Verschiedene Belohnungsarten aufbauen und aufwerten

Aktualisiert am 17.09.2015
Beitrag 10 von 11 der Artikelserie: Verstärkung im Hundetraining
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Beim Training mit positiver Verstärkung sind Sie nicht auf die Belohnung mit Leckerchen beschränkt. Nutzen Sie möglichst viele verschiedene für den Hund spannende Belohnungsarten.

Umwelt-Belohnungen aufbauen

Eigentlich müssen Sie diese Belohnungen gar nicht „aufbauen“ – der Hund zeigt verschiedene Verhalten ganz von alleine, wenn Sie ihn lassen. Um die gezielt als Belohnungen einsetzen zu können, muss der Hund lernen, wie das heißt, was er da macht.

Beobachten und Belohnungsliste anlegen

Schreiben Sie alles auf, was Ihr Hund machen würde, wenn Sie ihn einfach ließen.

belohnungsliste

 

Dann sortieren Sie:

  1. Direkt als Belohnung einsetzbar – nur Vokabellernen notwendig
    z.B.: Schnüffeln, Laufen, mit anderen Hunden spielen, Beobachten, Lauern, Buddeln, Schwimmen, Wälzen uvm.
  2. Nicht einsetzbar (gefährlich, ekelig) – möglichst ähnliche Alternativen suchen
    z.B.: Jagdverhalten (andere Tiere, Jogger, Radfahrer, Autos…), Zerstören von Möbeln, Kissen, Spielzeugen, Finden und Fressen von Unrat o.ä.
    „legale“ Alternativen:
    Statt (Jogger, Radfahrer, Wild, Autos etc.) zu hetzen: Reizangelspiele, mit dem Hund rennen, geworfenes Spielzeug hetzen, Verlorensuche auf der Rückspur
    Statt Möbel zu zerstören: Auspackpakete schreddern, Rinderknie, Kopfhautplatten, Ochsenziemer, Rinderohren, gefüllte Futterspielzeuge, wie KONGs, TUX, Monsterballs etc. Zergelspiele
    Statt Unrat zu fressen: Leckerchensuchspiele, Futterdummies suchen, „Müll-Anzeigen“ etc.

Vokabel lernen: „Geh schnüffeln“

img_1150 Sagen Sie „Schnüffeln“, während Ihr Hund schnüffelt:
Markieren und belohnen Sie. Wenn Ihr Hund auf das Markersignal „nicht reagiert“ – also nicht kommt, um sich eine Belohnung abzuholen, loben Sie ihn oder werfen Sie ihm das Leckerchen zu. Falls er weiterschnüffelt, können Sie nach ein paar Sekunden wieder „Schnüffeln“ sagen.

Texten Sie Ihren Hund nicht zu! Wenn Sie ihn verbal loben, Loben Sie ihn mit bekannten Wörtern, warten Sie dann 5 Sekunden bevor Sie wieder „schnüffeln“ sagen.

So kann er lernen, dass zu seinem Schnüffelverhalten das Wort „Schnüffeln“ gehört. Wiederholen Sie das zwei bis drei Mal, dann lassen Sie ihn erstmal wieder in Ruhe. Gehen Sie weiter mit ihm spazieren.

Nach 5 – 10 Minuten können Sie das Vokabel-Spiel wiederholen. So lernt Ihr Hund „Schnüffeln“ auch gleich an unterschiedlichen Orten und Situationen, das hilft beim Generalisieren.

Sagen Sie „Schnüffeln“ bevor er anfängt zu schnüffeln:
Bestimmt kennen Sie einige Lieblingsschnüffelstellen. Bleiben Sie mit Ihrem angeleinten Hund in 2-3 Meter Entfernung stehen, warten Sie auf einen Blickkontakt, lassen ihn einen Handtouch machen, clicken Sie und sagen Sie „geh schnüffeln“. Dann lassen Sie ihn zu seiner Schnüffelstelle laufen. Oder clicken Sie „an lockerer Leine gehen“, sagen Sie „geh schnüffeln“ und rennen dann mit ihm zur Schnüffelstelle.

Mit dem gleichen Prinzip können Sie Vokabeln für Buddeln, Schwimmen, Laufen, Spielen, etc. aufbauen.

Legale Alternativen aufbauen

img_5339 Das ist etwas aufwändiger, weil Ihr Hund die Alternative erst erlernen muss. Gerade Jagd-Ersatzverhalten müssen oft Sie erst in ablenkungsfreien Situationen einüben und dann unter steigenden Ablenkungen weiter ausbauen. Die meisten „Jägermeister“ sind in „wilden“ Situationen ohne diese Vorarbeit nicht an Spielzeug oder Futter interessiert. Üben Sie Reizangeln, Verlorensuchen etc erst einmal ohne jagdliche Ablenkungen.

