist Pflicht
  • Strafe muss logisch sein
  • Keine Verstärkung nach einer Strafe
  • Alle Regeln müssen immer eingehalten werden

Der Hund kann ein Alternativverhalten auf Signal ausführen

Diese Regel wird in den allermeisten Fällen nicht eingehalten. Training über Strafe hat den Ruf, schnell zu funktionieren. Das unerwünschte Verhalten wird bestraft, aber kein alternatives Verhalten aufgebaut. Der Hund kann auf kein „sicheres“ Verhalten ausweichen, da er keines gelernt hat.  Er muss ausprobieren, bis er zufällig richtig liegt.

Unerwünschtes Verhalten muss jedes Mal bestraft werden

Auch diese Regel wird ständig missachtet. Das unerwünschte Verhalten muss immer bestraft werden, wenn es auftritt – also auch schon beim allerersten Mal. Geschieht das nicht, versucht der Hund herauszubekommen, unter welchen Gegebenheiten die Strafe ausbleibt.

Häufig kann man aber gar nicht strafen, weil man zum Beispiel nicht anwesend oder die Entfernung zu groß ist.

Menschen unterschieden auch in „nicht so schlimm“ und „das geht jetzt zu weit“ und bestrafen deshalb nicht konsequent jedes Auftreten des Verhaltens. Der Hund macht diese Unterscheidung nicht und kann so die Strafe nicht mit seinem Verhalten verknüpfen.

Timing

Die Strafe muss bis spätestens 2 Sekunden nach dem Beginn des Verhaltens erfolgen, sonst verknüpft der Hund die Strafe nicht mit seinem Verhalten. Diese Regel macht es praktisch unmöglich, Verhalten zu strafen, das in Entfernung oder in Abwesenheit des Menschen ausgeführt wird. Schwierig ist es auch bei Verhaltensketten, wie Jagdverhalten. Wann fängt „Jagen“ an? Beim Entdecken einer Spur? Beim Loshetzen?

Strafe muss angekündigt werden

Aus der Timing-Regel ergibt sich die Notwendigkeit, ein Warnsignal einzusetzen. Der Hund kann sonst sein Verhalten nicht mit der Strafe verknüpfen. Außerdem muss der Hund die Chance haben, durch Änderung seines Verhaltens die Strafe zu vermeiden. Das kann er nur, wenn ein Warnsignal die Strafe ankündigt. Ändert der Hund nach dem Warnsignal sein Verhalten, muss die Strafe ausbleiben!

Strafe muss hart genug sein…

Die Strafe muss das Verhalten umgehend abbrechen und bewirken, dass das Verhaltens in der Zukunft seltener auftritt. Sie muss also so hart sein, dass sie den Hund stark beeindruckt. Fängt man „zu weich“ an und steigert den Strafreiz, gewöhnt sich sich der Hund an die Strafe.

…aber nicht zu hart

Ist die Strafe zu hart, kann der Hund vor allen beteiligten Reizen Angst entwickeln.

So selten wie möglich strafen

Wenn positive Strafe eingesetzt wird, sollte man sie so selten wie möglich einsetzen, sonst gewöhnt sich der Hund an die Strafe. Damit verliert sie an Wirksamkeit.

Strafe soll das Auftreten des Verhaltens in der Zukunft reduzieren. Tritt das Verhalten weiterhin auf, ist der aversive Reiz für den Hund keine Strafe!

Einsatz von Management ist Pflicht

Sie müssen ein Auftreten des unerwünschten Verhaltens durch Management verhindern, wenn Sie das Verhalten nicht strafen können. Sonst wird das Verhalten variabel verstärkt, und damit noch hartnäckiger gegen „Aussterben“. Außerdem lernt der Hund, unter welchen Umständen keine Strafe erfolgt.

Strafe muss logisch sein

Beispiele: Die Strafe „ekeliger Geschmack“ kann eine wirkungsvolle Strafe für „Tischbein anknabbern“ sein, macht aber keinen Sinn bei anderen Verhalten. „Leinenruck“ ist für kein Verhalten eine logische Strafe, weil „geruckt werden“ für den Hund genetisch gesehen keine Bedeutung hat.

Keine Verstärkung nach einer Strafe

Wenn direkt nach der Strafe eine Belohnung folgt, kann es sein, dass die Strafe mit dem positiven Verstärker verknüpft wird, d.h. der Hund erträgt die Strafe für das unerwünschte Verhalten, weil ja anschließend die Belohnung kommt.

Alle Regeln müssen immer eingehalten werden

Ich habe noch in keiner Anleitung für eine strafbasierte Methode Hinweise auf die einzuhaltenden Regeln gefunden. Auch die Risiken und Nebenwirkungen werden meistens unter den Tisch gekehrt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Strafe im Hundetraining so ineffizient ist. Meistens wird nicht mal eine dieser Regeln eingehalten werden, da sie in den Anleitungen nicht erwähnt werden.

 

7 Antworten

  1. avatar Katrien sagt:

    Dieser Teil aus der Strafserie ist für mich der wichtigste… Danke Martina.

  2. […] Strafe in der Hundeerziehung Martina Schoppe: Was genau ist eigentlich Strafe Martina Schoppe: Regeln bei der Anwendung von Strafe Martina Schoppe: Erlernen Sie ein Alternativverhalten Chrissi Schranz: Punishment – and why […]

  3. […] genau ist eigentlich Strafe Martina Schoppe: zu Risiken und Nebenirkungen… Martina Schoppe: Regeln bei der Anwendung von Strafe Martina Schoppe: die vergessene Nebenwirkung der Strafe Martina Schoppe: Erlernen Sie ein […]

  4. […] genau ist eigentlich Strafe Martina Schoppe: zu Risiken und Nebenirkungen… Martina Schoppe: Regeln bei der Anwendung von Strafe Martina Schoppe: die vergessene Nebenwirkung der Strafe Martina Schoppe: Erlernen Sie ein […]

  5. […] mit postivier Strafe arbeiten will, der sollte wenigstens wissen wie, und sich der Risiken und Nebenwirkungen bewusst […]

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