Klassische Konditionierung: Futter mit „Premack“-Belohnungen aufwerten

Wenn Ihr Hund draußen nicht an Futter oder Spielzeug interessiert ist, bieten Sie es ihm trotzdem an, aber drängen Sie es ihm nicht auf. Weil er anschließend „sein Ding machen“ kann, werten Sie damit das Futter oder Spielzeug auf und irgendwann wird er in manchen Situationen auch Futter als Belohnung empfinden.

„Schwache“ Verstärker mit Futter aufwerten

Wenn Ihr Hund ein „Futterholiker“ und an nichts anderem interessiert ist, können Sie über klassische Konditionierung alternative Belohnungen aufbauen oder aufwerten. Verknüpfen Sie dazu einfach diese Belohnungen mit Futter:

  • Loben Sie verbal und geben Sie ein Leckerchen
  • Zeigen Sie ihm ein Spielzeug und geben Sie ein ganz besonderes Leckerchen
  • Kraulen Sie seine Ohren und geben Sie ihm ein Leckerchen

 

11 Antworten

  1. avatar anjoli sagt:

    danke sehr. *daumenhoch*
    ist immer noch (oder immer wieder ?) ein aktuelles thema bei uns.

  2. […] Martina Schoppe: Last oder Lust? Der Effekt des Markertrainings auf Hundehalter Martina Schoppe: Verschiedene Belohnungsarten aufbauen und aufwerten Martina Schoppe: Crispels Belohnungsguide Martina Schoppe: Gandhis Belohnungsguide Ulrike […]

  3. […] immer nur schneller, höher, lauter? Martina Schoppe: Empowement-Training Martina Schoppe: Verschiedene Belohnungsarten aufbauen und aufwerten Martina Schoppe: Positive Verstärkung – Trainingsmethode der unbegrenzten Möglichkeiten […]

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  5. avatar fuchs sagt:

    Ich kann einfach nur immer wieder mit dem Kopf schütteln, so ein Quatsch aus meiner Sicht, ich frag mich einfach: Was soll das?! Bin ich der Clown meines Hunds oder was? Der KANN mich m. M.n. gar nicht ernst nehmen, wenn ich sowas mach! Sry, nur meine bescheidene Meinung und die von Neuropsychologen und Verständigen wie dem Autor von “ Persönlichkeit statt Leckerli“

    • An einem anderen Artikel hast du kritisiert, dass der Hund das (in dem Fall „Sitz als Alternative für Anspringen“) ja nur macht, weil er Futter dafür bekäme.
      Hier siehst du, dass das nicht stimmt und kritisierst wiederum das. Da kann ich irgendwie nur mit dem Kopf schütteln.
      Wir bauen alternative Verstärker auf, weil Hunde eben nicht nur das Bedürfnis haben zu essen. Ich habe derzeit einen Gasthund im Haus, der in seinen ersten zwei Wochen hier Leckerchen als Belohnung gar nicht angenommen hat. Trotzdem konnte ich ihn ab Tag 1 draussen an seinem Problemverhalten „Fremde Menschen verbellen“ mit positiver Verstärkung trainieren – ohne Leckerli und ohne „Persönlichkeit“ – denn ich war ja auch völlig neu für den Hund…
      Zur „Fachkompetenz“ von Herrn Grewe möchte ich lieber nichts sagen. Allerdings ist es meiner Meinung nach immer noch kompetenter, nur mit Futter zu trainieren, als dem Hund die Futterschüssel vor den Kops zu hauen…

  6. avatar grace999 sagt:

    Also ich finde diesen und die anderen Artikel richtig gut. Ich habe einen RR- Rüden von 1,5 Jahren der draußen momentan auch nichts annimmt wenn andere Hunde vor allen Dingen bei Hündinnen. Er ist absolut nicht ansprechbar. Ich kann ihm nur leider das Leckerli nicht aufwerten indem ich ihn nach dem Anbieten zu den Mädels lasse. Mhh, wie ich es in einer solchen Situation löse, ist mir noch nicht ganz klar.

    • avatar Martina sagt:

      Grace, möchte er zu den anderen Hunden hin oder sie vertreiben?
      Wenn er gar nicht ansprechbar ist und du ihn nicht zu anderen Hunden hinlassen kannst (warum nicht, bzw. wirklich nie??) solltest du dich bitte an einen kompetenten Trainer wenden, der sich das mal live und in Farbe ansieht – irgend eine Belohnung geht eigentlich immer – nur eine Ferndiagnose zu stellen, ohne den Hund in der Situation zu sehen, ist ziemlich unmöglich.

  7. […] idealerweise, bevor das unerwünschte Verhalten überhaupt auftritt. Am Besten ihr macht euch eine Liste von allen möglichen Gutzis, Aktivitäten, Spielis usw, die euer Hund besonders gerne mag. Je […]

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